Ein Spaziergang durch das malerische Bankholzen lohnt sich mehr denn je. Schon bei der Anfahrt bemerken die Besucher eine besondere Atmosphäre der rund 720 Seelen großen Gemeinde am Fuße des Schiener Bergs. Die Silhouette ist spielerisch angelegt und ein Bach zieht sich durch den Ortskern. Viele Gebäude haben ein Fachwerk mit großzügig angelegten Vorgärten und alten Baumbeständen.

„Bankholzen gehört zu den am besten erhaltenen Ortskernen in Baden-Württemberg„, urteilte bereits 2015 der Landesdenkmalpfleger Erik Roth. Nun bekamen 22 Häuser ihre Geschichte in wunderbar erzählten Histörchen zurück.

Ortsgeschichte lebendig werden lassen

Die Bankholzer Geschichte mit ihren Gebäuden lebendig werden zu lassen, dem fühlt sich der Arbeitskreis Heimatpflege Vordere Höri verpflichtet. Er errichtete an Gebäuden und Vorgärten 22 Tafeln mit historischen Aufnahmen, auf denen der Verein beschreibt, wann die Häuser errichtet wurden und welche Menschen darin gelebt und gearbeitet haben.

Ein Spaziergang – etwa durch den bald anbrechenden goldenen Herbst – bekommt so eine historisch-informative wie kurzweilige Note.

Der Stolz ist überall sichtbar

Der Stolz der Bankholzer auf ihr Dorf ist auf Schritt und Tritt sichtbar. Ihre alten Häuser sind liebevoll renoviert und viele Fachwerke kunstvoll wiederhergestellt. 1985 erhielt die Gemeinde die Goldmedaille im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.

Im Jahr 1050 erstmals urkundlich erwähnt, brannte Bankholzen im Jahr 1633 bis auf drei Häuser ab. Vielleicht resultieren die besondere Pflege und der Stolz über das wiederaufgebaute Bankholzen aus dem Schock über dessen Vernichtung.

Erinnerungen an die Pest und den 30-jährigen Krieg

Auch die Erinnerung an die Pest wird in alten Erzählungen wach gehalten. Eine Zäsur ist ebenso der 30-jährige Krieg. Diese Geschichten sind im Dorf tradiert und könnten der Motor dafür sein, Altes konservieren zu wollen und es in die Neuzeit hinwegzuretten.

Knapp 10.000 Euro brachte der Verein für die 22 Tafeln auf – finanziert durch die Veranstaltungen des Arbeitskreises Heimatpflege in den letzten Jahren. Dessen ehemaliger Vorsitzender, Jürgen Fredecke, verfasste die Texte über 22 Gebäude im Dorf, die besondere Geschichten zu erzählen haben. Die historischen Aufnahmen lieferte Ewald Gnädinger.

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Eine informative Broschüre für einen Rundgang liegt an der alten Torkel für die Besucher in einem Kästchen bereit. Absichtlich seien in die Broschüre nicht die vollständigen Texte aus den Informationstafeln eingeflossen, so die Vorsitzende des Arbeitskreises für Heimatpflege, Margit Müller: So können Besucher mithilfe der Broschüre durchs Dorf gehen, die historischen Gebäude vor Ort erleben und deren Geschichte in Erfahrung bringen.

Die Tafeln erzählen von den Häusern und ihren Bewohnern

Beim Denkmalamt in Freiburg hätten zwar Informationen über deren Errichtung sowie Angaben über Fachwerk und die Dachformen vorgelegen, doch wer in den Häusern lebte und was darin geschah, darüber lagen keine Berichte vor, so Müller: Die Tafeln erzählen, was die Bewohner in den Gebäuden produzierten und was sie für die Dorfgemeinschaft beitrugen.

Auf dem Rundgang durchs Dorf erfährt der Besucher, was ein Jauchert ist, wo am Dorf im 18. Jahrhundert die 52 Weingärten lagen und woran man deren Reste erkennen kann. Die Tafeln berichten von einem Geißbock-Maler und einem Höri-Fürsten. Sie zeigen das ehemalige handwerklich-kreative Viertel in Bankholzen und erzählen von der ersten Verlegung einer öffentlichen Wasserleitung und wo das Warengeschäft für den Kolonialhandel lag.

Rats- und Lehrstuben in Privatwohnungen

Bis in die 1970er Jahre wurden im alten Bankholzer Teil „Im Winkel“ vier Gebäude landwirtschaftlich genutzt. Eine Tafel erinnert an die erste Nutzung eines Traktors und an eine Sattlerei. Markante Gebäude sind unter anderem die katholische Pfarrkirche sowie das ehemalige Schul- und Rathaus.

Bis Anfang des 18. Jahrhunderts waren die Rats- und Lehrstuben jeweils beim Bürgermeister und einem Lehrer privat untergebracht. Mit dem Bau eines Schul- und Rathauses zentralisierten sich die Institutionen in einem gemeinsamen Gebäude.

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