In der Narrenstube der Käfersieder läuft eine der letzen Proben, die Akteure geben der Seehas-Szene den letzten Schliff. Bernd Schamberger und Markus Bohl als Regisseure sind vor dem Narrenspiegel der Narrenzunft Käfersieder an wechselnden Probeorten im Einsatz: "Vorher waren wir bei den Sudwiebern, morgen probt das Männerballett", gibt Schamberger schon einen Vorgeschmack auf die zwölf Programmpunkte mit rund 60 Akteuren.

"Darsteller zu finden ist nicht so einfach", weiß Bohl. Auf die einzelnen Gruppen käme damit eine Aufgabe zu – Ideen seien gefragt, und originell sollten sie sein. Manche liegen für einen Sketch aber quasi in der Luft, in der Doppelgemeinde ist der Seehas ein schier endloses Thema. Dem hat sich Antje Schamberger angenommen, ein Lied über eine Trambahn in München ausgewählt und den Text auf Mühlhausen und den Seehas umgemünzt. Damit traf sie bei den Mitspielern voll ins Schwarze, obwohl es Startschwierigkeiten gab.

"Manche Leute würden am liebsten gar nichts sagen, da kommt so eine Bühnenangst auf", verrät Nicole Schellhammer als Leiterin der Seehas-Gruppe. Aber bei den Proben seien immer neue Ideen dazugekommen und alle habe es so gepackt, dass sie mit großem Spaß dabei waren. Das wird einstimmig bekräftigt: "Wir lachen noch heute bei den Proben." Neue Ideen sind auch im Ablauf gefragt, die Moderation sei diesmal ganz anders, Bohl will aber nichts weiter verraten. Es ist der 20. Narrenspiegel der Käfersieder, und alles spielt sich live auf der Bühne ab. Klaus Heim ist seit der ersten Aufführung dabei, er spricht für alle, wenn er sagt: "Es macht immer wieder Spaß.

Man freut sich auf den Auftritt und dass es den Leuten gefällt." Dazu trägt auch das Vampirgeflüster bei, zu dem sich Markus Bohl und Michael Bohnenstengel wieder aus der Gruft ans Licht wagen und mit dem Dorfgeschwätz aus dem Sarg melden.

Termin: Die Aufführung ist am Samstag, 11. Februar, ab 19.30 Uhr in der Mägdeberghalle in Mühlhausen

Alte Tradition

Fasnacht wurde in Mühlhausen nachweislich bereits im letzten Jahrhundert gemacht. Von 1912 bis 1933 gab es eine Narrengesellschaft, die für die Organisation der Fasnacht sowie für die Erhaltung des örtlichen Brauchtums verantwortlich war. Die Wiedergründung dieser losen Gesellschaft erfolgte im Jahre 1948. Eine offizielle Narrenvereinsgründung erfolgte 1950 unter Präsident Herbert Kaiser und Zunftmeister Fritz Scholl. Die Anregung für den Namen Käfersieder stammte aus Recherchen des damaligen Pfarrers Albert Riesterer, der als Ehrenbürger und auch Ehrennarr viel für die Fasnet übrig hatte. Laut alter Überlieferung soll sich folgendes in Mühlhausen zugetragen haben:

Vor langer Zeit war die Maikäferplage einmal besonders groß. Man bot Nachtwächter und Dorfpolizist zur Bekämpfung auf, und Ladung für Ladung dieser gefräßigen Tiere wanderten ins Gülleloch. Doch in Massen krochen sie wieder heraus und fraßen neuerdings die Bäume kahl. Dieser Frevel stank zum Himmel und verlangte nach Rache.

Jetzt siedete man die Übeltäter in den drei Kesseln des Waschhäuschens am Saubach, in den man dann die dunkle Brühe ableitete, die nun 'gen Singen floss. Den Singenern, die gerade von der Räude befallen waren, erschien der Sud als Gottesgeschenk und Medizin, die das ganze Stadtvolk von der Krätze befreite. Von dieser wunderbaren Heilung blieb den Mühlhausern nur der Name Käfersieder.

Die Namensänderung erfolgte am 2. Februar 1958 im Vereinsregister. Als 1959 die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee im Gasthaus Mohren in Volkertshausen gegründet wurde, zählten auch die Käfersieder unter der Führung von Heinrich Hammerschmidt zu den Gründungszünften.

Schon 1960 wurde der erste bunte Abend im Gasthaus Leue (Löwen) abgehalten, wobei das ulkige und verrückte Dorfgeschehen im Mittelpunkt stand. Eine aktive Beteiligung im kulturellen Bereich der Gemeinde wurde zu dieser Zeit ganz groß geschrieben, ebenso verlangte das Brauchtum überdurchschnittliche Emotionen. Diese Tradition wurde bis zum heutigen Tag beibehalten.

An altem Brauchtum fehlte es in Mühlhausen nicht: Das Ergebnis eines Käfersieder Preisrätsels im Jahre 1982 erinnerte die Narrenzunft an den Funkensonntag (erster Sonntag nach Fasnet), der daraufhin wieder eingeführt wurde. Nach über 30 Jahren wird das Funkenfeuer bei völliger Dunkelheit auf dem Hegauhügel Ofere wieder entzündet. Gemäß altem Brauch werden nach Abbrennen des Scheiterhaufens glühende Holzscheiben mit einem Stock und dem Spruch "Schibii, schiboo, wem soll die Schiibe go? – Die Schiibe soll de ... go" in die Nacht geschlagen. Die drei Punkte stehen für den Namen der Angebeteten des Scheibenschlagenden. Dieses Funkenfeuer ist im Dorf als "Schiibe-Schlaa" bekannt. Seit 1986 werden dafür die ausgedienten Christbäume der Mühlhauser Bürger gesammelt.