Jetzt herrschen auf der Höri die Narren – zumindest für die kommenden sechs Tage. Besonders bitter ist die närrsiche Entmachtung der Bürgermeister für Patrick Krauss in Moos. Er wird wohl als Schultes mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte der Höri-Gemeinde eingehen, wurde er doch erst zu Beginn des Jahres, im Februar, in sein neues Amt eingeführt. Aber auch seine etablierten Kollegen Andreas Schmid (Öhningen) und Uwe Eisch (Gaienhofen) erging es keinen Deut besser. Auch sie sind ihre Ämter vorerst los.

Kürzeste Amtszeit in Moos

Eine äußerst kurze Amtszeit als Bürgermeister von Moos erlebte am Schmutzigen Donnerstag Patrick Krauss. Nach gerade einmal einem Monat als Bürgermeister wurde er gestern von den Narren aus seiner Gemeinde wieder abgesetzt. Markus Maier, Präsident der Büllebläri Weiler, hatte es beim Rathaussturm um acht Uhr in der Früh bereits angekündigt: "Er wird in die Geschichtsbücher eingehen, als der Bürgermeister mit der kürzesten Amtszeit in Moos", erklärte er vor der Schar der vier Narrenzünfte. Dabei hatte der Schultes noch zuvor angekündigt, dass er in seiner Tätigkeit als "neuer Besen besonders gut kehren wird", wie er wissen ließ.

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Vor dem Rathaus wurde er tatkräftig von seinem Rathausteam unterstützt, das als Putzkolonne daherkam. Mit der Sauberkeit war es dann aber nicht lange her – die Narren konnten sich im Wettstreit mit dem Rathausteam locker durchsetzten. Dabei hatten sie dem Neubürgermeister beim Zielwerfen sogar noch einen Bonus zugestanden. Seine Treffer zählten doppelt. Ganz Oberhaupt begann er gleich mit einem Treffer, der seine Mannschaft mit 0:2 in Führung brachte. Doch die hielt nicht lange an. Die Narren stellten sich als zielsichere Werfer heraus und gewannen den Wettstreit nach geringer Gegenwehr deutlich mit 6:3. Patrick Kraus blieb nicht viel anderes übrig, als seine Amtskette und den Schlüssel zum Rathaus an die närrische Schar zu übergeben. Ein gelungener Auftakt der Fastnacht wurde es anschließend für alle Teilnehmern des Rathaussturms. Im Bürgersaal gab es auf Kosten des Hauses für alle etwas zu Essen und zu Trinken.

Kochduell in Öhningen

Kochduelle sind in den Medien ein absoluter Renner. Weltweit anerkannte Spitzenköche stellen sich Herausforderungen und wollen sich gegenseitig übertreffen. Dieser Trend geht auch an Öhningen nicht vorbei. Die Gourmet-Metropole auf der Höri ist ganz nah am Puls der Zeit. In diesem Jahr stand beim Rathausstrum der Narren ein höchst anspruchsvolles Gericht auf dem Programm: Gemeinderatssuppe à la Öhningen, eine Mahlzeit, die in keiner Küche fehlen sollte. Zu den Zutaten gehört in erster Linie sehr viel Fett, damit auch jeder etwas abbekommt. Der Sud wird dann scharf gewürzt, erst dann werden die lokalen Zutaten, möglichst kleingehackt, hinzugegeben.

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Andreas Schmid, Chef des Kochstudios AKK (Andys Koch Künste), zeigte mit Beikoch Frank "Fuzzy" Graf die Feinheiten dieses köstlichen Eintopfes auf. Da musste jede Zutat für dieses Gericht genau dosiert sein, zahlreiche Beobachter standen um den Kuno-Brunnen und schauten den beiden Köchen genau auf die Finger. Vom Gebiss über zwei Holzböcke, vom Schnauzer mit Honig bis zu Kresse aus dem kleinsten Bauerngarten und Weißkraut aus Schienen, es sind alles regionale Produkte, darauf legten die beiden Köche ganz besonderen Wert.

Frank Graf und Bürgermeister Andreas Schmid beim Kochen: Das Gebiss als Symbol für Rat Horst Bilger darf bei einer Suppe à la Öhningen nicht fehlen. Bild: Michael Jahnke
Frank Graf und Bürgermeister Andreas Schmid beim Kochen: Das Gebiss als Symbol für Rat Horst Bilger darf bei einer Suppe à la Öhningen nicht fehlen. Bild: Michael Jahnke

Ganz rund scheint das Geschmackserlebnis noch nicht zu sein. Es fehlt noch ein weiteres scharfes Gewürz: Senf. Nach Meinung der von der Kochkunst begeisterten Zuschauer könne aber jeder, nach eigenem Geschmack, seinen Senf dazu geben, ganz nach persönlichen Vorlieben. Dieser Eintopf hält sich bei richtiger Lagerung ein paar Tage, sollte aber bis Fastnachtsdienstag gegessen sein.

In Gaienhofen wird gerappt

Der Vorwurf wog immens schwer, den die Narrenzunft der Käfertaler beim Rathaussturm von Gaienhofen ihrem Bürgermeister Uwe Eisch zur Last legten: Dank dem Verlegen des neuen Glasfasernetzes war die Straße nach Weiler wochenlang gesperrt. "Alle mussten über Horn fahren", so Michaela Schmidt von der Narrenzunft aus Hemmenhofen: "Da sah man Gesichter mit Zorn. Denn wer fährt schon gerne durch Horn", so der Seitenhieb auch an die Nachbargemeinde.

Ultracool: Bürgermeister Uwe Eisch verteidigte als Hip-Hopper (kniend) mit seiner Verwaltungsgang das Rathaus mit einem Rap-Sprechgesang. Bild. Georg Lange
Ultracool: Bürgermeister Uwe Eisch verteidigte als Hip-Hopper (kniend) mit seiner Verwaltungsgang das Rathaus mit einem Rap-Sprechgesang. Bild. Georg Lange

Schutzpantoffeln in der Hörihalle war die Horror-Vision der Narren als Dank für den neuen Belag in der Höri-Halle. Als Gastgeschenke für die Gaienhofer Verwaltung standen Bewegungsmelder zur Diskussion. Denn eine Frage brannte den Käfertalern förmlich auf den Lippen: Wie viele Bedienstete arbeiten eigentlich im Rathaus? "Knapp die Hälfte", skandierte Michaela Schmidt als Teufel vor dem Rathaus.

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In Anspielung auf die Kosten des Höriumzugs brachten die Käfertaler eine Pappmaschee-Kuh zum Melken mit. Doch mit einem hatten die Käfertaler definitiv unrecht: "Die Jugend nennt dich altes Eisen", so der Vorwurf der Narrenzunft an den Bürgermeister. Jener bewies bei der Verteidigung seines Rathauses das Gegenteil: Uwe Eisch war mehr "up to date" als sich die Käfertaler je erträumen konnten und überraschte sie als ultracooler Rapper mit gestyltem Basecap, weißen Turnschuhen, legerer Jogginghose samt Sonnenbrille mit einer jugendlich frischen Komposition von "Er ist weg...".

Video: Georg Lange

Vor der Übernahme des Rathauses verlangte Eisch von den Narren einen abhanden gekommenen Weihnachtsbaum vom Vorjahr zu einem Narrenbaum zu gestalten. Mit dem Lied "Bella Ciao" verabschiedete Eisch die Narrenpräsidentin Corinna Blondzig-Burgo (Hägelisaier) von ihrem Amt und zollte ihr mit einem Kniefall seinen Respekt für die Narreteien in ihrer Amtszeit. Uwe Eisch überreichte der Präsidentin einen Scheck als Geburtstagsgeschenk für das 60-jährige Bestehen der Hägelisaierzunft.