Es lebe die Nostalgie! Bis zum Mittag knatterten sie gestern in Ehingen ein: Oldtimer aus dem weiteren Umkreis und der Schweiz kamen zum Oldtimertreffen des Ehinger Motorsportclubs (MSC). So viele, dass die Kapazitäten kaum ausgereicht haben. „Wir sind absolut an der Grenze“, gestand MSC-Organisator Axel Riede angesichts der großen Resonanz gestern um die Mittagszeit. Der Platz am Lindenhain war vollbelegt. Etliche Teilnehmer platzierten ihre betagten Gefährte als Notausweich auf einer angrenzenden Wiese. Für die Besucher war also etwas geboten, denn Nostalgie ist auch bei Nicht-Oldtimer-Freaks gefragt. Trotz einsetzender Regenschauer kamen viele Gäste und auch zwei Stunden vor Schluss noch zahlreiche Besucher.
 

Für Oldtimerfans bot der Platz vor der Kirche eine Augenweide: Traktoren von einst blitzblank gewienert, Autos vom kleinen Hüpfer bis zur schneidigen Karosse, blitzsaubere Landmaschinen oder leuchtend rote Feuerwehrzüge – auch das 26. Oldtimertreffen des MSC bot pure Nostalgie auf Rädern. Die Liebe der Teilnehmer zeigt sich auch im Detail: Zahlreiche Traktoren waren mit frischen Blumensträußen an der Haube geschmückt und begeisterten auch jene Besucher, die nicht so sehr für Oldtimer schwärmten.

Axel Riede schätzte die Zahl auf 550 bis 600 Teilnehmer. Die nutzten die Gelegenheit, untereinander zu fachsimpeln und stolz auf Fragen von Besuchern Auskunft zu geben. „Das ist ein Fahr-Einachsschlepper, den gab es mit Diesel- und Benzinmotor“, kennt Nikolai Houy aus Blumberg sich aus. Sein Kollege hat fünf Traktoren dieses Modells, er selbst steht mehr auf PKW. 20 Oldtimer hat er zuhause stehen, hauptsächlich aus dem Osten. Zwölf davon sind Trabis und alle fahrbereit. 26 PS hat so ein kastenförmiges Modell unter der Haube und bringt es auf 110 Stundenkilometer. Im nächsten Jahr will Oldtimersammler Houy mit einem Luaz aus der Ukraine kommen, davon sei bisher nur ein Fahrzeug in Deutschland zugelassen.

Ein ähnlich kleines Gefährt wie der Trabi ist der Fiat Topolino. Mit 13 PS und mit 50 bis 60 Stundenkilometern war Hans-Jürgen Schmidt gut eine halbe Stunde ganz gemütlich von Stockach nach Ehingen gefahren. Schnelligkeit ist bei Oldtimerfans nicht gefragt, sagt er. Darum geht es aber gar nicht: „Mit dem Fahrrad hätte es länger gedauert.“

Höchstgeschwindigkeit ist auch nicht der Pluspunkt eines Citroen 2CV zu. Als „Ente“ von den deutschen Fahrern bezeichnet, erreichte sie Kultstatus. Erstaunen weckte der Motor einer Ente Baujahr 1958 mit zwölf PS unter der mit einer Plastikente gezierten Haube: „Das sieht aus wie ein besserer Rasenmähermotor“, meinte ein Besucher erstaunt.

Aber egal ob kleines Schmuckstück oder chromblitzende Karosse: Die Liebe zu Oldtimern setzt Pflege und auch körperlichen Einsatz in der Bedienung voraus: Um beispielsweise das Schiebedach eines Mercedes 230 SL zu öffnen, ist manchmal Hilfe vonnöten. „Heute geht das elektronisch auf Knopfdruck", gesteht die Besitzerin.


Lauter Raritäten

Zum 26. Oldtimertreffen des MSC Ehingen waren gestern rund 550 Oldtimer-Besitzer gekommen. Traktoren, PKW und Motorräder, darunter Raritäten und Kuriositäten, boten eine Schau nostalgischer Gefährte. Mit musikalischer Umrahmung, Geschicklichkeitsturnier, zahlreichen Vorführung alter Handwerke, Rummelplatz und Festzelt bot das Treffen Volksfestcharakter und Unterhaltung für ganze Familien. (ros)