Wenn Fischer Albin Lang dieser Tage auf den See hinausfährt, findet er sich oft allein auf der weiten Fläche. Das ist zu dieser Jahreszeit alles andere als normal. Denn in anderen Jahren finden sich Anfang Mai praktisch zu jeder Tageszeit wenigstens einzelne Boote auf dem Untersee. Doch momentan dürfen nur die wenigsten Bootsbesitzer auf das Gewässer. Die aktuellen deutschen Verordnungen untersagen es den meisten, die Häfen zu verlassen. Doch am kommenden Montag, 11. Mai, sollen Sporthäfen wieder öffnen dürfen.

Die Situation gleicht für Albin Lang damit eher der kalten Jahreszeit. Dann ist er, wie seine insgesamt neun Berufskollegen am Untersee, einer der wenigen, die sich auf dem Wasser aufhalten. Für Lang hat die Ruhe auf dem See einen beschränkten Reiz: „Im Moment muss ich beim Netze auslegen und einholen nicht auf andere Boote achten. Das ist das einzig Schöne daran“, sagt er. Allem anderen kann er wenig Positives abgewinnen. „Normalerweise sind immer Menschen am See. Jetzt ist alles tot. Die Bojenfelder sind wegen des niedrigen Wasserstands leer. Man sieht kein Ausflugsschiff und auch die Segelschule übt nicht auf dem Wasser“, berichtet der Fischer.

Hechtfang zur Laichzeit so gering wie nie zuvor

Wer glaubt, diese Ruhe macht sich im Verhalten der Fische bemerkbar, der irrt. „Dazu müsste der Zustand wahrscheinlich viel länger anhalten“, vermutet Lang. Mehr als die aktuelle Krise wirkt sich der niedrige Wasserstand auf seine Arbeit aus. Denn so kommen nur bestimmte Fischarten in die flacheren Seebereiche in Ufernähe. „Im Moment fange ich vor allem Schleien, Karpfen und Brachsen“, berichtet er.

Besonders dramatisch sei aktuell die Flaute beim Hechtfang. „Ich habe noch nie so einen schlechten Hechtfang erlebt, wie in diesem Jahr während der Laichzeiten“, erzählt Albin Lang. Dabei fährt der Fischer bereits seit seiner Jugend auf See hinaus, um Fische zu fangen. Sein Vater übte ebenfalls diesen Beruf aus und mittlerweile hilft auch sein eigener Sohn bei der Arbeit.

Regelmäßige Kunden fallen weg

Für die Fischer am See ist ein hoher Wasserstand während der Brutzeit besser. Denn dann können die Fische im Schilfgürtel ablaichen und garantieren damit eine große Nachkommenschaft. Mit schwankenden Fängen kämpften die Fischer seit Jahrzehnten am See. Doch die vergangenen Jahre waren allesamt nicht sonderlich gut. Durch die Corona-Krise fallen auch noch die regelmäßigen Abnehmer wie Restaurants und Gaststätten weg. „Die Feste werden ebenfalls fehlen“, lässt Albin Lang wissen. In Summe kann er damit weniger Fisch an Kunden verkaufen als in normalen Jahren.

Derzeit setzt er seine Fische ausnahmslos über den Privatverkauf in Iznang ab. Um die Hygienevorschriften einzuhalten, dürfen die Kunden den Verkaufsladen im Erdgeschoss des Wohnhauses nicht betreten. Seine Frau verkauft die Ware lediglich über das geöffnete Fenster. Hier müssen die Kunden das Geld in Schalen ablegen und untereinander den notwendigen Abstand halten.

Hoffnung auf Lockerung der Corona-Verordnung

Auch wenn er über diesen Absatzweg momentan seinen gesamten Fang verkaufen kann, ist Albin Lang alles andere als glücklich mit der Situation. Daher wartet er, wie wohl fast alle Menschen am See, auf hoffentlich bald eintretende Lockerungen, die nicht nur seinen Broterwerb wieder einträglicher machen dürften.

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