Über der Gemeinde Moos lag ein akustischer Teppich aus Marschmusik, Trommelschlägen und Fanfarenklängen. Der Fanfarenzug der Narrenvereinigung der Mooser Rettiche feierte mit einem Sternenmarsch quer durch die Höri-Ortschaft sein 50-jähriges Bestehen.

Vor jedem Fanfarenzug lief ein Mitglied des Gastgebers voraus um den 160 Musikern den Weg vor das Bürgerhaus zu einem Monsterkonzert der Fanfarenzüge zu weisen. „Es ist sehr selten, dass man so viele Fanfaren-Musiker auf einem Platz hat“, eröffnete der musikalische Leiter des Mooser Fanfarenzuges, Thomas Peckruhn, das große Konzert mit sieben Fanfaren- und einem Spielmannszügen, die sich vor dem Bürgerhaus nach ihren Stimmen aufgestellt hatten und mit Märschen, Rumba und Naturklänge aus Fanfaren rund 200 Besucher begeisterten. Das Dorf und die geladenen Fanfarenzügen feierten im Bürgerhaus bis spät in die Nacht hinein.

Rund 200 Besucher freuen sich über den Sternenmarsch und dem gemeinsame Konzert der Fanfarenzüge vor dem Mooser Bürgerhaus.
Rund 200 Besucher freuen sich über den Sternenmarsch und dem gemeinsame Konzert der Fanfarenzüge vor dem Mooser Bürgerhaus.

Seit Jahren schreibt Werner Metzger die Lieder für den Mooser Fanfarenzug. Eigens für das Jubiläum arrangierte das Gründungsmitglied eine Jubiläumsfanfare für einen Spielmannzug mit Flöten in C-Dur, sowie Es-Dur-Fanfaren, Schlagwerk und B-Instrumenten.

Jeder Musiker, der etwas von Musik verstehe, wüsste wie kompliziert das Arrangement aufgebaut sei, so Dirigent Peckruhn: Auf den Notenblättern würde ein ganzer Friedhof aus Kreuzen und Halbtönen erscheinen, scherzte der musikalische Leiter vor dem Finale, das mit einem großen Applaus quittiert wurde.

Natur- und Ventilfanfaren haben einen begrenzten Tonumfang von eineinhalb Oktaven, erklärt Werner Metzger, der die ausgewählten Musikstücke für den Fanfarenzug auf diese enge Tonlage arrangiert. Im Gegensatz zu Blasmusikern aus den Musikvereinen seien Fanfarenspieler meist keine ausgebildeten und notenkundigen Musiker, erläutert der Komponist.

Für die Musiker des Fanfarenzuges ohne Notenkenntnisse schreibt er die Griffe sowie die Notenbezeichnung unter die Arrangements. Jeder Musiker erhält von dem Didaktiker ein Tondokument zum Erlernen des Liedes – in der jeweiligen Stimme sowie mit einer Gesamtaufnahme aus einer Basslinie sowie den Melodiestimmen.

Bis spät in die Nacht hinein feiern die Gäste im Mooser Bürgerhaus das Jubiläum.
Bis spät in die Nacht hinein feiern die Gäste im Mooser Bürgerhaus das Jubiläum.

Mit einer Naturfanfare werden keine fließenden Töne gespielt sondern die Töne einzeln mit dem Mund angeschlagen. Damit erzeugen die Musiker den für Fanfarenzüge typischen Klang. Hinzu kommen Posaunen und Trompeten mit je eigenen Tonarten, die die Arrangements zwar im gesamten verkomplizieren, aber für den Gesamtklang eines Fanfarenzuges charakteristisch sind.

Fanfarenzüge kommen ursprünglich aus dem Militär

Die Fanfarenzüge kamen ursprünglich aus dem Militär, so Werner Metzger: „Vor jedem Heer war ein Schlagzeuger und ein Pfeifer“. Sie gaben das Signal sowie den Gleichschritt vor und jagten dem Gegner Angst ein. Früher habe man gerne die Fasnacht marschierend gemacht, erinnert sich Metzger.

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Sonja Wieland entstammt der Mooser Familie Wehrle, die sich maßgebend in die Gründung und der Ausgestaltung des Fanfarenzuges einbrachte. Bereits ihre Mutter nähte die ersten Uniformen für den vor 50 Jahren gegründeten Zug aus Leinenstoff. Sie schnitt auch die heutige Uniform zu, die gemeinsam von Sonja Wieland und Uli Flohr für 40 Musiker zu prächtigen Uniformen genäht wurden. Das für Fanfarenzüge typische Schnittmuster entstammt von den Uniformen der Landsknechte.

Fanfarenzug ist im Dorf wichtiger Teil der Fasnacht

Siegfried Graf und Willi Forster gehören zu den Gründungsmitgliedern. Forster war zuvor im Musikverein Gundholzen und nach seinem Umzug nach Moos Dirigent des Fanfarenzuges. Siegfried Graf erinnerte sich, wie der Narrenverein ohne Fanfarenmusik auf den Umzügen marschierte, dabei auf andere Kapellen angewiesen war und der Wunsch nach einer eigenen Musik laut wurde. Beide vermissen ein wenig die damals sehr häufig gespielten Naturfanfaren mit ihren richtigen Fanfarenmärschen.

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Das Programm

Zum 50-jährigen Bestehen des Mooser Fanfarenzuges der Narrenzunft der Rettiche organisierten die Musiker einen Sternenmarsch mit Fanfarenzügen aus Worblingen, Rielasingen-Arlen, Singen und Weiler sowie dem Fanfarenzug der Radolfzeller Narrizella Ratoldi und der Burg Hohen Friedigen. Sie gaben jeweils ein Konzert im Bürgerhaus Moos. Gegen Abend spielten die Narrenmusik des Musikvereins Bankholzen sowie die Guggenmusiker aus Allensbach (Guggofer), Singen (Burgteufel), Eigeltinger (Mühlenteufel) sowie aus Bohlingen (Heulücher). (gla)