Der Ausbau des Erdgas- und des Glasfasernetzes in Moos ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Seit Beginn der Arbeiten hat die Thüga Energienetze über 30 Kilometer Gas- und Glasfaserkabel verlegt. Markus Kittl, als Mitglied der Geschäftsleitung für das Kommunalmanagement zuständig, lobt alle an diesem Projekt beteiligten Seiten.

Der Mooser Bürger Peter Backes kann das nicht ganz nachvollziehen. Selbstverständlich hat Backes die Infoveranstaltung vor fast auf den Tag genau drei Jahren besucht. Sein Interesse an einem schnellen Internet ist groß, schon aus beruflichen Gründen. Schnell wurde ihm aber bewusst: Mit dem schnellen Internet könnte es für ihn schwierig werden. Sein Haus ist an eine Flüssiggasanlage angeschlossen. Ohne Gas kein Glas, lautete eine Aussage bei den Informationsveranstaltungen.

Ohne Erdgasanschluss kein Glasfaser

Da die Thüga Energienetze ihm aber in Aussicht stellte, dass die Flüssiggasanlage, vorbehaltlich der Einigung mit dem Betreiber, durch einen Erdgasanschluss überflüssig wird, unterschrieb Backes einen Antrag. Er wollte von Flüssiggas auf Erdgas und auf das schnelle Glasfaserkabel umstellen. Ausdrücklich willigte er ein, dass die Einigung mit dem Betreiber der Flüssiggasanlage eine grundlegende Bedingung ist, ohne Umstellung auf Erdgas also kein Glasfaserkabel.

Im Februar letzten Jahres dachte Peter Backes, er könne aufatmen. Die Thüga Energienetze schrieb ihm: „ Mit diesem Schreiben erhalten Sie Ihr Exemplar des Leerrohranschlussvertrages für Ihr Objekt in Moos....“. Ohne dieses Leerrohr kann das Glasfaserkabel nicht ins Haus verlegt werden. Nun musste Backes warten, bis sich die Thüga Energienetze mit dem bisherigen Betreiber der Flüssiggasanlage geeinigt hat. Ende April ist es endlich soweit. Die Thüga Energienetze teilten Peter Backes mit: „Damit Sie weiterhin von den Vorzügen des bereits vorhandenen Versorgungsnetzes profitieren können, bieten wir Ihnen gerne an, Ihren Flüssiggasnetzanschluss auf einen Erdgasnetzanschluss umzustellen.“

Streit mit der Thüga bahnt sich an

Dabei dachte sich Backes nichts Böses. Doch dann stellte sich heraus: Ein schnelles Glasfaserkabel bekommt er trotzdem nicht. „Man hatte uns von seiten der Thüga zunächst geschildert, dass man alle Gasleitungen ersetzen werde, wenn sich die Thüga mit dem bisherigen Betreiber einigt und wir auf Erdgas umstellen“, führt Backes weiter aus. Doch von einem Austausch der Gasleitungen ist jetzt nicht mehr die Rede. Und wenn keine Tiefbauarbeiten für die Verlegung der Gasleitungen erforderlich sind, gibt es auch kein Glasfaserkabel. Für Backes sieht das nach Rosinenpickerei aus. Die eine Seite dieses Kombinationsvertrages, die Gasbelieferung, wolle die Thüga Energienetze gerne erfüllen, die andere Seite, die Verlegung des Leerrohres, sei für das Unternehmen nicht notwendig. Man zieht sich auf Rechtspositionen zurück.

Kein Einzelfall in Moos

Der Unmut ist in Moos nachvollziehbar. Backes ist kein Einzelfall. Auf der Gemeinderatssitzung im Juni thematisierte Frank Riester (UWV) diesen Punkt. Bürgermeister Patrick Krauss versteht die unglückliche Situation. Man sei mit der Thüga Energienetze im Gespräch. Viele Chancen auf ein positives Ergebnis räumt Krauss diesen Gesprächen aber nicht ein. Nach überschlägigen Schätzungen kämen rund 60 000 Euro auf die Gemeindekasse zu, nur um eines der drei Flüssiggasfelder mit Glasfaserkabel nachzurüsten. Abgesehen davon bestehe eine realistische Chance der Nachrüstung nur dann, wenn die Straße sowieso aufgerissen werden müsste. Krauss empfiehlt, diesen Punkt erst nach der Sommerpause mit dem neuen Gemeinderat zu besprechen und auf die Tagesordnung zu nehmen.

Thüga lenkt in Sachen Glasfaseranschluss ein

Auf Nachfrage des SÜDKURIER bei der Thüga gesteht Markus Kittl ein, dass das Anschreiben, mit dem Peter Backes seinen Leerrohranschlussvertrag erhalten hat, ein standardisiertes Schreiben war und durchaus missverständlich von Seiten eines Kunden aufgefasst werden könnte. Deshalb will Kittl den Vorgang nochmals prüfen. Zwei Tage später revidiert Markus Kittl die Entscheidung im Fall von Peter Backes. Zwar bleibe, was die Erdgasversorgung angehe, alles so wie geplant. Man habe aber einen Weg gefunden, das Haus nun doch mit einem Glasfaserkabel zu versehen.

Und nicht nur das. Kittl sagt zu, auch bei den anderen drei Feldern mit einer Flüssiggasanlage werde man von seiten der Thüga Energienetze prüfen, welche Grundstücke ebenfalls mit Glasfaser ausgerüstet werden können. Bürgermeister Patrick Krauss sagt: „Ich freue mich, dass die Thüga Energienetze ihre bisherige Planung überdenkt. Das ist für unsere Gemeinde auch für die Zukunft eine erhebliche Verbesserung der Infrastruktur.“