Verklärte Ansichten und die Realität. Was hinter den Belagerungen des Mägdebergs verborgen ist, wurde in einem spannenden Vortrag ans Licht gebracht. Vor etwa 60 Zuhörern klärte ein Burgenkenner über die wahren Verhältnisse auf der Mühlhauser Hausburg auf. Speziell hatte sich Michael Losse das Mittelalter im 14. Jahrhundert herausgesucht.

Der Historiker und Burgenforscher aus Singen war schon zum zweiten Mal der Einladung der Freunde des Mägdeberges gefolgt. Es gebe auch woanders schöne Burgen, so der Wissenschaftler, aber die Burgen im Hegau seien in vieler Hinsicht außergewöhnlich. So seien diese Burgen nicht unbedingt für militärische Zwecke ausgelegt gewesen, auch nicht für die Verteidigung. Sie waren meist mit Wohntürmen versehen.

Nur etwa zwei bis fünf Prozent der Burgen wurden laut Losse überhaupt belagert. Eine Ausnahme sei der Hohentwiel, der immerhin im Laufe seiner Geschichte fünf Mal belagert wurde. "In der Literatur und in den Medien werden die Burgberge immer viel steiler dargestellt und die Belagerungsszenen gehören überwiegend in den Phantasiebereich", so Losse. So sei es unsinnig, dass heißes Wasser oder gar flüssiges Pech auf Angreifer geschüttet worden sei. Das Wasser sei bei einer Belagerung viel zu wertvoll gewesen. Und Pech flüssig zu machen und zu halten erfordere viel zu viel Brennmaterial. So dienten die sogenannten Pechnasen an Burgen eher der Abschreckung.

Auch die Belagerung müsse man sich anders vorstellen. "So waren es doch meistens kleine Scharmützel und keine großen Kriege. Die Angreifer waren meistens nicht mehr als 30 bis 50 Männer. Und zur Verteidigung standen nur die verpflichteten Bauern zur Verfügung. Und das waren auch nicht mehr als zwei Hand voll, berichtet der Burgerforscher. Diese kleinen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn waren insofern schlimm, weil die Felder und die Bauernhäuser zerstört wurden", zeigte Losse auf. "Allerdings hatte sich der Mägdeberg 1378 gegen die Seestädte zu verteidigen, die im Krieg gegen Wirtenberg (Württemberg) den Hegauberg als ernsthafte Bedrohung sahen. Neben Konstanz, das den Oberbefehl hatte, waren auch Überlingen, das heutige Friedrichshafen und andere Gemeinden beteiligt." Die Burg sei so lange belagert worden, bis 18 Mann Burgbesatzung desertierten und die Seestädte die Burg einnahmen und völlig zerstörten. "Dies war eine der ersten Belagerungen im Hegau mit großen Feuerwaffen, mit denen Steinkugeln verschossen wurden." Dankbar zeigten sich die Zuhörer und Bürgermeister Lehmann, Vorstandsmitglied des Förderverein Freunde des Mägdeberg.