Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft (DLRG) aus dem Jahr 2017 hat es deutlich aufgezeigt: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Als sicherer Schwimmer wird bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze, den Freischwimmer, erfüllt. Doch was tun, wenn der DLRG die so dringend benötigten Schwimmmöglichkeiten fehlen, um den Kinder auch außerhalb der Sommerzeit das Schwimmen beizubringen? Genau vor diesem Dilemma stehen die DLRG-Ortsgruppen auf der Höri.

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Bereits im vergangenen Jahr haben sich die Verantwortlichen mit dem Wunsch nach einem Höri-Hallenbad an die Bürgermeister von Moos, Öhningen und Gaienhofen gewandt. Die Situation sei nach wie vor brenzlig, wie Hans Breyer, Leiter der Ausblidung Schwimmen bei der DLRG Moos, im Gespräch betont: „Die Nachfrage nach Schwimmkursen nimmt zu, das hat auch der Anfängerkurs 2019 bewiesen.“ Bereits jetzt habe man für das Angebot für Nichtschwimmer im kommenden Jahr eine 50-prozentige Überbuchung. „Bei einer normalen Trainingseinheit in der Mettnau-Kur sind 28 bis 30 Kinder im Becken. Da wird es ganz schön eng“, sagt Breyer.

Ohne die Kur wäre die DLRG Moos aufgeschmissen

Ohne die Schwimmmöglichkeit der Kur wäre die DLRG aufgeschmissen, betont Hans Breyer. Nachdem im Dezember 2016 mit dem Haus Gottfried das letzte Hotel mit Schwimmbecken schloss, ist die DLRG Moos auf Hilfe aus anderen Gemeinden angewiesen. Ein gemeinsamer Brief der Ortsgruppen sollte die Dringlichkeit untermauern. Doch gebracht hat es bisher wenig. Sehr zum Unverständnis von Hans Breyer, der darauf hinweist, wie wichtig Anfängerschwimmkurse am Untersee sind. „Die Situation hat sich hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Wasserfläche nicht verändert. Wir könnten mindestens einen zusätzlichen Kurs anbieten, wenn wir mehr Trainingsmöglichkeiten hätten“, sagt er. In den Wochen vor den Sommerferien müssten alle DLRG-Mitglieder trainingstechnisch zusammenrücken, damit ein Platz für die Anfängerkurse entstehen.

Training gehört auch bei der DLRG in Moos dazu: Eine Jugendliche der Ortsgruppe schleppt bei den Bezirksmeisterschaften einer Puppe im Wasser ab.
Training gehört auch bei der DLRG in Moos dazu: Eine Jugendliche der Ortsgruppe schleppt bei den Bezirksmeisterschaften einer Puppe im Wasser ab. | Bild: DLRG Moos

Großen Luxus wünscht sich der DLRG-Verantwortliche indes nicht. Von einem Spaßbad mit großer Rutsche und Wellenbad spricht er nicht. „Es fehlt ein ganz normales 25-Meter-Becken für die Schwimmausbildung und das Schulschwimmen“, sagt er. Für öffentliche Nutzer gebe es genügend Thermalbäder in der näheren Umgebung.

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Hans Beyer wirft den Verantwortlichen der Höri-Gemeinden vor, dass sie etwa bei der Planung der neuen Sporthalle in Moos nicht die Möglichkeit eines angrenzenden Hallenbades bedacht hätten. „Es hat sich noch niemand ernsthaft mit den Kosten eines Hallenbades beschäftigt“, so Beyer. Seiner Einschätzung nach würde eine Schwimmeinrichtung rund vier Millionen Euro kosten. Beyer beruft sich dabei auf Zahlen aus Ettlingen. Dort wurde 2015 ein Lehrschwimmbecken für diese Summe gebaut. „Im gesamten Landkreis Konstanz ist die Hallenbadsituation ein Dilemma“, kritisiert Johann Beyer.

Krauss: „Ein Hallenbad ist zu teuer.“

Obwohl die Höri-Bürgermeister den Wunsch nach einer besseren Trainingsmöglichkeit nachvollziehen können, ist man sich in den Rathäusern einig: „Der Bau eines Höri-Hallenbades ist schlichtweg zu teuer und nicht finanzierbar“ wie der Mooser Bürgermeister Patrick Krauss auf Nachfrage betont. „Wir sprechen hier nicht nur von den Baukosten, sondern auch von den Betriebskosten“, so Krauss. Die günstigste Variante eines solchen Bades, dass ein acht auf 25 Meter Becken hätte, beziffert der Mooser Rathauschef auf etwa sechs Millionen Euro. Hinzu kämen seiner Einschätzung nach noch einem rund 500 000 Euro an jährlichen Betriebskosten.

Keine weiteren Ressourcen möglich

Auch der Öhninger Bürgermeister Andreas Schmid weiß, dass sich die Situation auf der vorderen Höri verschlechtert habe, aber auch der schiebt dem Wunsch einen Riegel vor: „Grundsätzlich stehen wir dem Wunsch nach einem Schwimmbad offen gegenüber. Bei einem im Raum stehenden Investitionsvolumen von bis zu zehn Millionen Euro und einem geschätzten jährlichen Defizit von etwa 800 000 Euro wird es wirtschaftlich aber wohl nicht darstellbar sein.“ Sollte der Öhninger Gemeinderat beschließen, die Angelegenheit näher zu prüfen, halte er es für sinnvoll eine Bedarfsanalyse und Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Krauss pflichtet dem bei: „Die Arbeit der DLRG ist nicht hoch genug zu bewerten, aber wir können keine weiteren Ressourcen zur Verfügung stellen“, betont er.