Zwar feiert der Verein „Hilfe von Haus zu Haus“ mit Sitz in Horn kein rundes Jubiläum. Doch mit seinen 18 Jahren nach der Gründung erreicht er zumindest Volljährigkeit – im übertragenen Sinne. Von 92 Mitgliedern zum Gründungszeitpunkt wuchs der Nachbarschaftshilfeverein auf 447 Mitglieder an. Tendenz weiter steigend.

Dass der Verein erfolgreich ist, erkennt man auch daran, dass das Konzept als Gaienhofener Modell Schule macht und in über 60 Gemeinden angewendet wird. Zuletzt im Radolfzeller Teilort Möggingen, der einen eigenen Verein gründete.

Weitere Helfer werden immer noch benötigt

„Man denkt, es läuft alles gut“, so die Vorsitzende und Initiatorin der Nachbarschaftshilfe, Maria Hensler, in der Hauptversammlung im Bürgerhaus Moos: „Doch die geburtenstarken Jahrgänge kommen erst noch“, mahnt sie an: Und damit auch „die Spitze alter Menschen und Pflegebedürftige“. Und diese Menschen benötigen im Alter Betreuung, bei der der Verein unterstützt. Trotz eines Anstiegs der Mitgliederzahl wirbt Hensler deshalb weiter um ehrenamtliche Helfer und Mitglieder.

Auf der Höri nehmen über 90 Personen das Angebot der Nachbarschaftshilfe wahr – zum Einsatz kommen dabei 85 ehrenamtliche Helfer, die über Ehrenamtspauschalen vergütet werden. Deren Freibetrag sei auf 3000 Euro erhöht worden, so Maria Hensler. Das ermögliche es, dass Helfer 60 Stunden mehr leisten dürfen.

Mehr Männer im Team

Das sei für den Verein enorm hilfreich. Während 2018 die Einsatzstunden von den Klienten noch zu 50 Prozent über die Pflegekassen abgerechnet wurden, seien es inzwischen 65 Prozent. Dieser Anstieg sei wichtig, so Geschäftsführerin Cindy Fünfschilling in ihrem Rechenschaftsbericht. Dem Verein bereitet ein weiterer Anstieg Freude: der Anteil an männlichen Helfern. Er habe sich auf 22 Prozent erhöht. Fünfschilling begreift diesen Anstieg als einen Zugewinn für die Vereinsarbeit.

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Zusammengerechnet seien laut Verein in den Geschäftsjahren 2019 und 2020 rund 200.000 Euro je Jahr gezahlt worden. Die Einsätze seien aber im Corona-Jahr 2020 etwas zurück gegangen. Aktuell hätten die Helfereinsätze wieder das Niveau von 2019 erreicht.

Der Verein habe während der Corona-Krise, die mit vielen sozialen Einschränkungen einherging, viel beratend zur Seite stehen müssen, so Fünfschilling. Der Verein habe 83 Impftermine für die über 80-Jährigen und 40 Fahrten zu den Impfzentren auf Spendenbasis organisiert.

Viele Ideen für die kommende Zeit

Derzeit seien wieder einige Aktionen geplant. Beispielsweise das Weiler Frühstücksangebot, die Spielnachmittage in Gaienhofen und ein Englischkurs. Ab Herbst möchte der Verein einen Mittagstisch für die Senioren anbieten. Um den Ehrenamtlichen den Einsatz zu erleichtern, stellte der Bürgermeister von Moos, Patrick Krauss, dem Verein den neunsitzigen Gemeindebus zur Verfügung. Der Elektrobus habe durch eine großzügige Spende gekauft werden können. Nun könne er für Fahrdienste in der Seniorenarbeit genutzt werden, so Krauss.

Maria Hensler begreift die Corona-Krise als Wendepunkt für die Gesellschaft. Dabei sei die Bedeutung des Vereins besonders deutlich geworden. Hensler sei dennoch guter Hoffnung für die Zukunft. Denn die Krise habe auch gezeigt, dass nicht nur die Nachbarschaftshilfe für die Menschen da war, sondern, dass einander allgemein viel geholfen wurde.

„Der Mensch braucht Mitmenschen“

Auch der Verein habe Helfer und Mitglieder dazugewonnen. In seiner Ansprache verdeutlichte der evangelische Pfarrer der Höri-Gemeinden und Beirat der Nachbarschaftshilfe, Roland Klaus: „Der Mensch braucht Mitmenschen.“ Allein würde der Mensch verkümmern. Als Motto für die Nachbarschaftshilfe formuliert heiße dies: Keinen allein lassen. Dieses Credo habe jedoch die Corona-Krise mächtig durchkreuzt. Das Miteinander trage zur seelischen Gesundheit bei, ist sich Klaus sicher.