Mit einem schrillen Ton wird Kommandant Karl Wolf von der zentralen Leitstelle zu einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Moos alarmiert: Vor dem Kindergarten in Bankholzen habe sich ein Verkehrsunfall ereignet, bei dem eine Radfahrerin angefahren wurde. Sie liege verletzt auf der Straße. Der Fahrer sei geflohen und im Auto sei die Beifahrerin eingeklemmt. Rund um den Unfallort hatten sich schon rund 60 Schaulustige versammelt.

Doch diesmal waren die neugierigen Passanten von den Einsatzkräften ausgesprochen erwünscht. Denn die Freiwillige Feuerwehr (FFW) probte öffentlich einen Einsatz. Während der Übung klärte Bürgermeister Patrick Krauss die Besucher auf, dass reale Unfälle nicht fotografiert werden sollten. Schaulustige sollten bei einem echten Rettungseinsatz weiterlaufen.

Einsatzleiter Rolf Wiedemann (rechts) informiert den Gruppenführer über die Lage.
Einsatzleiter Rolf Wiedemann (rechts) informiert den Gruppenführer über die Lage. | Bild: Georg Lange

Bei einem realen Einsatz werden die Feuerwehrleute über Funkmelde-Empfänger alarmiert. Sie verlassen ihre Arbeitsplätze und sammeln sich am Gerätehaus der Feuerwehr im Mooser Industriegebiet. Am Standort der Stützpunktwehr werden sie über das Szenario informiert. Gemeinsam fahren die Feuerwehrleute zur Unfallstelle. Als erste erscheinen ein Maschinist mit dem Mannschaftstransportwagen sowie der Einsatzleiter am Unfallort. Sie erkunden die Lage und dirigieren nachrückende Fahrzeuge auf ihren Aufstellungsplatz.

Einsatzleiter Ralf Wiedemann übermittelt über Funk die Lagemeldung an die Leitstelle. Dann informiert er nach dem Eintreffen der Feuerwehrleute den Gruppenführer über die Lage. Die Mannschaft sperrt die Verkehrswege ab und legt am Rand des Unfallortes eine Bereichsplane für die benötigten Gerätschaften bereit. Parallel gehen Feuerwehrleute des Angrifftrupps zum Fahrzeug.

Der Rettungssanitäter der Feuerwehr Moos legt der Radfahrerin eine Halskrause an.
Der Rettungssanitäter der Feuerwehr Moos legt der Radfahrerin eine Halskrause an. | Bild: Georg Lange

Ein Rettungssanitäter der Feuerwehr kümmert sich um die Verletzten, legt ihnen Halskrausen an und überprüft die Vitalfunktionen der Verletzten. Bei einem realen Einsatz spricht sich der Sanitäter der Feuerwehr mit dem Notarzt ab, so Wolf: Bei einer drohenden Gefahr würden die Opfer in einer sogenannten Crash-Rettung (Sofortrettung) geborgen. Für die akute Lebensrettung wird hierbei das Risiko weiterer Verletzungen in Kauf genommen. Bei normalen Einsätzen werde zuerst ein Zugang zum Unfallopfer geschaffen, damit der Notarzt durchdringen könne. Während der Rettung verabreiche der Notarzt der Verletzten Schmerzmittel, damit sie schonend aus dem Fahrzeug geborgen werden kann, so Wolf.

Feuerwehrleute brechen die Autotüre auf, um die eingeklemmte Beifahrerin zu bergen.
Feuerwehrleute brechen die Autotüre auf, um die eingeklemmte Beifahrerin zu bergen. | Bild: Georg Lange

Derweil erhält der Gruppenführer vom Einsatzleiter den Auftrag, die verletzte Radfahrerin aus dem Gefahrenbereich zu bringen, damit die Feuerwehr mit ihren Rettungsgeräten besser an die verletzte Beifahrerin kommen kann. Hier taucht ein Problem auf: Durch die Bergung könnten Erschütterungen im Auto der Verletzten weitere Schmerzen zufügen. Mit sogenannten „Stabfasts“ (Abstützsystemen) stabilisieren Feuerwehrleute das Auto kippsicher.

Ein Feuerwehrmann steigt in das Fahrzeug und informiert auf dem Rücksitz die verletzte Beifahrerin über jeden Schritt des Feuerwehreinsatzes um sie zu beruhigen. Er setzt ihr einen Helm mit Augenschutz auf und legt ihr vor dem Aufbrechen des Fahrzeuges und dem Entfernen der Frontscheibe eine Folie über den Körper. Dann schneiden Feuerwehrleute das Dach des Fahrzeugs auf und bergen die Beifahrerin.

Um besser an die eingeklemmte Beifahrerin heran zu kommen schneiden die Feuerwehrleute zusätzlich das Dach vom Fahrzeug ab.
Um besser an die eingeklemmte Beifahrerin heran zu kommen schneiden die Feuerwehrleute zusätzlich das Dach vom Fahrzeug ab. | Bild: Georg Lange

In der Nähe des Unfallortes entdecken die Feuerwehrmänner den unter Schock stehenden Fahrer. Sie übergeben den Mann an den Sanitäter. Im realen Einsatz würde ein Abschleppdienst den Wagen abholen, erläutert Kommandant Wolf. Im Anschluss daran prüfe die Feuerwehr, ob aus dem Auto Öl ausgelaufen sei um potentielle Umweltschäden zu verhindern.

Bürgermeister Patrick Krauss zeigt sich im Anschluss an die Übung stolz auf die Leistungen der Feuerwehrleute aus Moos: Sie würden sich in einem Ehrenamt über die Maße engagieren – mit ihrer Einsatzbereitschaft und viel hartem Training, um den hohen Sicherheitsansprüchen zu genügen. „Wenn ich diese Übung sehe, fühle ich mich sicher. Denn wenn mir etwas passieren sollte, dann bin gut versorgt“, fasst Patrick Krauss sein Vertrauen in die Rettungskräfte in Worte.

Struktur der Feuerwehr von Moos

Die Freiwillige Feuerwehr Moos ist eine Gesamtfeuerwehr. Ihre Mitglieder kommen aus sämtlichen Teilorten der Gemeinde Moos und kooperieren mit der Freiwilligen Feuerwehr Radolfzell. Nach dem Zusammenschluss der Ortsabteilungen Bankholzen, Iznang, Moos und Weiler wurde ein neues, gemeinsames Feuerwehrhaus für die Gesamtfeuerwehr im Gewerbegebiet errichtet. Die Feuerwehr Moos besteht aus zwei Zügen. Die Mitglieder aus den ehemaligen Ortsabteilungen Weiler und Iznang bilden einen Zug, diejenigen aus Bankholzen und Moos den Zug B.