Haben es die Mooser doch gut. Und die Bankholzer. Und die Weiler. Und die Iznanger. Fünf Bürgermeisterkandidaten haben der Gemeinde am Untersee im Wahlkampf eine Liebeserklärung gemacht. Nahezu poetisch schreibt Patrick Krauss, hier "verspüre ich ein Gefühl von Glück und Angekommensein". Tom Krug urteilt über die Lage seiner Wahlkampfgemeinde: "Selbst an nebligen Wintertagen bleibt es einladend." Bettina Popanda liebt den Blick vom Horner Wasserturm auf Moos bei Sonnenuntergang. Moritz Görgner will, "dass die Gemeinde charmant bleibt". Im Vergleich der Lobreden fällt die Aussage von Jens Gerber fast nüchtern aus, er möchte Moos weiterhin als attraktiven, natürlichen Lebens- und Arbeitsraum gestalten.

Solch ein Bürgermeisterwahlkampf verhilft zu einem unverstellten Blick von außen: Moos ist ein Idyll. Das nehmen auch die Einheimischen so wahr. Aber nicht jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Selbst wer im Idyll lebt, braucht Arbeit, will zur Arbeit, seine Kinder in Kindergarten und Schule versorgt wissen, seine Freizeit mal außer Haus verbringen und eine Perspektive fürs Alter haben. Dazu kommt: Die Jungen wollen irgendwann mit ihren eigenen Familien in diesem Idyll wohnen. Nicht alle Eltern sind in der Lage, Platz zu schaffen.

Auf diese Gemengelage der unterschiedlichsten Interessen soll der neue Bürgermeister eine Antwort haben oder sie zusammen mit dem Gemeinderat finden. Dabei muss er noch die Gemeindeverwaltung führen, die nach Köpfen drei Beamte, 13 Angestellte in Verwaltung und Bauhof, neun Erzieherinnen und etwa 20 geringfügig Beschäftigte zählt. Dazu muss er ein Auge darauf haben, dass der Gemeindehaushalt mit rund 15 Millionen Euro nicht aus den Fugen gerät. Selbst Regieren im Idyll ist kein einfaches Geschäft.

Haben deshalb Fachleute mit Erfahrung in Politik und Gemeindeverwaltung vor einer Kandidatur zurückgeschreckt? Möglich. Eine andere Möglichkeit ist, dass viele mit solch einem Bewerber gerechnet haben. Er kam nicht. Es gibt einige, die rechnen damit, dass ein solcher Kandidat in einem möglichen zweiten Wahlgang doch noch in das Rennen einsteigt.

Das wäre eine gewagte Strategie. Es kann gut sein, dass die Mooser sich am Sonntag schon im ersten Wahlgang mehrheitlich – das heißt über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen – auf einen Kandidaten einigen. Denn eines muss man den angetretenen Kandidaten lassen: Sie haben ihre Bewerbung ernst genommen, sich auf Wahlkampftour begeben, sich in die Aufgabenstellung vertieft und zwei Mal vor großem Publikum entschieden für ihre Sache eingesetzt. Oder wenn man so will: Sie haben um ihre Liebe gekämpft.

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