Welche Verwirrungen ein gefundener Schminkkoffer auslösen kann, davon handelt das Stück „Ab durch die Mitte“ von Autor Markus Winzer, mit dem die Laienbühne Szenenwechsel aus Radolfzell nun im Bürgerhaus Moos gastierte.

Vier Frauen machen sich auf den Weg in den Wald

Mit launigem Spiel nahmen die acht Schauspieler ihr Publikum, das zahlreich erschienen war, mit in die Geschichte. Auf Selbstfindungstrip im Schwarzwald befinden sich vier Damen, ausgerüstet mit Rucksäcken, Proviant und einem Zelt mit chinesisch-deutscher Gebrauchsanweisung, offensichtlich „von einem besoffenen Reisbauern“ geschrieben. Leider haben sie auch die falsche Wanderkarte eingepackt, so dass eine im Wald lebende Obdachlose, „eine verlauste Waldhexe" ihnen den vermeintlich richtigen Weg zeigen muss. Kein Wunder, dass sie die Wellness-Oase wieder nicht finden.

Drei Herren finden einen rätselhaften Koffer

Dafür treffen sie auf drei Herren, ausgerüstet mit Bierkasten, Wanderschuhen, Rucksäcken und – einem Schminkkoffer. Den haben sie in einem Straßengraben gefunden. Erst als sie ihn geöffnet hatten, stellten sie fest, dass er außer Kosmetik Geld und Schmuck enthielt – er muss versteckt werden. Das Versteck aber finden auch die Damen. Das Gerangel um den Koffer strapaziert die Lachmuskeln der Zuschauer. Endlich entscheiden alle, in der Nähe des Verstecks zu übernachten: Zelte sind aufgebaut – wofür natürlich die Männer zuständig waren – Sympathien, wer mit wem in welchem Zelt schläft, rasch ausgemacht. Ein Lagerfeuer kann zwar nicht entfacht werden, weil der Koffer sonst mit in Flammen aufginge. Also hilft die Kraft der Fantasie, die Würstchen am Stock zu rösten.

Raffael Reimann (links): „Ich bestimme, was mit dem Koffer geschieht, denn ich habe ihn gefunden“. Michael Halbach und Hubert Müller sind gar nicht einverstanden. Bild: Veronika Pantel
Raffael Reimann (links): „Ich bestimme, was mit dem Koffer geschieht, denn ich habe ihn gefunden“. Michael Halbach und Hubert Müller sind gar nicht einverstanden. | Bild: Veronika Pantel

Eine Obdachlose mit erfolgreicher Strategie

Die Protagonisten zeichnen die Charaktere ihrer Figuren mit bestechend ausdrucksstarker Mimik und lebhafter Gestik: Michael Halbach, Raffael Reimann und Hubert Müller geben die drei Herren, die endlich mal „ohne Weiber“ einen drauf machen wollen. Sina Gnauk ist die resolute Polizistin, die den Kofferfund ihrer Dienststelle melden will. Christine Aicheler spielt die Versicherungs-Agentin, die der alten Dame, der der Koffer gehörte, eine teure Versicherung verkauft hatte. Renate Müller gibt die ängstliche Maria, Christina Weidlich die begriffsstutzige Susi. Bernadette Meidel spielt die unbekümmerte und hinterlistige Obdachlose, die stets auf ihren Vorteil bedacht ist. Kein Wunder, dass sie schließlich den Koffer findet und an sich nimmt.

Die Obdachlose (Bernadette Meidel) triumphiert: Ihr hat der wertvolle Koffer Glück gebracht.
Die Obdachlose (Bernadette Meidel) triumphiert: Ihr hat der wertvolle Koffer Glück gebracht. | Bild: Veronika Pantel

Viel Engagement und einige Längen

Gefangen nimmt die lebhafte Sprache im Wechsel von badischer Zunge und geschliffenem Hochdeutsch, das die Laien auf der Bühne sprechen. Hut ab vor der Textmenge, die alle bewältigen mussten. Da bleibt es nicht aus, dass das hinter dem Baum versteckte Eichhörnchen als Souffleuse (Sabrina Weidlich) ab und zu mit Eicheln werfend aufwecken und mit Text aushelfen muss. Natürlich gab es in den endlosen Debatten, was mit dem Koffer passieren solle, verzichtbare Längen, war die Personenführung mitunter recht statisch angelegt. Hier hätte die ordnende und interpretierende Arbeit eines Regisseurs gute Dienste leisten können.