„Mir gebet hüt alles, bis es nümmer goht“, versprach Sandra Hugenschmidt vor 350 Narren – und hielt ihr Wort: Im alemannischen Reim und in acht weiteren Sprachen begrüßte die Präsidentin der Rettiche das närrische Volk zum bunten Abend im Bürgerhaus von Moos. Ein viereinhalb Stunden andauerndes kurzweiliges Programm mit Sketchen, Büttenreden und heißen Rhythmen in neonschrillen Kostümen heizte dem närrischen Publikum ein.

Eine kritische Haltung nahmen die Gemeindeboten auf die Bürgermeisterwahl und die Politik in Moos ein und lieferten ein Versprechen ab: „Wir Mooser sind helle, was uns nicht passt, das kommt frei raus." Der neue Bürgermeister der Gemeinde, Patrick Krauss, fand gegen Ende des vergnügten Abends sein Herzblatt auf der Show-Bühne der Rettiche.

Kleinsten zeigen ihr Können

Als hätten es die Narren vergessen, wie es geht: „Ihr müsst Kinder machen, ihr Mooser“, appellierte das charmante Moderatorenpaar Heidi Bruttel und Silvia Massler gleich mehrfach zu Beginn des Bunten Abends. Denn den Rettichen mangelt es an Narrensamen. Die fünf Jüngsten der Zunft zeigten ihr Können in lustigen Sketchen und einer köstlichen Büttenrede. Jungstar Tizian Eschenbach ist sich sicher: Auch wenn seine Oma meint, dass er mit seinen zwölf Jahren noch zu jung sei: Nach dem ganzen Spektakulum um den Posten im Rathaus hätte auch er Bürgermeister werden können.

Beim Vergleich der Kandidaten jagte eine närrische Pointe die andere. Wer es bisher dato in tratschender Weise noch nicht erfahren hatte, der wurde von den Chronisten Claudia Wolf und Heidi Bruttel auf dem Kirchstroßebänkle über die Wirrungen und Missgeschicke der Gemeinde informiert und auf den neuesten Klatschstand gebracht.

Mooser ziehen Gewinn aus dem Klimawandel

40 Grad im Schatten, ein Wetter wie in Bella Italia, die Mafia im Biergarten und ein Ristorante-Personal, das nichts an überkommenen Klischees zu wünschen übrig lässt. Der Auftritt des Elferrates auf der Bühne wird von Beginn an mit Lachern überhäuft und skizziert eine ausgefuchste Gemeinde, die sich erfolgreich an Klimawandel und brütende Hitze angepasst hat: Geschäftige Mooser ziehen Boote aus dem ausgetrockneten Hafen, stellen sie in die Gärten und vermieten sie als Ferienwohnung an schwäbische Touristen.

Die Höri-Bülle ist im neuen Klima vertrocknet. Statt Gemüse wird nun Wein angebaut, der auf einem Abendmarkt verköstigt wird und das traditionelle Bülle-Fest ersetzt hat. Bootsvermieter bieten am schlickigen Ufer Wattwanderungen und Exkursionen für Vogelkundler an. Nach der Vision des Elferrates der Rettiche gewinnt Moos beim fortschreitenden Klimawandel nur an Attraktivität hinzu.

Bürgermeister als suchender Single

In der Rolle von Rudi Carell begrüßte Lara Krüger zu einem Höri-Spezial der Partnerbörse „Herzblatt für Schwervermittelbare“. Dabei brach Patrick Krauss als neuer Bürgermeister nicht nur die Herzen der Kandidatinnen, sondern mit seinem Debüt auf der Showbühne auch die der Narren. Zur Wahl perfekter Herzblätter standen die Inbegriffe Mooser Schönheit und Eleganz: eine trinkfeste Bettnanger Milchbäuerin, eine intellektuelle Weiler Bibliothekarin sowie eine Sächsin mit dem Geschäftmodell einer Condomeria.

Susi (Martina Baldauf) fasste die Wahl für den für die Show frisch versingleten Bürgermeister mit lasziver Stimme zusammen: „Lieber Patrick, nun musst Du Dich entscheiden: Willst Du Kandidatin eins, die dir Bülledünnele zubereitet, lieber mit dir einen saufen geht statt dich davon abzuhalten und mit der neuen Melkmaschine ihre Dellen bearbeitet? Oder Kandidatin zwei, die dir Bratlinge kocht, dich nach dem Leseabend mündlich davon überzeugt zu Hause zu bleiben und dir ein Halleluja singt, weil sie sich über deinen Ständer freut? Oder Kandidatin Nummer drei, die beim Kochen zu scharfen Mitteln greift, nur kommt, wenn Du gehst und das Zentimetermaß aus der Kiste holt?" "Völkeraustausch", rechtfertigte Krauss seine Wahl und entschied sich für das Geschäftsmodell Condomeria.

Eschbach gehört zu den Stars der Rettiche

Niki Eschbach hatte den Rasenmäher-Blues und gab ihn passend mit Gitarre zum Ausdruck. Eschbach will die Erste beim Mähen sein, im Sattel des Mähers spürt sie den Domina-Effekt über grüne Wiesen und rezitiert die Philosophie der perfekten Rasenkante oder gab Tipps zum Vertikurtieren. Eschbach gehört zu den Stars der Rettiche und ist von der Fasnet in Moos nicht wegzudenken. Im Sketch des Elferrates zieht sie in der Rolle der schnorrig-schrulligen Bedienung die Lacher auf sich, liefert närrische Texte für den Auftritt ihres Sohnes und singt bei den Höri-Perlen in vorderster Reihe mit. Gibt es keinen Narrenbaum, gibt es keine Fasnet. Die Holzer der Rettiche fanden eine Alternative und gruben ein neues Narrenbaumloch vor dem Rathaus. Zur närrischen Freude der Besucher wurde kein handwerkliches Missgeschick an der Großbaustelle ausgelassen – samt Kurzschluss und Lahmlegung der neuen Energieversorgung.