Das Schauspiel lockt jedes Jahr mehrere hundert Menschen in der Früh an das Radolfzeller Ufer des Sees. Die Mooser Wasserprozession ist der letzte Höhepunkt des Radolfzeller Hausherren-Festwochenendes. Gegen 7.15 Uhr machen sich die Pilger aus Moos in ihrem Hafen auf den Weg, um die Wegstrecke nach Radolfzell rudernd zu bewerkstelligen. Nach gut 45 Minuten ist es dann soweit. Mit drei krachenden Kanonenschüssen werden sie an der Hafeneinfahrt begrüßt, bevor sie die letzten Meter bis zum Ufer hinter sich bringen. Beim Anlegen der Boote werden die Gäste aus dem Nachbarort von den gläubigen Radolfzellern singend begrüßt. Das Rudern der Mooser Pilger über den See hat eine lange Tradition (siehe Info-Kasten).

Auch in diesem Jahr werden wieder rund 20 mit Eichenlaub und Blumen geschmückte Boote die rund zweieinhalb Kilometer lange Strecke vom Mooser Hafen nach Radolfzell überqueren. Doch die Tradition ist kein Selbstläufer, wie die beiden Gemeinderäte Tim Hänsler und Stefan Heck betonen. "Ich weiß, dass das nicht mehr lange funktioniert", bringt Stefan Heck das Problem auf den Punkt. Denn bereits seit Jahren wird es immer schwieriger, genügend Ruderer in der Gemeinde Moos zu aktivieren, die die Zeit haben und in der Lage sind, an einem Montagmorgen einer solchen Tätigkeit nachzugehen. "Seit 1797 hat sich die Zeit verändert. Es ist immer schwieriger, die Leute an einem Montag dafür zu gewinnen", erklärt Tim Hänsler.

Kraftprobe für die Ruderer

Zudem haben längst nicht alle, die dazu bereit wären, ein Ruderboot im Besitz. Viele der Boote, die am 16. Juli über den See gerudert werden, stammen aus dem Radolfzeller Bootsverleih. Und auch das Körperliche ist nicht zu verachten, weiß Hänsler aus eigener Erfahrung. Er rudert seit Jahren selbst in den Booten über den See. "Von Moos nach Radolfzell zu rudern ist nicht zu unterschätzen", sagt er. Das gilt vor allem, wenn das Wetter mal nicht so malerisch ist, wie es das in den letzten Jahren glücklicherweise immer war. Schon ein wenig Wind und Regen mit Wellengang kann die Fahrt zu einer echten Kraftprobe für die Ruderer werden lassen.

Der Wechsel eines Ruderes auf dem Boot ist ebenfalls nicht anzuraten, denn "das wird schnell zu einer wackeligen Angelegenheit", erklärt Tim Hänsler. Mittlerweile sind die aktiven Ruderer der Prozession im Durchschnitt rund 55 Jahre alt. Aus diesem Grund möchten die beiden Gemeinderäte möglichst frühzeitig dafür sorgen, dass die Tradition der Mooser Wasserprozession nicht in Gefahr gerät. "Ich will nicht die Generation sein, in der die Sache gescheitert ist", sagt Stefan Heck. Dabei möchten sie Einwohner von Moos finden, "die sich mit dem Ort und der Sache identifizieren".

Schließlich wird die Tradition der Ruderer nicht zwangsläufig an die Söhne in der Familie weitergegeben. Tim Hänsler und Stefan Heck sehen darin auch einen Identität stiftenden Charakter: "Das ist auch für den Gemeinsinn im Ort wichtig", sind sie sich sicher. Im Moment wären sie schon zufrieden, wenn sich in der nächsten Zeit jüngere Bewohner aus Moos dazu bereit erklären würden, in den nächsten Jahren als Ruderer nachzurücken. "Wir müssen ein Bewusstsein schaffen, dass das kein Selbstläufer ist", sagt Stefan Heck.