Es gab eine Zeit, als auf der Höri bis zu sieben Mal im Jahr Rettiche geerntet werden konnten. Aber erst ab 1953 gibt es dort eine Narrenzunft, die den Namen des Gemüses trägt. Auch Myriam Brukner schlüpft zur Narrenzeit in das Häs mit dem charakteristischen roten Rübenkopf. Dabei darf das Zepter nicht fehlen, das ebenfalls einem Rettich nachempfunden ist und mit Glöckchen ergänzt wird. Wozu die genau da sind, weiß aber niemand so genau. "Beim Zepter geht es vielleicht einfach nur darum, Krach zu machen. Schließlich soll ja der Winter vertrieben werden", sagt Brukner.

Ebenfalls nicht fehlen darf an den Umzügen die Umhängetasche, und das aus mitunter ganz praktischen Gründen. Gewöhnlich tragen die Rettiche darin nämlich die Süßigkeiten für die Kinder mit sich. "In letzter Zeit braucht man aber auch immer öfter einen Regenponcho für den Notfall", erklärt Brukner. "Und für den Fall, dass man die Maske einmal nicht trägt, haben wir die rot-grüne Mütze immer mit dabei."

Das kommt allerdings nicht oft vor, denn die geschnitzten Holzmasken sind das Auffälligste am Häs der Rettiche. "Manche Masken lächeln, manche gucken wiederum eher traurig. Das hängt meistens von der Maserung des Holzes ab", sagt sie. Nur bei den Kindern achte man schon darauf, dass die Rüben ein freundliches Gesicht zeigen. Ansonsten ist fast überall der Dreiklang aus Rettich, Zwiebeln und Salat am Häs zu finden, die auf den Narrenspruch der Rettiche verweisen: "Rettich, Bülle und Salot, gnueg, gnueg, gnueg. Narri – Narro!" Und anstelle von Holzklepperle sorgen die überall angebrachten Glöckchen für die passende Klangkulisse.

Bei nicht wenigen Moosern ist die Zugehörigkeit zu den Rettichen schon beinahe Familientradition. Auch ihre Eltern seien lange aktiv gewesen, wie Brukner sagt. Sie selbst ist erst seit sechs Jahren dabei, kann sich aber auch abseits der Narrenzeit für das Gemüse begeistern: "Ich mag Rettich sehr gerne, vor allem als Salat. Bei meinen Kindern ist das anders, aber die kommen vielleicht später noch auf den Geschmack."