Drei Stunden hatte Martin Nadler aus dem Kreis Biberach mit seinem Lanz-Bulldog, Baujahr 1936, für die Anfahrt nach Ehingen gebraucht, aber das war es ihm wert: Das Oldtimer-Treffen des Motorsportclub (MSC) Ehingen am Pfingstmontag ist ihm Verpflichtung. Der Regen unterwegs hatte ihn nicht gebremst, denn: „Ich komme, weil es dahanne so schö ist und man Kameraden trifft.“ Damit steht er nicht allein, gestern knatterten Oldtimer jeder Art auf dem Festplatz ein. Neben der Zurschaustellung der Fahrzeuge geht es ums Fachsimpeln.

„Man hegt und pflegt den Traktor von Opa“

Das Treffen in Ehingen ist bei vielen Teilnehmern ein fixer Termin im Jahreskalender, ebenso wie für viele Einwohner. „Das ist eine schöne Sache und steht für wirtschaftliche und industrielle Identität“, meinte zum Beispiel Josef Watz. Hier lebe die Geschichte auf: „Man hegt und pflegt den Traktor von Opa“, so erinnert er sich an die Anfänge mit einer überschaubaren Zahl von Fahrzeugen. Das Oldtimer-Treffen sei inzwischen zu einer Attraktion für den Ort geworden, wofür auch die große Zahl der Besucher spricht. Die ersten Besucher waren bereits vor der offiziellen Eröffnung gekommen und schauten zu, wie die mobilen Veteranen auf dem Festplatz einfuhren.

Vom Dreschflegel bis zum modernen Mähdrescher erleben die Zuschauer beim Oldtimer-Treffen in Ehingen den technischen Wandel in der Landwirtschaft. Im Bild Timo Riede, der einen Mähdrescher heutiger Zeit vorführt.
Vom Dreschflegel bis zum modernen Mähdrescher erleben die Zuschauer beim Oldtimer-Treffen in Ehingen den technischen Wandel in der Landwirtschaft. Im Bild Timo Riede, der einen Mähdrescher heutiger Zeit vorführt.

Auch wer nicht zu den eingefleischten Oldtimer-Freaks zählt, kam auf seine Kosten. Eine Parade von Traktoren jeden Alters beeindruckte ebenso wie die Ansammlung von Motorrädern und Nobelkarossen. Zu erleben war Nostalgie auf Rädern, die Liebe der Teilnehmer zeigt sich bis ins Detail. Die Arbeit, die die Besitzer in die Herrichtung eines historischen Gefährts stecken, spricht ebenfalls für Leidenschaft. Martin Nadler hatte seinen Lanz-Bulldog als Schrott und in Einzelteilen gekauft, komplett restauriert und neu gespritzt. „Drei Jahre habe ich gebraucht“, erzählte er stolz – der Eil-Bulldog stand prachtvoll da wie frisch aus der Fabrik.

Ein Anziehungspunkt beim Oldtimer-Treffen in Ehingen sind die Vorführungen historischer Handwerksarbeiten. Peter Nägele von den Schlepperfreunden Friedingen bringt hier an der Schmiedeesse das Eisen zum Glühen.
Ein Anziehungspunkt beim Oldtimer-Treffen in Ehingen sind die Vorführungen historischer Handwerksarbeiten. Peter Nägele von den Schlepperfreunden Friedingen bringt hier an der Schmiedeesse das Eisen zum Glühen.

Zum Oldtimer-Treffen gehören längst auch Vorführungen alter Handwerkstätigkeiten oder etwa Kran- und Baggerdemonstrationen. In diesem Jahr hatte der MSC das Programm mit Vorführungen alter Maschinen zur Getreideernte noch erweitert. Die Friedinger Schlepperfreunde hantierten mit Dreschflegel und Mähbinder, die Zuschauer konnten ferner einen modernen Mähdrescher aus der Nähe bestaunen.

Kombination mit einem Feiertagsausflug: Zur Schau betagter Vierräder haben sich zahlreiche Teilnehmer mit dem Motorrad auf den Weg nach Ehingen gemacht.
Kombination mit einem Feiertagsausflug: Zur Schau betagter Vierräder haben sich zahlreiche Teilnehmer mit dem Motorrad auf den Weg nach Ehingen gemacht.

Mit seinem Glanzstück, einem Mercedes 170 Baujahr 1950 war Werner Stengele aus Steißlingen angefahren, bei ihm stehen außerdem noch ein Karmann Ghia Cabrio und drei Motorräder in der Garage. Von einem Oldtimer aber hat er sich getrennt: „Das war ein Rechts-Lenker Baujahr 1934, der steht jetzt in Trier im Museum.“ Mit dem habe man keine richtigen Fahrten mehr machen können.