Für Chris Metzger hätte 2020 das erfolgreichste Jahr seiner Musiker-Karriere werden können. Der Musiker, Entertainer, Sänger und Moderator war im vergangenen Jahr nicht nur im Bodenseeraum, sondern ebenso in Hamburg, Berlin, Frankfurt und im Ruhrgebiet für mehr als 150 Auftritte gebucht.

Dann kam die Pandemie. Und mit ihr die Kontaktbeschränkungen zu deren Eindämmung.

Immer noch im ersten Lockdown

Während Medien und Politiker seit November von einem zweiten Lockdown sprechen, beschreibt Chris Metzger die Lage für die Musiker- und Eventbranche so: „Wir sind immer noch im ersten Lockdown – seit März letzten Jahres.“

Nur weil er im Sommer eine Handvoll Auftritte vor reduziertem Publikum und unter strengsten Auflagen hatte, könne man von keiner Lockerung für die Künstlerbranche sprechen. Dabei räumt Metzger gleich mit einem zweiten Missverständnis auf: Sehr viele Künstler arbeiten während der Pandemie genauso viel wie vorher – nur eben unentgeltlich.

Mit den Corona-Hilfen kann Metzger zwar seine Fixkosten stabilisieren. Doch das sei kein Leben, sondern vielmehr ein Überleben.

Vom Heizungsbauer zum Musiker

Chris Metzger bezeichnet sich selbst als Entertainer, weil er für alle Arten von Musikgenres und Altersklassen etwas im Programm habe und bei seinen Auftritten eine kleine Show auf die Bühne bringe. Der Sänger spielt Xylophon, Alphorn, Trompete, Akkordeon sowie Klavier und imitiert auch Stimmen.

Seit nunmehr zehn Jahren ist der gelernte Heizungsbauer aus Moos als Musiker erfolgreich.

Sein erstes Festengagement hatte Chris Metzger als 23-Jähriger in der Profiband Jigger Skin, einer Rock- und Hardrock-Coverband aus Friedrichshafen. Mit ihr tourte er am Bodensee bis nach Südtirol.

Die Band passte sich dem Zeitgeist an und sprang unter dem Namen Freibier auf den Oktoberfest-Hype und auf den Zug des deutschen Schlagers auf.

Es folgten Engagements als Solomusiker, Entertainer und Moderator. Seit dem ersten Lockdown sei es still geworden, so Metzger. „Richtig still.“

Immens viel Planung ist nötig

Der 33-jährige Musiker hat seit Pandemie-Beginn viel Zeit mit Veranstaltern und Kunden am Telefon verbracht. Chris Metzger hatte einen prall gefüllten Terminkalender mit Vorausbuchungen von bis zu zwei Jahren.

Man müsse sich vorstellen, wie viel Planung nötig gewesen sei, die Termine zu verlegen, wenn man in dieser Situation keine Planungsfreiheit mehr habe, erläutert Metzger. Kunden verlegten ihre Feiern auf Sonntage, weil der Musiker bis ins übernächste Jahr hinein keinen Termin an einem Freitag oder Samstag mehr vergeben konnte.

Metzger schätzt die Fairness seiner Kunden, die ihm zu 99 Prozent die Treue gehalten hätten.

Kaum Einnahmen nach einer Hundert-Stunden-Woche

Trotz Auftrittsverbot arbeitet Chris Metzger mehr als vor der Pandemie. Er hat eine Hundert-Stunden-Arbeitswoche mit Proben, Tonstudioaufnahmen und immer wieder neuen Terminabsprachen durch die andauernden Verlängerungen des Lockdowns.

Inzwischen hat Metzger die „Überbrückungshilfe drei“ beantragt. Sie soll ihm über die Zeit von Januar bis Juni helfen, seine Fixkosten zu decken. Sollte die Hilfe gewährt werden, könne er von diesem Geld lediglich zwei Monate überleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Hilfen seien ein Bruchteil der Einnahmen, die er hätte, wenn er normal arbeiten, also auf der Bühne stehen würde. In der Wahrnehmung vieler Menschen würde untergehen, welch immenser Aufwand hinter einem Auftritt stehe.

Chris Metzger hat bisher vier verschiedene Hilfen beantragt. Bei jedem Antrag wisse man nicht, ob man die Hilfe auch erhalte. Die Dezemberhilfe sei lediglich als Abschlag bei ihm eingetroffen.

Manche Künstler aus seinem Musikerfamilienkreis hätten zweimal Hilfen beantragt, die abgelehnt wurden. Metzger spricht von einem Corona-Hilfen-Wirrwarr. Informationen seines Steuerberaters nach müssten die gewährten Hilfen versteuert werden. So würden sich die wirtschaftlichen Probleme für viele in den Folgejahren fortsetzen.

Viele Kollegen schaffen es nicht

Im vergangenen Sommer nahm Chris Metzger Kontakt zu seiner Hausbank auf, um gemeinsam Lösungen zu finden, zunächst für den Zeitraum bis Dezember. Metzger hatte sich auf das schlimmste Szenario vorbereitet. Wenn er weiterhin sparsam haushalte, so könne er auch dieses Jahr überleben. Viele seiner Kollegen hätten es nicht geschafft.

Das könnte Sie auch interessieren

Chris Metzger sieht auf die Künstler auch nach dem Ende der Pandemie düstere Zeiten zukommen: „Es gibt einen Preiskrieg und es werden die Preise gedrückt“, so seine Prognose.

Manche Veranstalter könnten die Not der Künstler ausnutzen, glaubt er. Er bittet deshalb Veranstalter und Kollegen um Fairness: „Die Künstler dürfen sich nicht (...) auf Dumpingpreise einlassen.“