Man nehme rund 22 Kilogramm frisches Gemüse, 19 Kilogramm Fleisch und Knochen sowie den Klub der kochenden Männer aus Weiler. Hinzu kommen eine Prise sozialen Engagements und Bürger, die für eine herzhaft köstliche Suppe etwas mehr zu zahlen bereit sind, wenn es sich um einen guten Zweck handelt. Jeder Gast im katholischen Pfarrzentrum in Weiler konnte sich beim Suppensonntag so viel Nachschlag holen, wie der hungrige Magen nach dem Gottesdienst verkraftete. In geselliger Runde ließen rund 100 Bürger den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen. Der überraschend hohe Erlös des Weiler Suppensonntags von nahezu 1100 Euro ging als Spende an den Tafelladen Radolfzell.

Männerklub der besonderen Art

In der Küche des Pfarrzentrums herrscht geschäftiges Schweigen. Am Vortag hatten die Köche die Zutaten für die Suppe vorbereitet und die herzhafte Brühe vorgekocht. Sämtliche Zutaten wurden von heimischen Betrieben gespendet. Der Klub kochender Männer feiert im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Jeweils drei Köche überraschen zwei Mal monatlich die elf Mitglieder mit einem Menü in der Schulküche der Grundschule Weiler, erzählt der Vorsitzende des Klubs, Herbert Wiedemann. Als Dank für die Bereitstellung der Küche bietet der Klub der Gemeinde seine Dienste für größere Veranstaltungen an.

Auch andere Gemeindemitglieder helfen mit

Seit etwa 15 Jahren gibt es zur Fastenzeit den Suppensonntag, schätzt die katholische Pfarrsekretärin der vorderen Höri, Ulrike Prutscher. Neben dem Klub der kochenden Männer wollen sich auch Ehrenamtliche für Menschen in Not engagieren, so Prutscher. Zehn Frauen aus dem neu gegründeten Gemeindeteam unterstützten die Pfarrgemeinderäte bei ihrer karikativen Veranstaltung und bedienten die Gäste mit Suppen, Kaffee und Kuchen und Getränken oder halfen beim Spülen in der Küche. Ein Senior beaufsichtigte im Keller des Zentrums die Kinder der Gäste. Die Reinerlöse der Suppensonntage gingen bisher an die Aktion Lebenshilfe für Afrika, an das Kinderhospiz in Konstanz, an die Freiburger Krebsklinik, an das Hilfswerk Misereor und nun zum zweiten Mal an den Radolfzeller Tafelladen.

Der Tafelladen und wie er funktioniert

Hildegard Gallenschütz leitet den Tafelladen und war Gast beim Suppensonntag in Weiler. Er ist einer von insgesamt fünf Tafelläden im Landkreis Konstanz, bei denen finanziell schwach aufgestellte Bürger mit einem Berechtigungsschein sehr günstig Lebensmittel einkaufen können. Lebensmittelspenden sind die Vorraussetzung für das Angebot im Laden. Mit Geldspenden werden die Betriebskosten und der Unterhalt für den Fuhrpark der Tafelläden gedeckt. Der Erlös aus dem Suppensonntag soll in den Umbau einer größeren Lagerhalle in Worblingen gehen, berichtet Gallenschütz. Das Lager versorgt die Läden in Radolfzell, Singen, Engen, Stockach und Konstanz mit Lebensmitteln. Die Läden haben keine größeren Lagerbestände, sondern werden an den Verkaufstagen mit Waren beliefert. Der Fuhrpark umfasst derweil fünf Kühllaster, die die Waren bei den Spendern abholen und an die fünf regionalen Standorte verteilen. Zehn ehrenamtliche Mitarbeiter des Tafelladens versorgen derweil 279 registrierte Bedürftige allein in Radolfzell. An den beiden Verkaufstagen kommen zwischen 60 und 70 Notleidende in den Laden.

 

Zur Tafel

Der Singener Tafelladen ging 1997 auf eine Arbeitsloseninitiative des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt hervor. Arbeitslose suchten eine Aufgabe und wollten etwas bewirken. Sie boten ab März 1999 einen Mittagstisch an. Im November 1999 wurde der erste Tafelladen gegründet. Vier weitere folgten in den Städten Konstanz, Engen, Radolfzell und Stockach. Monatlich werden im Landkreis rund 85 Tonnen an Lebensmittel in die Gemeinden verteilt. In der Regio-Tafel haben sich zwischen Singen und Lindau 30 Tafeln für den Warenaustausch zusammen gefunden. Ein zentraler Waren-Umschlagplatz ist das neue Lagerzentrum in Worblingen.