In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 100.000 Menschen unvermittelt an einem Herztod. Dabei könnte mehr als die Hälfte der Personen gerettet werden, wenn innerhalb der ersten drei Minuten eine Herz-Druck-Massage gestartet wird und ein Defibrillator zum Einsatz kommt. An der Wand der Hafenmeisterei in Iznang gibt es ab sofort einen öffentlich zugänglichen Laien-Defibrillator – einer der ersten im Landkreis Konstanz direkt am See. Wer nun am Hafen Zeuge eines plötzlichen Herznotfalls wird, kann mit dem Gerät nun umso besser Erste Hilfe leisten. Der Defibrillator führt den Laien akustisch und Schritt für Schritt zur Lebensrettung beim plötzlichen Herzstillstand durch ein Kammerflimmern.

Bürgermeister Patrick Krauss schätzt das dichte Netz zur Lebensrettung am Hafen von Iznang. 100 Meter von der Hafenmeisterei entfernt steht eine Notrufsäule.
Bürgermeister Patrick Krauss schätzt das dichte Netz zur Lebensrettung am Hafen von Iznang. 100 Meter von der Hafenmeisterei entfernt steht eine Notrufsäule.

Kooperation mit dem Landkreis

Die Björn-Steiger-Stiftung stattet gemeinsam mit dem Landkreis Konstanz stark frequentierte Orte mit Laien-Defibrillatoren aus. Zudem bietet das Projekt „Herzsicherer Landkreis Konstanz„ ab kommendem Jahr in Kooperation mit lokalen Hilfsorganisationen eine kostenfreie Schulung für die Bevölkerung zur Lebensrettung mit dem Defibrillator an. Bürgermeister Patrick Krauss war bei seiner vorangegangenen Beschäftigung Sicherheitsbeauftragter beim Jobcenter am Standort Singen. Er ist ausgebildeter Ersthelfer und kennt die Bedeutung der Kurse.

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Kurse auch für Schüler

„Es gibt viele Hemmnisse durch Unwissenheit“, sagt Krauss über fehlende Kenntnisse in der Ersten Hilfe: Da seien diese kostenlose Kurse wichtig. Selbst für Kindergartenkinder und Jugendliche erhalten auf Wunsch Schulungen. Bereits in sechs verschiedenen Bildungseinrichtungen im Landkreis wird das Lernprojekt „Retten macht Schule“ angeboten. Es integriert Wiederbelebungsmaßnahmen im Schulunterricht ab der siebten Klasse. „Das Tückische am Herztod ist: er kündigt sich nicht an“, erläutert Johanna Ziegler von der Björn-Steiger-Stiftung: Die betroffene Person könne einfach zusammenbrechen – ohne dass sie vorher etwas gesagt habe. „Der erste Schritt ist, dass wir Hilfe leisten müssen“, sagt Ziegler.

So geht erste Hilfe richtig:

  • Zuerst wird überprüft, ob die Person ansprechbar ist. Dann wird ihre Atmung kontrolliert. Dabei wird das Ohr über die Nase und die Hand auf den Brustkorb der Person gelegt. Wenn sie nicht atmet, muss die betroffene Person mit einer Herz-Druck-Massage reanimiert sowie ein Notruf abgegeben oder veranlasst werden.
  • Durch die Herz-Druck-Massage auf der Mitte des Brustkorbs kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts die Überlebenschancen entscheidend erhöhen. Als Taktgeber biete sich das Lied „Stayin Alife“ der amerikanischen Pop-Band „Bee Gees„ oder „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer an.
  • Johanna Ziegler empfiehlt, weitere Personen in der Umgebung anzusprechen. Am besten über ein Merkmal wie beispielsweise: „Sie mit dem blauen Pullover“. Diese Person könne den Notruf tätigen, den Defibrillator holen oder einen bei der Herz-Druck-Massage ablösen. Ist der Laien-Defibrillator von der Hauswand der Hafenmeisterei aktiviert, leitet das technische Gerät Schritt für Schritt durch die Reanimation. Der Defibrillator erkennt für den Elektroschock die Platzierung der selbstklebenden Elektroden auf dem freigelegten Brustkorb. „Er löst erst dann einen Stromschlag aus, wenn er ein Kammerflimmern misst“, erläutert Ziegler.
  • Für gewöhnlich pumpen Herzkammern das Blut durch den Körper. Beim Kammerflimmern kann jedoch der Herzmuskel nicht mehr ordentlich kontrahieren. Es führt wegen der fehlenden Pumpleistung des Herzens zum unmittelbaren Tod. Mit dem Stromschlag eines Defibrillators kann der normale Rhythmus wieder einsetzen.

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