Moos – Die schwüle Abendluft brachten so manchen schon vor dem Konzert ins Schwitzen. Den Rest erledigten dann die 45 Musiker des Musikvereins Bankholzen im Bürgerhaus in Moos unter der Leitung von Sebastian Rieger. Sie heizten für ihr Frühlingskonzert mit abwechslungsreicher Rockmusik den 500 Zuhörern in dem schönen Bau mit guter Akustik so richtig ein. Allerdings mussten sie auch einiges einstecken, denn bei Moderator Roland Graf kam keine Instrumentengruppe in seinen Musikerwitzen ungeschoren davon.

Das schwergewichtige Intro im anspruchsvollen Stück Innuendo von Queen war der Auftakt. Tonart- und Tempowechsel meisterte das Orchester sehr gut, im Flamencoteil waren sogar Kastagnetten zu hören. Ulrich Renz am Bariton-Saxophon übernahm meisterhaft die schwierigen Soli. Bei dem melancholischen Lied Summer Wine war sich der Rieger nicht zu schade, selbst zum Mikro zu greifen und den Taktstock Ulrich Renz zu überlassen. Im Duett mit Veronika Malicet erreichte er die Tiefen mit seinem Bass mühelos. Roland Graf erzählte immer wieder die Hintergründe zu den Stücken. So ließen sie sich besser einordnen.

Nach der Pause erklang einer der Höhepunkte des Abends: Horizont von Udo Lindenberg. Mareike Knopf tauschte die Posaune und schwang sich mit ihrer satten Rockstimme hinter das Mikro. Stephan Malicet mimte Udo Lindenberg mit unverwechselbarer schnorrig-lässiger Stimme, Brille und Hut. Der Gesang stimmte, die Show stimmte. Stilecht in den Posen rissen beide mit der Rockballade die Zuhörer vom Hocker. Udo Lindenberg wurde dieses Jahr 70 und hätte sich bestimmt über diese Performance gefreut. Michael Jacksons Smooth Criminal war der zweite Höhepunkt. Die Schlagzeuger des Orchesters lieferten dabei eine Percussion-Einlage. Mit ihren blauen Masken unterstrichen sie die unheimliche Stimmung. Als sie dann aber etwas ungelenk Abflussrohre zu Instrumenten zusammenbauten, während sie darauf spielten, konnte sich das Publikum vor Lachen kaum halten. Wenn auch manchmal chaotisch, so sind die Schlagzeuger, laut Dirigent, kreativ. Und sie sind vor allem das Herzstück der Musik.

Neben Mamma mia mit schwierigem Synkopen-Rhythmus und hohem Tempo aus dem Abba-Medley spielte im Deep-Purple-Medley Ulrich Renz sehr fetzig die Soli am Bariton-Saxophon. Schwierig waren die Stücke, weil sie so bekannt waren und der Zuhörer jeden Fehler heraushören würde. Dementsprechend aufgeregt war Sebastian Rieger vor dem Konzert, das er dann mit Bravur meisterte. Nach Rolling in the deep aus dem Adele-21-Medley erklang dann als Zugabe ein Stück von Amy Winehouse. Fetzig, unterhaltsam und mit einer ordentlichen Prise Humor begeisterte an diesem Abend der Musikverein sein Publikum.

Der Musikverein

Alle zwei Jahre veranstaltet der Musikverein Bankholzen ein Frühlingskonzert. Für Dirigent Sebastian Rieger war es das erste Frühlingskonzert. Er leitet seit 2014 den Musikverein und ist damit jüngster Dirigent im Blasmusikverband Hegau-Bodensee. Den Musikverein gibt es seit 1965 und er besteht derzeit aus 49 aktiven Musikern. Mit der Thurgauer Musikgesellschaft Egnach veranstaltet der Verein immer wieder Gemeinschaftskonzerte. (chg)