Selten sieht man so viele Kinder vor dem Rathaus in Mühlhausen versammelt. Ein Teil von ihnen schüttelte kräftig ein Schraubglas mit Milch gefüllt. "Wir machen Butter", war die Erklärung. Eine weitere Gruppe stand um Helmut Fluck herum, der an einer seltsamen Holzvorrichtung saß und mit einem Stab auf ein getrocknetes Büschel eindrosch. Damit hatte Klaus-Peter Minge nicht gerechnet: Die Senioren der Doppelgemeinde verbinden Generationen, 44 Kinder begaben sich im Ferienprogramm des Senioren-Arbeitskreises auf die Spuren der Vergangenheit.

"Das ist eine Flachs- und Hanfbreche", erklärte Fluck. Mit dem Stab wurden die Fasern aus den Leinbüscheln geschlagen, um daraus Leinen für Kleidung und Bettzeug zu weben. Die Vergangenheit wurde in der historischen Sammlung im Dachgeschoss des Rathauses greifbar, wo die Senioren ein Sammelsurium an Gegenständen des täglichen Lebens präsentieren.

Die Frage: "Wisst ihr was das ist und wozu man es gebrauchte?", konnten die Kinder nicht immer beantworten. Eine handbetriebene Buttermaschine zum Beispiel, oder ein Wäschestampfer. "Das ist eine Karre, mit der wurden Fässer transportiert, und die ist über 100 Jahre alt", erklärte Helmut Fluck den Kindern nicht ohne Stolz. Mit Ferdinand Herr schoben sie Maiskolben in einen Maisbrecher, und es regnete Maiskörner. Nebenan hatte Alfons Willauer Schiefertafeln ausgelegt, die mit Griffeln beschrieben wurden.

"Kommt mal her, das ist was Originelles von 1920", stellte Fluck den Kindern einen sehr seltenen Koch-Back-Brat-Apparat vor. Es gab vieles zu sehen, was zum Ausprobieren verleitete. Fluck hatte ein waches Auge auf die Schätze: "Nicht selbständig was machen, hier sind Sachen, die wertvoll sind." Ob Heugabel, Milchzentrifuge oder ein Atlas des Großherzogtums Baden – in der Sammlung befinden sich Fundstücke aus vielen Lebensbereichen. In die Urzeit zurück ging es dann auf dem Sportgelände in Ehingen, wo Uwe Altendorf den Kindern Fossilien als Zeugnis vergangenen Lebens erklärte.