Offener Brief mit deutlichen Worten

Dieses Thema ist noch lange nicht durch. Die DLRG wendet sich mit einem offenen Brief an die drei Bürgermeister der Höri-Gemeinden und fordert deutlich Unterstützung für das Vorhaben, ein Schwimmbecken auf der Höri zu bauen. Der SÜDKURIER stellte die Frage bereits Anfang August an Peter Kessler, Andreas Schmid und Uwe Eisch, ob denn ein Trainingsbecken für die DLRG möglich sei. Die Antworten waren klare Absagen. Schwer finanzierbar und teuer im Unterhalt sprechen laut der Bürgermeister deutlich gegen ein Becker. "Bevor wir ein Schwimmbecken auf der Höri bauen mit nicht unerheblichen Betriebskosten, bezahlen wir lieber Fahrtkosten", wird Andreas Schmid aus Öhningen zitiert.

DLRG hat vielen das Schwimmen beigebracht

Die drei DLRG Ortsgruppen wenden sich nun in einem offenen Brief an die Bürgermeister und fordern eine sachliche Diskussion des Themas Schulschwimmen, DLRG-Ausbildung von Schwimmern und Rettungsschwimmern. Um ihren Standpunkt zu erläutern, holt das Schreiben, dass von Uwe Nehlson, Vorsitzender DLRG Moos, Heidrun Löhle, Vorsitzende aus Wangen und Armin Soltys aus Öhningen unterzeichnet ist, weit in der Geschichte aus. Die älteste Ortsgruppe der DLRG auf der Höri sei die Öhninger Ortsgruppe. 1957 von Radolfzell aus gegründet.

Johann Breyer vom DLRG Moos schneidet Schwimmabzeichen aus, wie er sie in diesem Jahr bereits dutzenden Kindern und Jugendlichen verleihen durfte. Schwimmkurse gehören zu den Aufgabe der DLRG. Bild: Isabelle Arndt
Johann Breyer vom DLRG Moos schneidet Schwimmabzeichen aus, wie er sie in diesem Jahr bereits dutzenden Kindern und Jugendlichen verleihen durfte. Schwimmkurse gehören zu den Aufgabe der DLRG. | Bild: Arndt, Isabelle

Hotelbäder haben alle geschlossen

Mit den Hotelbädern in Hemmenhofen und Moos hätte die DLRG vielen Höri-Bewohnern das Schwimmen beigebracht und somit zur Sicherheit in den Strandbädern beigetragen. So schreiben die DLRG Vorsitzende: "Die starke Ausbildungsinitiative der DLRG hat dabei innerhalb weniger Jahre nachweislich die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung erhöht, dies belegen die Ergebnisse eines in den Siebzigerjahren durchgeführten Schulschwimmwettbewerbes." Zwischenzeitlich stünden beide Bäder nicht mehr für den Ausbildungsbetrieb zur Verfügung.

Keine Trainingsmöglichkeiten

Die DLRG kritisiert, dass die Gemeinden sich in den letzten Jahrzehnten aus der Schwimmausbildung finanziell komplett herausgehalten haben, aber andere Sportvereine durchaus unterstützt wurden. Seit 1970 seien die Sportanlagen insgesamt auf der Höri den gestiegenen Ansprüchen angepasst worden. Nur eben nicht für die Schwimmausbildung. Es gäbe deshalb für die Gruppen, bis auf Moos, keine feste zuverlässige Trainingsmöglichkeit mehr. "Hier ist daher gegenüber Sportvereinen eine deutliche Verschlechterung eingetreten. Daran ändert auch nichts, wenn die Gemeinden Fahrtkostenzuschüsse anbieten", schreiben die DLRG-Vorsitzende weiter.

Es fehlt überall an Hallenbädern

Es fehle auch in der Region an Bädern, die freie Kapazitäten für die DLRG hätten. Wenn irgendwo etwas frei wäre, dann nicht zu Uhrzeiten, die für die meist jugendlichen Schwimmer annehmbar wäre. Auch fehle es an Konstanz und festen Vereinbarungen. Die DLRG stellt die Frage: "Warum stehen beim Schwimmen immer die Kosten im Vordergrund, wo bleibt die Kostenrechnung für andere Sportarten und Einrichtungen"?

Auf der Höri muss man schwimmen können

Gerade auf der Höri, die von Wasser umschlossen ist, sei eine solide Schwimmausbildung Grundvoraussetzung, so die DLRG-Vorstände. Sie schreiben: Auf der Höri gebe es fünf Strandbäder, mehrere hundert Bootliegeplätze und unzählige sonstige Wassersportler. Auch wenn für deren Sicherheit die Gemeinden nicht alleine zuständig seien, so gebe es doch eine Verpflichtung die Voraussetzungen für die Wassersicherheit zu schaffen. Gute Schwimmfähigkeit sei der beste Schutz vor dem Ertrinken. Jedoch sei eine Badeaufsicht dadurch auch nicht zu ersetzen.

Problem soll anerkannt werden

"Rettungsschwimmer fallen jedoch nicht vom Himmel, sollten jedoch möglichst kostenlos zu jeder Zeit bereitstehen", formulieren die DLRG-Vorstände die Erwartungshaltung. Sie fordern nicht nur eine Anerkennung des Problems, sondern auch die Bereitschaft gemeinsam an einer Lösung zu suchen. Die DLRG-Vorstände appellieren auch, das Land in die Pflicht zu nehmen. Hier sollten die Bürgermeister für ihre Gemeinden als Schulträger Mittel einfordern, eine Schwimmausbildung für Schulkinder zu ermöglichen.

Belastbare Zahlen notwendig

Die DLRG sei sich im Klaren darüber, dass Hallenschwimmbäder höhere Kosten als Sporthallen verursachen. Aus diesem Grund sei klar, dass nicht jede Gemeinde ein Bad unterhalten könne. Dennoch plädieren die Vorstände für ein Schwimmbecken für den Schul- und Vereinssport sowie für gesundheitlichen Aspekte und nicht für ein Hallenbad mit touristischem Zweck. Sie fordern eine konkrete Kosten- und Größenberechnung für solch ein Becken sowie eine Studie zur möglichen Nutzung und Auslastung. Mit belastbaren Zahlen könne man besser in solch ein Projekt gehen und sehen, was überhaupt gebraucht werde und was machbar sei.

Becken-Problem beschäftigt auch die Politik

Laut DLRG erstelle sie Deutsche Gesellschaft für das Badewesen solche Konzepte. Die Beauftragung der Experten zur Erstellung eines Konzeptes wäre ein sachlicher Anfang. Entstehende Kosten seien sicherlich im Haushalt von drei Gemeinden unterzubringen, so die DLRG. Die Gemeinden wären gerüstet, wenn es zu einer von der DLRG angestrebten Vereinbarung zwischen Bund und Ländern kommen sollte und ein Hilfsfonds bereitgestellt werde. Das Thema Schwimmfähigkeit, Schwimmbadsterben werde nicht nur auf kommunaler Ebene diskutiert. Die Parlamente in Bund und Ländern würden dieses Thema zwischenzeitlich sehr ernst nehmen, schreibt die DLRG.

Schulen wollen Schwimmen im Sportunterricht anbieten

Auch hätten die Verantwortlichen bereits Gesprächen mit den Schulleitern der Höri geführt und auch ihnen sei dieses Thema sehr wichtig. "Sie wollen und könnten Schwimmen als Bestandteil des Bildungsplanes erfüllen, wenn ein Bad vorhanden wäre", schreiben die DLRG-Vorstände. Nur die Grundschule Moos könne aktuell Schwimmen anbieten.