Auf dem Sportplatz im Kiesgrüble in Ehingen pulsiert das Leben: Fröhliches Kindergeschrei ist schon von Weitem zu hören, die Kinderturngruppe des SV Mühlhausen feiert zum Abschluss des Schuljahres ein Sommerfest mit Eltern und Geschwistern. Mittendrin Irmi Ganter, die als Leiterin der Turngruppe für diesen Nachmittag ein buntes Spiele-Programm zusammengestellt hat. Als sie das Schwungtuch flattern lässt, kommen alle begeistert zu ihr auf den Rasen gerannt.

Im Umgang mit Kindern ist sie geübt, seit fast 20 Jahren leitet Irmi Ganter die Kinderturngruppen mit Kindergarten- und Schulkindern. Ihr ehrenamtlicher Einsatz im sportlichen Bereich begann schon zehn Jahre früher mit der Frauen-Sport-Gruppe, in der auch noch heute Frauen aus den Anfängen dabei sind. Irmi Ganter denkt mit Schmunzeln an die Zeit zurück, in 30 Jahren hat sich das sportliche Angebot sehr verändert.

Eigene Aerobic-Choreografien ausgetüftelt

"Angefangen haben wir mit Übungen, die ich aus meiner Schulzeit kannte. Dazu lief Musik vom Kassettenrecorder, die ich selbst aufgenommen hatte", erzählt sie. Dann sei die Aerobic-Zeit gekommen, was ihr gerade recht war, denn damit kam Power in die Halle. Und auch ein CD-Player und spezielle Aerobic-Musik. Aber es bedeutete für sie auch Einsatz: "Ich musste ja wissen, wie es geht."

Sie machte bei Workshops in anderen Turnvereinen mit und ging in Fitnessstudios, um sich Impulse zu holen. "Ich habe alles mitgenommen, was mich weiterbrachte", sie habe sich Fernsehsendungen angeschaut, Videokassetten besorgt und zuhause die Übungen ausprobiert.

Nach Aerobic kamen die Steppbretter als neuer Trend. Das lief genauso ab, durch Fernsehsendungen, Videos und Fitnessstudios habe sie sich schlau gemacht. "Es ist aber nicht einfach, das umzusetzen. Ich musste die Übungen selbst koordinieren und choreografieren. Aber es hat immer Spaß gemacht", denkt sie auch an zahlreiche Auftritte an Fasnacht und bei Festen zurück. Zeitweise gab es auch eine Kinder-Jazz-Gruppe, mit der sie sogar bei einem Landesturnfest aufgetreten ist.

Patente und fröhliche Art

Irmi Ganter packt das Leben an. Sie sagt: "Meine Devise ist ganz oder gar nicht, ja oder nein. Was ich anfange, ziehe ich auch durch." Und das auch zur Freude des SV, denn auf einer zweiten Schiene ist sie im Verein für die Bewirtung zuständig. Seit 18 Jahren ist sie mit ihrem Team bei Fußballspielen und Veranstaltungen für Senioren dabei. Großeinsatz ist bei Jugendturnieren gefragt, wenn bis zu 600 Leute über das Wochenende da sind und für Übernachtung und Frühstück gesorgt werden muss.

"Das ist immer schön", scheut Irmi Ganter auch Großveranstaltungen nicht. Sie übernimmt die Planung, Organisation und den Einkauf für die Verpflegung, je nach Größe wird das Team auch aufgestockt. Aber allein das Clubheim sei ein Vollzeitjob. Sie sagt: "Egal wer spielt, ob die E- oder F-Jugend oder die erste Mannschaft, ich bin bei jedem Spiel dabei." Der SV weiß das zu schätzen und honoriert ihren Einsatz im Clubheim auf Minijobbasis.

Auch Singen kann sie gut

Irmi Ganter kennt man in der Dorfgemeinschaft in allen Altersstufen. "Wenn es heißt 'Die Irmi', weiß jeder, wer gemeint ist", sagt sie selbst. Zahlreiche Kinder kennen sie vom Kinderturnen; in Mühlhausen aufgewachsen, zählt sie für die Älteren zu den Urgesteinen. Dazu kommt ihre patente und fröhliche Art. Bei einem Seniorenfest greift sie auch schon mal zum Mikro, singt zur Musik der Seniorenmusik und sorgt für beste Stimmung.

"Die Leute erwarten das schon, und die Musiker wollten mich schon als Sängerin engagieren", erzählt sie und fügt gleich hinzu, dass es ihr schon Spaß machen würde.

Sie sucht eine Nachfolge fürs Kinderturnen

Mit Blick nach vorn sagt sie: "Ich würde gerne mit dem Kinderturnen aufhören, mit 58 will ich ihnen nicht mehr hinterherlaufen." Aber es sei schwer, jemand zu finden, der das übernehmen möchte, bedauert sie. Seit vier Jahren hat sie Unterstützung von Sandra Schuster und deren achtjähriger Tochter Liah, die mit vier Jahren in die Turngruppe kam.

Die Pfeife hat sie immer in der Hosentasche und bringt mit einem Pfiff die Kinder schon zur Raison. Aber wenn 20 und mehr Kinder durch die Halle toben, könne man das nicht mehr allein machen, sagt Irmi Ganter.