Gleich in der ersten Sitzung des neu zusammengesetzten Gemeinderates in Moos kam es zu einem echten Aufregerthema. Karlheinz Bölli (UWV) trug das Anliegen einiger Iz­nanger vor, die seit Wochen unter einer massiven Staubbelastung leiden. Ursache ist das Befahren eines lediglich mit Kalksplitt befestigten Radweges durch Baufahrzeuge, Landwirte, Anwohner, aber auch Einwohner der Gemeinde Moos, die die Baustelle in der Schorengasse umfahren wollen. Während sich die Letztgenannten eindeutig nicht an die Vorschriften halten, dürfen beziehungsweise müssen die anderen den vor rund zwei Jahren angelegten Radweg nutzen, um zu ihren Gebäuden oder Feldern zu gelangen.

Wegen der lang anhaltenden Trockenheit ist für die Anwohner, deren Grundstück direkt an den Radweg angrenzt, der gesamte Außenbereich praktisch nicht nutzbar. Auf Pflanzen, Gegenständen, Autos und Dächern liegt eine Staubschicht, die von dem Problem zeugt. Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, wird schnell fündig. Baustellenfahrzeuge, die in zügigem Tempo auf dem Weg unterwegs sind, ziehen eine lange Staubfahne hinter sich her.

Ein Baustellenfahrzeug zieht auf dem kalksplittgedeckten Radweg in Iznang eine lange Staubfahne hinter sich her.
Ein Baustellenfahrzeug zieht auf dem kalksplittgedeckten Radweg in Iznang eine lange Staubfahne hinter sich her. | Bild: Jarausch, Gerald

Ein ähnliches Erlebnis hatte Karlheinz Bölli einen Tag vor der Sitzung, nachdem ihn die Anwohner um Unterstützung gebeten hatten. Die Zustände wühlten ihn derart auf, dass er selbst in der Sitzung kaum die Ruhe bewahren konnte. „Das grenzt schon an Sachbeschädigung, mal ganz abgesehen von der Einschränkung“, fasste er die Verhältnisse der Betroffenen zusammen.

In einem offenen Brief an die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat hat das Ehepaar Gabriele und Arno Sestito im Namen der betroffenen Nachbarn die unhaltbaren Zustände festgehalten: „Ein Sitzen im Garten ist hier schlichtweg kaum mehr möglich, geschweige denn etwas zu essen, da mit jedem vorbeifahrenden Auto alles vollgestaubt“, heißt es in dem Brief. Weil die eigenen Autos ständig verstaubt sind, droht durch das Verkratzen sogar eine Wertminderung. „Ich behalte mir rechtliche Schritte mit etwaigen Schadensersatzansprüchen gegen die Gemeinde vor“, steht dort weiter.

Die Schorengasse wird voraussichtlich noch bis Oktober eine Baustelle bleiben.
Die Schorengasse wird voraussichtlich noch bis Oktober eine Baustelle bleiben. | Bild: Jarausch, Gerald

Um möglichst rasch eine Verbesserung der Situation herbeizuführen, forderte Karlheinz Bölli „die Verwaltung auf, unverzüglich etwas zu ändern“. Dabei ging der Gemeinderat in seiner emotionalen Erregung sogar so weit, Bürgermeister Patrick Krauss dazu aufzufordern, sich nicht an bestehende Verwaltungsvorschriften zu halten. „Da muss morgen etwas passieren“, sagte er.

Bürgermeister bittet um Verständnis

Patrick Krauss seinerseits versuchte Verständnis für das langsame Mahlen der Verwaltungsmühlen zu wecken: „So einfach ist das nicht, wie sie sich das denken. Ich werde auf jeden Fall prüfen, was wir machen können und bemühe mich um die schnellstmögliche Lösung“, sagte er. Das wollte auch Frank Riester (UWV) so nicht gelten lassen. „Ich würde das nicht erst prüfen“, ließ er wissen.

Die staubbedeckte Kühlerhaube eines Anwohnerfahrzeuges an der Schorengasse in Iznang.
Die staubbedeckte Kühlerhaube eines Anwohnerfahrzeuges an der Schorengasse in Iznang. | Bild: Jarausch, Gerald

Eine Mitursache des Problems scheint aber an anderer Stelle zu liegen. Mit dem Anlegen des Radweges vor zwei Jahren hat das Dilemma begonnen. Der wurde vom Amt für Flurneuordnung und Landentwicklung beim Landratsamt Konstanz so angeordnet. Er ähnelt mit seiner Breite von rund drei Metern nicht nur einem landwirtschaftlichen Weg, sondern ist zudem mit einem Belag versehen, der laut Gemeinderat Albin Lang „so staubt wie kein anderer“. Wie er verstehen viele Einheimische nicht, warum der Weg direkt an den Häusern neu angelegt wurde, obwohl bereits andere Wege in dem Bereich existiert haben, die man ebenfalls hätte nutzen können.

Auch der Anschluss ans Radwegenetz ist aus Sicht der Anwohner nicht gut gelungen. Radfahrer queren teilweise die Landesstraße an ungesicherten Stellen, auf der die Fahrzeuge mit 80 Stundenkilometern fahren. „Wir erleben hier täglich grauenhafte Situationen“, heißt es dazu in dem offenen Brief.