Monika Dietrich hat sich schon immer engagiert, erst bei der katholischen Jugend im Allgäu, wo sie aufgewachsen ist. Dann bei der katholischen Frauengemeinschaft, bei der sie bis heute im Vorstand sitzt, und im Elternbeirat. 1980 wurde sie von CDU-Mitgliedern gefragt, ob sie für den Gemeinderat kandidieren wolle. "Das ist die Partei, die mir am nächsten ist, und es hat gleich geklappt", erinnert sie sich. Seit 38 Jahren ist sie nun Gemeinderätin. Sie habe sich immer für Politik interessiert, schon während ihrer Schulzeit. Als Mutter von drei Töchtern und Hausfrau war und ist die Arbeit im Gemeinderat für sie eine Chance, ihren Horizont zu erweitern. "Für Frauen mit Kindern ist es eine gute Möglichkeit, sich politisch zu engagieren und ihren Einfluss geltend zu machen", sagt die 74-Jährige. So habe sie sich zum Beispiel immer für verlängerte Öffnungszeiten in den Kindergärten eingesetzt.

Besonders stolz ist sie auf die Verwirklichung eines Stegs über die Bahnlinie in Mühlhausen, der 2003 eingeweiht wurde und den Anwohnern einen kurzen Weg Richtung Ortsmitte und Kirche ermöglicht. "Er wird rege in beide Richtungen genutzt, auch von Spaziergängern", sagt Dietrich. Doch die Realisierung war schwierig. "Es war ein Streitobjekt. Wir haben Unterschriften gesammelt und ewig mit der Bahn verhandelt", erinnert sie sich. Langwierige Verhandlungen seien nicht ihr Ding: "Ich bin zu ungeduldig." Das beträfe auch ein weiteres Projekt – die Erhöhung des Bahnsteigs. Wegen der Einstiegshöhe könnten viele den Seehas, der eigentlich ein echter Standortvorteil sei, nicht nutzen. "Ich habe Hüftprobleme und kann dort nicht mehr ein- und aussteigen", erklärt sie. Ein aktuelles Projekt sei die geplante Altenwohnanlage beim Sportplatz, in der Pflege-WGs eingerichtet werden sollen. Themen der Zukunft seien die Versorgung mit schnellem Internet und der Mietwohnungsbau. Potenziellen Neubürgern seien drei Themen wichtig, so die Gemeinderätin: Schnelles Internet, Kinderbetreuung und Verkehrsanbindung. Mühlhausen-Ehingen könne sich mit seinen Angeboten sehen lassen.

Als Gemeinderätin müsse man belastbar und für die Bürger Ansprechpartnerin sein. "Wichtig ist, dass man die Leute ernst nimmt", sagt sie. Als stellvertretende Bürgermeisterin geht sie auch zu Hauptversammlungen und gratuliert zu runden Geburtstagen. Der Umgang mit den Bürgern, die Arbeit im Gemeinderat und mit dem Bürgermeister mache ihr Spaß. "Wir sind 14 Leute und wir arbeiten zusammen", erklärt Dietrich. Bürgermeister Lehmann versuche, für Entscheidungen eine breite Mehrheit zu finden und das gelinge ihm meist auch. Monika Dietrich ist derzeit die einzige Frau im Gemeinderat, was sie bedauert. Am 2. Mai feierte sie ihren 75. Geburtstag und will 2019 nicht mehr kandidieren. "Ich werde das vermissen, man weiß einfach, was läuft und geht", erklärt sie. Sie wolle aber mehr Zeit für ihre Enkelkinder haben. Sie sei schon auf der Suche nach Nachfolgerinnen für den Gemeinderat, doch viele Frauen sagen ab, weil sie mit Kindern und Beruf voll ausgelastet sind. "Ich kann nur jeder empfehlen, das zu machen. Man kann sich in jedes Thema einarbeiten und nachfragen, wenn man etwas nicht weiß", erklärt sie.

Person und Serie

  • Zur Person: Monika Dietrich ist im Allgäu aufgewachsen und machte in Kempten ihren Realschulabschluss. Sie hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert und zog mit ihrem Mann 1974 nach Mühlhausen-Ehingen. Seit 1980 ist sie für die CDU im Gemeinderat. Die Mutter von drei erwachsenen Töchtern engagiert sich in der Kirche, im Sportverein und im Austausch mit Domène.
  • Zur Serie: 2019 sind Kommunalwahlen und Frauen sind in vielen Gemeinderäten unterrepräsentiert. In Mühlhausen-Ehingen ist Dietrich derzeit die einzige Frau unter 13 Gemeinderäten. Wir möchten in unserer Serie Frauen vorstellen, die sich in der Kommunalpolitik engagieren, und nach dem Grund für Engagement und ihren Visionen fragen.