Moos-Bankholzen – Ein Wunschkonzert läuft gemeinhin so ab: Zuhörer äußern einen Wunsch, die Musiker erfüllen ihn. Das Wunschkonzert, das der Musikverein Bankholzen auf der Iznanger Uferpromenade bot, war anders: Hier hatten sich die Orchestermusiker selbst die Stücke gewünscht. Und weil Lieblingsstücke immer auch etwas über denjenigen erzählen, der sie zum Lieblingsstück erklärt, lernten die Konzertbesucher somit den Musikverein auf besondere Weise kennen. Neben heimischem Publikum lockte das Konzert auch viele Touristen an. Den Musikern bot sich eine großartige Kulisse auf Hunderte von Zuschauern und den Untersee im Abendlicht.

Außergewöhnlich war an diesem Abend nicht nur die Auswahl der Stücke, sondern es waren auch die originellen Ansagen. "Unser Dirigent wollte dieses Jahr mal alles ganz anders machen und ließ uns Musiker alle Stücke selbst auswählen", berichtete der 1. Vorstand Alexa Berger in ihren Begrüßungsworten. Dirigent Sebastian Rieger nahm diese Auswahl gerne an und präsentierte dem begeisterten Publikum ein modernes und abwechslungsreiches Repertoire.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Stück "Grease" nach einem Arrangement für Blasorchester von Frank Bernaerts. Das Publikum bekam einen ersten Vorgeschmack auf die originellen, von Musikern des Orchesters vorgetragenen Ansagen. Jeweils in zum Stück passender Verkleidung gaben zwei Musiker Einblicke in die Entwicklung und Handlung der Stücke. So ist die Handlung des Musicals Grease in den 1950er Jahren angesiedelt, und das Orchester entführte das Publikum bei dem Eröffnungsstück in eine amerikanische Kleinstadt.

In dem Stück geht es um die Höhen und Tiefen einer Liebesromanze im Highschool-Milieu. Durch bekannte Passagen wie dem Pop-Klassiker "You´re the one that I want" zog das Orchester sein Publikum in den Bann.

In der "Laubener Schnellpolka" von Kurt Gäble folgte das Orchester dem Tempo seines Schlagzeugers. Da dieser meistens ein sehr schnelles Tempo vorgebe, habe sich das Orchester direkt für eine schnelle Polka entschieden, berichteten die beiden Ansager. Fans der Rockmusik kamen bei dem Medley "Joe Cocker live" nach einem Arrangement von Norbert Studnitzky auf ihre Kosten. Auch hier luden bekannte Passagen wie sein Welthit "Up where we belong" zum Mitsingen ein.

Dann nahm das Orchester seine Gäste mit dem Medley "Vive La France", wiederum arrangiert von Frank Bernaerts, auf eine musikalische Reise nach Frankreich mit. Ausgestattet mit Rotwein und Baguette, gaben die beiden Ansager einen Einblick in französische Kultur und Lebensart. Fulminant eröffnet wurde die Reise durch Frankreich mit der Nationalhymne "Marseillaise", gefolgt von den weltbekannten Chansons "Je ne regrette rien" oder "La vie en rose" von Edith Piaf. Nicht nur Liebhaber Frankreichs wurden von dieser wunderschönen Interpretation mitgerissen.

Einen Höhepunkt war "Music" von John Miles, ein weiterer Klassiker der modernen Popmusik. Dieses Stück sei ausgewählt worden, um die Liebe des Orchesters zur Musik darzustellen, erläuterten die Ansagerinnen in Anspielung auf eine berühmte Textzeile des Stücks: "Music was my first love, and it will be my last". Die musikalische Reise führte das Publikum weiter von einem Arrangement der "Blues Brothers in Concert" von Anthony Kosko über die "Copacabana" bis hin zu einem Medley der größten Hits des deutsch-amerikanischen Sängers Bill Ramsey. Seine berühmten deutschen Schlager wie "Pigalle" oder "Zuckerpuppe aus der Bauchtanz-Gruppe" luden nicht nur das Publikum zum Mitsingen ein, sondern inspirierten auch den 1. Trompeter zu seiner Verkleidung als "männliche Zuckerpuppe".

Traumhafte Kulisse

"Dirigieren macht am meisten Spaß, wenn die Musiker Freude an der Musik haben", lautete das Fazit von Dirigent Sebastian Rieger zum Ende des großartigen Konzerts. Er selbst hätte vielleicht das eine oder andere Stück nicht gewählt, aber spätestens mit der von ihm ausgesuchten Zugabe konnte er auch seiner Liebe zur Marschmusik gerecht werden. Die mitreißend präsentierten modernen Stücke, eine traumhafte Kulisse am Ufer des Untersees sowie die vom Orchester einfühlsam dargestellte Liebe zur Musik erwiesen sich als perfekte Zutaten für einen gelungenen musikalischen Sommerabend.

Der Musikverein

Mit seinen aktuell 51 Musikern im Hauptorchester begleitet der Musikverein Bankholzen seit 1965 mit konzertanter und moderner Blasmusik das Dorfleben. Kameradschaft und Spaß an der Musik prägen den Verein und seine Musiker, und das spiegelt sich in vielfältigen Auftritten wider. Neben der musikalischen Umrahmung der Veranstaltungen und Feiertage ihrer Heimatgemeinde pflegt das Orchester auch enge Verbundenheit mit anderen Vereinen und Musikkapellen in der Region. (per)