Mit einer beherzten Rede hat die Gemeinderätin Anne Overlack (Rot-Grüne Liste, RGL) jetzt im Rat auf einen echten Missstand hingewiesen.:In ihrer Wortmeldung, die sie am Ende der jüngsten Sitzung im Bürgerhaus verlas, monierte sie die fehlende Bereitschaft der Mooser Bürger, Flüchtlingen eine Unterkunft zu gewähren. Die Rede war eine Reaktion auf zwei Bürgerbriefe an Bürgermeister Patrick Krauss, in der sich die Urheber gegen mögliche Unterkünfte in ihrer unmittelbaren Umgebung zur Wehr setzten.

Problem ist im Rathaus bekannt

Mit ihrer klaren Stellungnahme hat Anne Overlack nicht nur auf den Missstand fehlender Unterbringungen in der Gemeinde hingewiesen, sondern auch gleichzeitig die mangelnde Bereitschaft der Bürger kritisiert, den in Not geratenen Menschen zu Helfen. Das Problem ist im Rathaus längst bekannt.

Seit Monaten versucht Bürgermeister Patrick Krauss händeringend, Wohnungen anzumieten, Baugrundstücke zu pachten oder Häuser für eine vorübergehende Unterbringung der Flüchtlinge zu finden. Doch immer dann, wenn sich ein Eigentümer zu einer Vermietung oder anderweitigen Bereitstellung entschließt, dauert es nicht lange, bis sich die besorgten Nachbarn bei Patrick Krauss melden.

Anne Overlack.
Anne Overlack. | Bild: Jarausch, Gerald

Für Anne Overlack, aber auch die anderen Gemeinderäte ein Unding: „Der Bürgermeister bekommt keine Mietwohnung für geflüchtete junge Männer, er bekommt aber auch keine für eine geflüchtete junge Mutter mit ihrem kleinen Kind. Er bekommt überhaupt keine Mietwohnung für gar niemanden, der seine Heimat verlassen musste. Das finden wir Mooser ganz in Ordnung. Deshalb denkt der Gemeinderat über Wohnen in Containern für geflüchtete Menschen nach, zugegeben keine besonders schöne Lösung“, fasste sie in ihrer Rede zusammen.

Sorgen machen ihr vor allem die Argumente der besorgten Bürger: Neben dem Ruhebedürfnis und der Sicherheit werden der sinkende Wert der eigenen Immobilie oder eine steigende Corona-Gefahr und eine erhöhte Kriminalitätsgefährdung ins Feld geführt.

„Wo sind wir nur gelandet in Deutschland?“

„Ja, wir werden aus unserer Bequemlichkeit gerissen, aus unserer Ruhe, aus unserem Komfort und aus unserem wunderschönen Mooser Landleben. Ja, es mag sein, dass junge geflüchtete Männer anstrengender sind als die gewohnten Nachbarn. Aber wir kennen sie noch nicht einmal. Wir setzen schon voraus, dass man sich vor ihnen fürchten muss. Wo sind wir nur gelandet, in Deutschland im Herbst 2020, nachdem wir selbst vor wenigen Jahrzehnten die ganze Welt in Furcht und Schrecken versetzt haben?“, kommentierte Anne Overlack dieses Vorgehen.

Im Rat selbst erhielt sie Beifall für ihre Wortmeldung, die offenbar die Meinung aller Gemeindevertreter widerspiegelte. Auch Bürgermeister Patrick Krauss drückte sein Wohlwollen gegenüber dem SÜDKURIER aus: „Das war richtig. Das ist das, was auch ich denke“, sagte er. Die Lage ist nicht nur wegen des Widerstandes der Bürger kompliziert.

Container als Flüchtlingsunterkunft

Denn sollte Moos bis Ende 2021 zu wenige der geforderten Unterbringungsplätze vorweisen, würde es richtig teuer. Bei überschlägigen Kosten von 400 bis 500 pro Person und Monat kämen dann schnell große Beträge (etwa bei 35 Personen 170.000 Euro pro Jahr) zusammen. „Solche Fehlbelegerabgaben können wir uns nicht leisten“, erklärte Krauss jetzt auf Nachfrage.

Auch wenn man im Rat nun beschlossen hat, dass im Neubaugebiet Eichweg III Container als Flüchtlingsunterkunft aufgestellt werden, hofft der Bürgermeister noch auf andere Möglichkeiten. Leicht wird es wohl nicht werden: „Wir können es nicht allen recht machen“, ist er sich bewusst. Aus seiner Sicht sind die angestrebten Kompromisse aber allemal besser – als das letzte zur Verfügung stehende Mittel. „Ich will keinen Wohnraum beschlagnahmen müssen, falls uns das Landratsamt Personen zuweist“, sagt Patrick Krauss.

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