Schon bei der Begrüßung beweisen die beiden Selbstbewusstsein: „Das ist Stefan, ich bin Julian. Wir revolutionieren den Markt für Kaffeekapseln und dafür benötigen wir 500.000 Euro von Ihnen!“ Das sitzt. Das Interesse der Löwen ist geweckt. Aber spulen wir kurz zurück. Die beiden jungen Männer, die hier ihr Geschäftskonzept vorstellen, sind Stefan Zender und Julian Reitze. Sie sind in Mühlhausen-Ehingen aufgewachsen, in Singen aufs Gymnasium gegangen und haben in Stuttgart studiert. In der Landeshauptstadt gründeten die beiden Freunde Rezemo, jenes Unternehmen, das sie nun im Rahmen der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ fünf potenziellen Investoren vorstellen.

Ausgestrahlt wurde die Episode am Dienstagabend – aufgezeichnet wurde sie allerdings schon im Frühjahr, wie Stefan Zender dem SÜDKURIER am Mittwoch erzählt. Gar nicht so leicht, so lange für sich zu behalten, wie das erste Treffen mit den möglichen Geldgebern gelaufen ist. Vor allem, wenn es so positiv verläuft, wie im Falle der 26 und 27 Jahre alten Rezemo-Gründer.

Investoren reißen sich um die Gründer

Ihre Idee, aus den Restprodukten der Holzwirtschaft biologisch abbaubare Kaffeekapseln herzustellen, stößt direkt nach der in der Sendung üblichen Kurzpräsentation, dem sogenannten Pitch, auf das Interesse der Löwen. Vier von ihnen – Werbeexperte Carsten Maschmeyer, die frühere CSU-Politikerin und ehemalige Miss Germany Dagmar Wöhrl, Software-Experte Frank Thelen und Handelsunternehmer Ralf Dümmel – stürzen sich dann auch gleich in das Rennen um das beste Angebot.

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Hatten die Gründer mit einer solchen Reaktion gerechnet? „Wir waren schon vor der Aufzeichnung davon überzeugt, dass wir etwas Sinnvolles entwickelt haben“, sagt Zender. Aber auch wenn sie an das Potenzial ihrer ressourcenschonenden Kaffeekapseln glauben: „Ich war schon angespannt“, gibt der 26-Jährige zu. „Es hätte ja auch in eine andere Richtung laufen können.“ Stimmt. Schließlich lassen die Hegauer ihre prominenten Gegenüber ganz schön zappeln.

Ein besseres Angebot muss her

Selbst als sich Maschmeyer, Dümmel und Wöhrl zusammentun und den Gründern ein Angebot von 750.000 Euro bei einem Geschäftsanteil von 25 Prozent unterbreiten, fordern Zender und Reitze nach einer kurzen Beratung ein besseres Angebot ein. Judith Williams – der einzige Löwe, der kein eigenes Angebot abgibt – kommentiert zu diesem Zeitpunkt der Sendung: „Das ist einer der spannendsten Auftritte, den wir hier je hatten.“

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Die Zuschauer scheinen das genauso zu sehen. Tatsächlich geben sie Zender und Reitze am Dienstagabend nicht einmal Zeit dafür, ihren ersten Fernsehauftritt in Ruhe zu genießen: „Vom ersten Moment der Sendung an gingen am Dienstagabend Bestellungen und Kundenanfragen ein“, blickt Zender zurück.

„Wir haben versucht, alles so gut wie möglich zu beantworten und konnten die Sendung deshalb nur nebenher verfolgen.“ Egal, den Moment, als Dümmel, Maschmeyer und Wöhrl ihr Angebot auf eine Million Euro bei einer Geschäftsbeteiligung von 20 Prozent erhöhen, wird der 26-Jährige auch so in Erinnerung behalten.

Löwen und Gründer direkt nach der Aufzeichnung: Carsten Maschmeyer, Julian Reitze, Dagmar Wöhrl, Stefan Zender und Ralf Dümmel (von links).
Löwen und Gründer direkt nach der Aufzeichnung: Carsten Maschmeyer, Julian Reitze, Dagmar Wöhrl, Stefan Zender und Ralf Dümmel (von links). | Bild: TVNOW/Bernd-Michael Maurer

Als die Kameras ausgeschaltet sind

Leider auch deshalb, weil der in der Sendung gefeierte Deal am Ende doch platzt. Als die Kameras aus sind und sich Löwen und Gründer zusammensetzen, tun sich Differenzen auf, was die Ausrichtung des Unternehmens angeht. „Es waren sehr intensive Gespräche“, berichtet Zender. Vielleicht auch wegen der ungewöhnlichen Konstellation mit drei Investoren sei es nicht möglich gewesen, sich auf eine Vision zu einigen. „Aber: Wir sind in Kontakt geblieben und stehen nach wie vor in engem Austausch“, freut sich der Jungunternehmer.

Ob er nicht enttäuscht sei, dass das Millionenangebot am Ende doch ausgeblieben sei? „Nein.“ Nicht nur, weil man einen von der Sendung unabhängigen Plan verfolge und seit der Aufzeichnung stetig weiter gewachsen sei, sondern weil schon einen Tag nach der TV-Ausstrahlung ein enormer Nachfrageschub zu verzeichnen sei. „Diesen Schwung aus der Sendung werden wir erst einmal mitnehmen“, sagt Zender. „Und dann wollen wir beweisen, dass wir kein One-Hit-Wonder sind.“

Das steckt hinter den hölzernen Kaffeekapseln von Rezemo

  • Das Unternehmen: Den Markt der Kaffeekapseln revolutionieren – das ist das selbsterklärte Ziel des derzeit fünf Mitarbeiter starken Unternehmens mit Sitz in Stuttgart. Weltweit würden 60 Milliarden Kapseln, die entweder aus Aluminium oder Plastik bestehen, nach dem Gebrauch weggeworfen. „Es ist bekannt, dass in der Aluminiumgewinnung in den Tropen unsere Regenwälder zerstört werden, Plastik in riesigen Mengen durch die Weltmeere schwimmt und insbesondere als Mikroplastik die Ozeane verseucht“, erklären die Rezemo-Gründer. Trotz dieser Probleme sei es bislang niemandem gelungen, eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle Lösung zu schaffen.
  • Das Produkt: Im Rahmen der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ präsentierte das Unternehmen die weltweit einzige Kaffeekapsel aus Holz. „Unsere Kapsel ist nachweislich die erste Kaffeekapsel, die zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.“ Das Naturmaterial sei prädestiniert dafür, Nachhaltigkeit greifbar zu vermitteln. „Unsere Kapseln vertreiben wir sowohl online als auch über ausgewählte Einzelhändler und Feinkostmärkte“, erklärt Rezemo. Zum Kundenstamm zählten aber auch Hotels sowie andere Geschäftsleute.
  • Die Herstellung: „Mehr als drei Jahre Forschung stecken in der Innovation“, berichten die Gründer. Die eigens entwickelten Kaffeekapseln bestünden überwiegend aus Holz in Form von Hobelspänen aus heimischen Wäldern, welche in einem umweltfreundlichen Verfahren in Baden-Württemberg verarbeitet würden. Nach Gebrauch könne die Kapsel im Biomüll entsorgt oder verbrannt werden.

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