Verzweiflung machte sich breit bei den Bützigräbler Narren: Nur noch wenige Tage bis zum Schmotzigen Dunschtig und immer noch fehlten die Narreneltern. Narrenpräsidentin Irene Vogler hatte in Iznang herumgefragt und sogar Annoncen geschaltet. Doch lange ohne Erfolg. In letzter Minute konnte jedoch ein Paar gefunden werden, das den Sprung in die närrische Ehe auf der Höri wagt. Zwei heiratsbegeisterte Männer werden nächste Woche Braut und Bräutigam mimen. Wer das glückliche Paar sein wird, soll aber bis zur Trauung geheim bleiben.

Bunte Konstellationen

Dabei sind die Anforderungen, Narrenelternpaar zu werden, nicht besonders hoch. Als Voraussetzung sollten die Interessenten verrückt, lustig und närrisch sein. Dabei sei es auch egal, ob man jung oder alt ist, männlich oder weiblich – in Iznang wird am Schmotzigen Dunschtig traditionsgemäß in den buntesten Konstellationen geheiratet.

Seit die Bützigräbler 1978 durch die Narrenvereinigung Hegau Bodensee als Narrenzunft anerkannt wurden, findet die Vermählung des Narrenelternpaares jährlich statt. Auch in anderen Gemeinden in der Bodenseeregion ist dies Brauch und Höhepunkt an Fasnacht. Vormittags findet in Iznang die närrische Vermählung im Rathaus statt, erklärt Irene Vogler. Ziel des Ganzen sei es, den Narrensamen zu säen. Das neue Paar solle also sinnbildlich für närrische Nachkommen sorgen und den Fortbestand der Zunft sichern. Nach der Trauung dürfe ein kleiner Empfang mit Sekt und Berlinern und ein Hochzeitsumzug durchs Dorf nicht fehlen. Jeder freue sich darauf, bei der Hochzeit dabei zu sein, sagt die Narrenpräsidentin. Häufig habe ein Narrenelternpaar gleich für mehrere Jahre das Amt übernommen und erneuere jede Fasnacht ihr Ehegelübde. "Dieser Brauch liegt den Bützigräblern sehr am Herzen", so Irene Vogler.

Fabelwesen aus Frosch, Fisch und Vogeltier

Dass dieser erhalten bleibt, freut die Iznanger Narrenzunft. "Sonst hätten sich die Narrenräte noch selbst zur Verfügung gestellt", sagt die närrische Standesbeamtin. Der Begriff Bützigräbler leitet sich vom altdeutschen Wort "Bitze" ab, einem Graben zur Sicherung der Stadtgrenzen. Der Bützigräbler sei derjenige, der im Graben sitzt und dort nach dem Dilldapp sucht, erklärt Irene Vogler. Dieses Fabelwesen sei eine Figur der Bodenseeregion und eine Kreuzung aus Frosch, Fisch und Vogeltier. Neue Mitglieder der Narrenzunft müssen versuchen, Dilldappen zu fischen. Erst nach diesem Ritual ist man ein echter Bützigräbler.