Klaus Engelmann steht an einem Bachlauf, der kaum Wasser führt. Das stört den 77-jährigen, der wenige Meter entfernt in Iznang wohnt und regelmäßig hier spazieren geht. Denn vor wenigen Monaten sei das noch anders gewesen. Dann wurden erste Maßnahmen der Flurbereinigung umgesetzt, welche sich die Gemeinde Moos bereits vor zwei Jahren gewünscht hat. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das die Neuordnung des land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitzes zum Ziel hat. Im Zuge der Flurbereinigung wurde das Wasser teilweise umgeleitet, das eigentlich den Bach füllen soll. Und das ist für Engelmann nicht das einzige Problem: Der nahegelegene Radweg zwischen Moos und Iznang sei nun zwar breiter, aber auch gefährlicher.

Keine Fische und Frösche mehr

"Der Bach ist tot und es liegt ein Film auf dem übrigen Wasser", erzählt der Rentner Klaus Engelmann. Früher seien Fische und Frösche dort beheimatet gewesen. "Seit der Hitze ist hier nichts mehr." Ein Stein leite das Wasser aus dem Bach in den Bützigraben und da es kaum regne, würde sich der altbewährte Graben nicht füllen. Ursprünglich habe die Umwelt durch ausgebaute Gräben und neue Wege von der Flurbereinigung profitieren sollen, doch parallel hat das Verfahren laut dem 77-Jährigen auch Schaden angerichtet. "Bis sich die Tiere regenerieren, wenn nach starkem Regenfall wieder Wasser im Bach fließen soll, dauert es Jahre", stellt er fest.

Durch diesen Stein werden Wassermengen des alten Bachs in den Bützigraben geleitet, damit dieser aufgeüllt wird. Bild: Lisa Liebsch
Durch diesen Stein werden Wassermengen des alten Bachs in den Bützigraben geleitet, damit dieser aufgeüllt wird. Bild: Lisa Liebsch | Bild: Lisa Liebsch

Einen Vorteil sieht er allerdings: Die neu angelegten Wege zwischen den Feldern und die Gestaltung des Bützigrabens seien gelungen.

Licht sieht Klaus Engelmann in der Gestaltung des Bützigrabens. Durch die Hitzeperiode ist dort momentan aber trotz Speisung aus dem Nettenbach nur wenig Wasser vorhanden.
Licht sieht Klaus Engelmann in der Gestaltung des Bützigrabens. Durch die Hitzeperiode ist dort momentan aber trotz Speisung aus dem Nettenbach nur wenig Wasser vorhanden. | Bild: Lisa Liebsch

Wasserbehörde wollte es so

Das Austrocknen des Bachs, welcher aus dem Nettenbach gespeist wird, sei den Verantwortlichen im Voraus bekannt gewesen, wie diese sagen. "Das Ganze wurde von Fachleuten überprüft und die Wasserbehörde wollte es so", sagt die Leiterin des Projekts Karin Chluba. Sie arbeitet für das Landratsamt Tuttlingen, wo das Flurbereinigungsamt angesiedelt ist. Der Bach sei ohnehin ein Problem, da kein Gefälle vorhanden sei. "Alle Gewässer in Moos können temporär sein, wenn es heiß ist", sagt Chluba. Jeder Graben könne austrocknen und so den Tieren schaden. Allerdings hätten die Verantwortlichen vor Beginn der Umbaumaßnahmen die Fische aus dem Wasser des Bachs entnommen. Es sei auch die Überlegung aufgekommen, den Bach stillzulegen. "Aber wir lassen ihn da. Bei Hochwasser haben wir zwei Gewässer und es wird eventuell verhindert, dass umliegende Keller vollaufen", erklärt die Projektleiterin.

Pedelec-Fahrer sind für Engelmann eine Zumutung

Der nun asphaltierte Radweg zwischen Moos und Iznang ist Klaus Engelmann ebenfalls ein Ärgernis: "Der Weg war gut befahrbar. Jetzt haben ältere Leute Angst, spazieren zu gehen", sagt er über den Abschnitt, der Teil des Bodenseerundwanderweges sei. Schuld seien Radfahrer, die beim Überholen nicht klingeln würden, und die vermehrte Nutzung von Pedelecs. Das sind Fahrräder, die mit einem Elektroantrieb ausgestattet sind und so Geschwindigkeiten von bis zu 25 Kilometern pro Stunde erreichen. "Die Fahrer sind so schnell unterwegs. Eine Zumutung ist das schon." Früher sei das ein Schotterweg gewesen, auf dem die Radfahrer automatisch langsamer hätten fahren müssen.

Der breitere und asphaltierte Radweg zwischen Moos und Iznang bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Klaus Engelmann fürchtet bei Spaziergängen besonders die schnellen E-Bike-Fahrer. Bild: Lisa Liebsch
Der breitere und asphaltierte Radweg zwischen Moos und Iznang bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Klaus Engelmann fürchtet bei Spaziergängen besonders die schnellen E-Bike-Fahrer. Bild: Lisa Liebsch | Bild: Lisa Liebsch

Beim Schotter sind viele gestürzt, sagt der Bürgermeister

Der Mooser Bürgermeister Peter Kessler erklärt den Grund für den asphaltierten Radweg: "Durch den Schotter sind immer wieder Unfälle entstanden. Besonders ältere Menschen sind gestürzt." Für Inline- und Rollstuhlfahrer sei der Weg außerdem ein unpassierbares Hindernis gewesen. "Der Gemeinderat äußerte den Wunsch nach einem neuen Weg und durch die Flurbereinigung ist man diesem gefolgt", sagt Bürgermeister Kessler. Die Pedelec-Fahrer seien in seinen Augen keine Gefahr, da sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten müssen und sich das Verkehrsaufkommen durch den breiteren Weg verbessert habe. An Spitzentagen nutzen laut Bürgermeister Kessler etwa 800 Fahrradfahrer und 300 Fußgänger den Weg. Durch die breitere Fahrbahn hätten sie nun mehr Platz, um einander auszuweichen. Die asphaltierte Route ist nun drei Meter breit statt zuvor zwischen 1,20 und 1,50 Meter. "Ich glaube, jeder Radweg bereitet irgendwo Probleme. Eine Gruppe wird sich immer benachteiligt fühlen. Doch solange die Mehrheit zufrieden ist, kann man damit leben", sagt der Bürgermeister Peter Kessler.

Weg ist nun breiter und laut Projektleiterin besser

Auch Karin Chluba vom Flurbereinigungsamt sieht den Radweg nicht als Problem. "Es gibt allgemein mehr Touristen und auch E-Bikes oder Pedelecs werden immer beliebter", lautet Chlubas Erklärung für den zunehmenden Verkehr. Der neue Weg sei nötig gewesen, da die Entwässerung der Wiesen nicht richtig funktioniert habe, die Route teilweise unterspült worden und an einigen Stellen viel zu schmal gewesen sei. "Früher waren dort auch schon viele Radfahrer unterwegs und die Fußgänger mussten in den Graben ausweichen", sagt Chluba. Mittlerweile seien die Gräben weiter weggelegt worden und es gebe an den Seiten nicht-befestigte Streifen, auf die Fußgänger ausweichen könnten. Hinzu komme, dass die Gemeinde nun Geld spare, weil der Unterhaltungsaufwand für Asphalt geringer ist als der für Schotter.

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Nächster Schritt ist die Bodenordnung

Anlass für die Flurbereinigung in der Gemeinde Moos war laut Projektleiterin Karin Chluba vor allem die Modernisierung des Wegenetzes und eine nachhaltige Bodenordnung für den Gemüseanbau. "Die Flurbereinigung ist sowohl landwirtschaftlich motiviert, als auch um Naturschutz und Tourismus wenn möglich zu unterstützen", berichtet Chluba. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, da es viel Zeit benötige, um mit den beteiligten Behörden und Grundstücksbesitzern sämtliche Verfahren zu besprechen. "Nach Abschluss des Baus folgt das Kernstück – die Bodenordnung", fährt sie fort. Das sei die eigentliche Umgestaltung von Grund und Boden und deren Eigentums- und Besitzverhältnissen.