In vielen Dingen ist Bettina Popanda der Gegenentwurf der Bürgermeisterwahlkandidaten in Moos. Nicht nur, dass sie weiblich und älter ist als ihre männlichen und zum Teil recht jungen Mitbewerber, auch ihre eigene Sicht auf ihre Rolle als mögliche Bürgermeisterin der Gemeinde unterscheidet sich. Sie sieht sich weniger als führendes Oberhaupt von Moos, sondern als Vermittlerin zwischen den einzelnen Interessensgruppen, als Unterstützerin für Bürgerprojekte. Dabei gibt es für sie noch einiges über den Mooser an sich und vor allem über die Mooser, Iznanger, Weiler und Bankholzer im Speziellen zu lernen.

Moos ist komplizierter als erwartet

In Iznang hatte Bettina Popanda zum Bürgergespräch geladen. Mit den Iznangern aber über das vermeintliche Mooser Verkehrsproblem zu reden, erwies sich als mühsam. Irritierte Blicke aus den Reihen der Besucher machten deutlich: Jeder Ortsteil hat seine eigenen Sorgen. "Die haben eine Ampel und zwei Querungshilfen, was wollen die Mooser denn noch?" erklärte ein älterer Herr unter der Zustimmung der Anwesenden. In Iznang ist Hundekot ein größeres Thema. Die Bürgermeisterkandidatin lauschte interessiert der ortsinternen Auseinandersetzung.

Gemeinsam statt alleine Führung

Zuhören, Verstehen und ins Gespräch kommen. Das möchte die 53-Jährige, die aktuell als Fachbereichsleiterin für Arbeitslosenhilfe beim Awo Kreisverband Konstanz tätig ist. Im Grunde will sie ihre Arbeitsweise fortführen. Mit Beispielen aus ihrem beruflichen Werdegang versucht Popanda den Iznangern zu vermitteln, was für eine Art Bürgermeisterin sie wäre: Während ihrer Zeit bei der kommunalen Kriminalprävention in Konstanz führte Popanda den Präventionsrat ein. Im Konstanzer Herose-Park versuchte sie in ihrer Funktion zwischen den verstrittenen Parteien Anwohner, Polizei, Stadtverwaltung und Studentenvertretung einen Konsens über die Nutzung des Parks zu erreichen. "Ich bringe die Leute an einen Tisch und wir versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden", beschreibt Popanda ihren Ansatz.

Kann sie sich durchsetzen?

Ob sie sich denn im Gemeinderat durchzusetzen wissen, wollte ein Zuhörer wissen. Gesprächsbereitschaft sei ja schön und gut, aber ein Bürgermeister müsse auch führen können. Sie wisse sich sehr wohl durchzusetzen, aber wolle dabei jeden mitnehmen. "Ich will nicht sofort alles umdrehen, sondern mit Energie die Ziele der Bevölkerung umsetzen", sagte die 53-jährige Kriminologin. Popanda beschrieb sich selbst als dynamisch, zielorientiert und empathisch.

Der Gestaltungsraum ist begrenzt

Dabei machte Bettina Popanda auch deutlich, wo die Grenzen eines Bürgermeisters oder einer Bürgermeisterin in Moos sind. Nach dem Bau der neuen Sporthalle und dem Ausbau der Kinderbetreuung bliebe der Gemeinde finanziell für die nächsten Jahre kein Spielraum mehr für Großprojekte, erklärte sie. Mit dieser Situation müsse jeder neuer Bürgermeister, egal auf wen die Wahl falle, umgehen. Zu ihrer eigenen Wirkungszeit erklärte sie ebenfalls, dass sie maximal für zwei Amtszeiten zur Verfügung stehe. Mit 69 Jahren, so alt wäre Bettina Popanda nach zwei Mal acht Jahren als Bürgermeisterin, wolle sie in den Ruhestand gehen und sich nur noch der ehrenamtlichen Tätigkeit widmen.

Mit viel Elan im Ehrenamt

In ihren Augen sei Ehrenamt in einer Gesellschaft unerlässlich. Aus diesem Grund wolle sie dieses auch in Moos nach Kräften unterstützen. Sie selbst habe sich ihr Leben lang engagiert: sie war als Schutzschöffin und im Kinderschutzbund in Konstanz tätig und gründete in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Gruppen für junge Mütter. In Moos wolle sie für Räume sorgen, in denen sich Menschen begegnen können. Bettina Popanda ist vor allem die zwischenmenschliche Ausrichtung der Gemeinde wichtig. Ängste älterer Menschen wolle sie mit Gesprächen abbauen. Wohnraum müsse flexibel gebaut werden, damit unterschiedliche Wohnformen, ob für Singles, Paare, Familien oder Senioren, entstehe.

Iznanger wollen keinen Hundebesitzer

Sie wolle lieber für Einsicht sorgen, als Gesetze zu bemühen. Wie das bei Hundebesitzern funktionieren soll, die die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht aus den Iznangern Uferanlagen säubern wollen, blieb auch an diesem Abend unklar. Ein anwesender Bürger wünschte sich wieder einen Ortspolizisten her, der das Areal kontrollieren und Hundebesitzer bestrafen solle. Bettina Popanda hat Kriminologie studiert und besitzt keinen Hund. Für die Iznanger ist diese Kombination vielleicht eine Option. Schließlich wolle man in Iznang keinen Bürgermeister wählen, der einen Hund habe, so die humorvolle Meinung vieler Zuhörer.

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Zur Person und Podiumsdiskussion

  • Zur Person: Bettina Popanda ist 53 Jahre alt, parteilos und Mutter einer erwachsenen Tochter. Sie ist gelernte Industriekauffrau, wechselte 1994 in den Polizeidienst in Essen in Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2000 wanderte sie mit ihrer Tochter und ihrem damaligen Lebensgefährten nach England aus und war dort ebenfalls für die Polizei tätig. An der Coventry University studierte Bettina Popanda Krimonologie mit den Schwerpunkten Jura, Sozialwissenschaften und Psychologie. 2009 kehrte sie nach Deutschland zurück und nahm den Polizeidienst in Essen wieder auf. 2014 entschied sie sich, die Polizei zu verlassen und fing in Konstanz bei der Kriminalprävention an. Heute ist sie bei der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Konstanz Fachbereichsleiterin für Arbeitslosenunterstützung.
  • Der SÜDKURIER lädt am Dienstag, 13. November, um 19.30 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion mit allen ernsthaften Kandidaten ins Bürgerhaus Moos ein. Dort soll sich dann eine interessante Diskussion zwischen den Kandidaten entspannen, bei dem jeder der Beteiligten Farbe bekennen muss.