Nach 25 Minuten hat Jens Gerber viel über sich und seine Ziele gesagt. Es ist sein erster Wahlkampfauftritt und rund 50 Menschen sind in den Sternen nach Bankholzen gekommen, um den 30-jährigen Kandidaten vor der Mooser Bürgermeisterwahl am Sonntag, 18. November, zu erleben. Gerber wollte ihnen erklären, warum er sich als gebürtiger Karlsruher ausgerechnet hier bewerbe: Wenn er seine seine Schwiegereltern in Weiler besuchte, habe er sich immer sehr wohl gefühlt. Moos stehe außerdem glänzend da und das wolle er fortführen. Allerdings nicht ohne Wandel: Egal, wen die Mooser wählen werden, es werdenaturgemäß sicher einige Veränderungen geben. Auch wenn er über Themen wie Windkraft, Wohnen und Verkehr sprach, galten die Fragen seiner potenziellen Wähler eher seiner Person. Und bei den Antworten scheute Gerber nicht davor zurück, auch Schwächen zu benennen.

Ziele sind nicht in Stein gemeißelt

Seine Vision sei noch relativ unkonkret, räumte Gerber ein. Er habe Ziele, doch die seien nicht in Stein gemeißelt. Das sei auch den Umständen geschuldet: Er wolle keine Versprechen geben, die er nicht halten könne. Im nächsten Jahr seien Kommunalwahlen, mit den dann gewählten Gemeinderäten wolle er bei einer Klausurtagung gemeinsame Ziele feststecken. Eckpunkte benannte er in Bankholzen: Er wolle das Gewerbegebiet vergrößern, die Nahversorgung etwa mit einer Drogerie verbessern und könne sich eine Biogasanlage vorstellen. Nicht mit Mais, wie er auf Nachfrage versicherte, sondern zum Beispiel mit Bioabfällen aus Betrieben und Gastronomie. Andere regenerative Energien sieht Gerber kritischer: "Ich finde die einfach nicht schön", sagte er über Windräder, allerdings lasse er sich von Sachargumenten durchaus überzeugen.

Jens Gerber machte sich eifrig Notizen und hielt unter anderem eine Adresse fest, wo er bald vielleicht mitkehren und Straßenlärm erleben kann.
Jens Gerber machte sich eifrig Notizen und hielt unter anderem eine Adresse fest, wo er bald vielleicht mitkehren und Straßenlärm erleben kann. | Bild: Arndt, Isabelle

Er will bald mit die Straße fegen

Gerber war sich bewusst, dass er nur begrenzt wirken kann: Windräder seien ebenso Ländersache wie die Polizeikontrolle von Rasern auf den Straßen. Doch als Bürgermeister könne man sich dafür einsetzen. Und als Bürgermeisterkandidat kann er bald auch vor Ort erleben, wie häufig und laut besonders Motorräder durch den Ort preschen: "Für mich steht außer Frage, dass man da was machen muss", sagte Markus Leibe und lud Gerber ein, mal mit ihm die Straße zu kehren. Gerber notierte sich die Adresse und kann sich nach eigener Aussage vorstellen, mal vorbeizuschauen. Zuvor hatte bereits Leibes Nebenmann Cord Manegold nach Ideen für den Verkehr gefragt. "Ich bin ein Gegner von Tempolimits", sagte Gerber – Gefahrenabwehr ja, doch er wolle nicht zu viele Hindernisse bauen. Schließlich würden 800 Menschen täglich aus Moos zur Arbeit pendeln.

Respekt vor der möglichen neuen Aufgabe

"Das wird am Anfang nicht einfach, das sage ich offen", sagte Gerber auf die Frage von Anne Overlack, Gemeinderätin der Rot-Grünen-Liste (RGL). Sie wollte wissen, ob er keine Angst vor fehlender Verwaltungserfahrung habe. "Respekt davor habe ich auf jeden Fall", sagte Gerber. Von Tiefbau habe er beispielsweise noch gar keine Ahnung. Doch er glaube, dass er sich einarbeiten und mangelnde Erfahrung mit Engagement und Einsatz wettmachen könne. Und es sei ihm klar, dass dabei nicht alles Spaß mache, wie er auf Nachfrage von RGL-Gemeinderätin Anja Fuchs bestätigte: Er komme damit klar, sich mit neuen Gesetzen und viel Bürokratie zu beschäftigen. Overlack fragte auch nach, ob Gerber einen militärisch geprägten Führungsstil mitbringe. Gerber antwortete: Manchmal müsse man auf den Tisch hauen, wenn es um eine eilige Entscheidung gehe. Doch er sei für eine harmonische Zusammenarbeit.

Jens Gerber im Gespräch mit RGL-Gemeinderätin Anja Fuchs. Sie hatte ihn zuvor gefragt, ob er auch mit viel Bürokratie und wenig kreativem Freiraum im Amt des Bürgermeisters zurecht komme.
Jens Gerber im Gespräch mit RGL-Gemeinderätin Anja Fuchs. Sie hatte ihn zuvor gefragt, ob er auch mit viel Bürokratie und wenig kreativem Freiraum im Amt des Bürgermeisters zurecht komme. | Bild: Arndt, Isabelle

"Weil hier das Leben schön ist"

Für sein Wahlprogramm wählt Gerber die Schlagwörter lebenswert, modern und solide. Die "tolle Lebensqualität" wolle er erhalten und sich beispielsweise beim Thema Breitband und Mobilfunk einsetzen. Für ein solides Moos könne er sich zwar vorstellen, Schulden aufzunehmen, aber das müsse mit Maß und Verstand geschehen. Außerdem setze er sich dafür ein, dass die Gemeinde wachsen darf, allerdings organisch und mit Blick auf die Einheimischen. "Weil hier das Leben schön ist", werde er im Fall seiner Wahl zum Bürgermeister "natürlich" auch selbst hierher ziehen. Nachdem er seine Stelle als Regionalverkaufsleiter bei einem Discounter gekündigt habe, wohne er bereits bei seinen Schwiegereltern in Weiler und wolle die nächsten Wochen sehr präsent sein.

Bisher Spagat zwischen Chefsein und Mädchen für alles

Schon früh wollte Gerber nach eigenen Angaben Verantwortung übernehmen, deshalb habe er sich nach dem Studium für die Tätigkeit des Regionalverkaufsleiters bei einem Discounter entschieden. Er sei dort für Personal, Controlling und die Unterstützung seiner Filialleiter zuständig gewesen – "es war ein interessanter Spagat zwischen Chefsein und Mädchen für alles". Auf Ende November habe er diese Tätigkeit gekündigt, weil er nicht allein am Umsatz gemessen werden wolle. Aus der ersten naiven Idee, hier Bürgermeister zu werden, sei viel mehr geworden: Er wolle sich der Herausforderung stellen und in die Fußstapfen von Bürgermeister Peter Kessler treten.