Gemüse und Obst von der Höri wird von Menschen in der Region gerne gekauft. Doch die Naturprodukte wollen auch gepflanzt, herangezogen, gepflegt und geerntet werden. Die Coronakrise lässt die Landwirte der Höri vor den ernteintensiven Monaten mit Sorge auf ein Personalproblem schauen. Denn auch hier bauen die Betriebe auf Erntehelfer, die in der Regel aus anderen Ländern stammen.

Mit dem Einreisestopp für ausländische Bürger wird so mancher der Helfer nicht nach Deutschland einreisen können. „Mir haben schon einige abgesagt“, erklärt Udo Löhle vom Blanhof in Wangen. Sein Betrieb hat sich auf den Obstbau spezialisiert. Auf rund 25 Hektar Fläche werden Obst, Beerenobst, Zwetschgen, Spargel, Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen und Mirabellen angebaut. Über die Saison helfen auf dem Blanhof 25 bis 30 Personen bei der Arbeit. Die meisten Erntehelfer stammen aus Polen und kommen zum Teil seit vielen Jahren regelmäßig auf die Höri.

Für Udo Löhle drängt die Zeit. In wenigen Wochen beginnt die Ernte von Spargel und anschließend folgen die Erdbeeren. Bei den Spargelflächen sind mit dem aktuell verfügbaren Personal „etwa ein Drittel machbar“, sagt Udo Löhle. Auch die Erdbeeren wollen zügig geerntet werden. „Wenn die acht Tage vernachlässigt werden, kann ich es gleich lassen“, erklärt er. Dann nämlich seien zu viele überreife Früchte an den Pflanzen.

Schweizer Kunden und Gastonomie fehlen

Auch sonst leidet der Betrieb unter der aktuellen Situation: „Die Kunden aus der Schweiz und der Gastronomie fehlen derzeit“, sagt Löhle. Landwirte wie er sind Kummer gewohnt. „Es ist ja fast normal, dass irgendetwas ist – mal haben wir ein Frostjahr, dann wieder Trockenheit“, führt Löhle aus. Wirklich schlechte Jahre wirken zudem lange nach: „Ich brauche zwei bis drei gute Jahre, um das finanziell wieder zurückzuholen.“

Die positive Grundhaltung will Udo Löhle sich dennoch nicht nehmen lassen. Zudem hat er Hoffnung, dass durch die aktuell geänderte Verordnung nun andere Personen als Erntehelfer einspringen könnten. Sie ermöglicht es, dass Helfer das verdiente Geld tatsächlich erhalten und der Betrag nicht auf Hilfeleistungen wie Kurzarbeitergeld angerechnet werden. Menschen dafür müsste es aktuell durchaus geben. Zum Beispiel liegt die Gastronomie derzeit brach. „Die könnten eventuell helfen“, hofft Löhle.

Ein Spargelfeld in Iznang, auf dem demnächst die Ernte beginnen soll. Doch ohne Helfer sieht es schlecht aus.
Ein Spargelfeld in Iznang, auf dem demnächst die Ernte beginnen soll. Doch ohne Helfer sieht es schlecht aus. | Bild: Jarausch, Gerald

Ähnlich schätzt auch Petra König-Hogg aus Bankholzen die Personalsituation ein. Für ihren landwirtschaftlichen Betrieb, in dem Obst, Beerenfrüchte, Spargel und Kartoffeln angebaut werden, haben sich schon Menschen aus dem Umfeld gemeldet, die bereit wären auszuhelfen. „Ich bin positiv überrascht, dass die Leute von sich aus fragen“, sagt sie.

Ihre Stamm-Erntehelfer aus Rumänien werden wohl zumindest zum Teil nicht einreisen können. „Manche haben Angst, andere können nicht“, führt sie aus. Allerdings weiß sie um die Schwierigkeiten, die mit ungelernten Helfern auftreten können. „Das ist schon eine relative schwere Arbeit. Wenn du ein Schaffer bist, suchst du dir etwas. Die, die sich bisher nicht bewegt haben, auf die muss man nicht hoffen“ sagt Petra König-Hogg.

Schlechte Erinnerung an Zwangsverpflichtung

Diesen Eindruck hat auch Leonard Glaser aus Iznang. Er kann sich noch an die vom Arbeitsamt zwangsverpflichteten Erntehelfer vor rund zehn Jahren erinnern. „Das hat auch damals nicht geklappt“, lässt er wissen. Momentan geht er davon aus, dass sein Stammpersonal aus Polen wieder vor Ort sein wird. Weil sie einen Arbeitsvertrag besitzen, sollte die Einreise kein Problem darstellen, glaubt er. Das Innenministerium denkt aber bereits darüber nach, die Einreise generell zu untersagen.

Leonard Glaser hat durchaus Verständnis für diejenigen, die nicht kommen möchten. „Man verlässt seine Familie nicht ohne Not. Ich kann nicht von meinen Mitarbeitern verlangen, dass sie zu uns kommen, wenn sie Sorge haben zu erkranken“, sagt er. „Bis jetzt sehe ich aber keine Probleme. Deshalb bin ich noch guter Dinge“, gibt sich auch Glaser optimistisch.