Da hat Pavos aber noch einmal Glück gehabt. Sein Übermut und mangelnde Vorsicht haben den Rüden in eine brenzlige Situation gebracht. Voller Vorfreude auf den bevorstehenden Spaziergang soll der Hund aus dem Kofferraum von Frauchens Wagen gehüpft sein und rannte los. Denn auf einmal konnte er über Wasser laufen. Auch im Mooser Hafen hatte sich im Lauf der vergangenen Kälteperiode eine Eisschicht gebildet. Nur war die anfangs der Woche am abklingen, Plustemperaturen machten die Eisschicht dünner und dünner. Es kam, wie es kommen musste: Pavos wollte nicht auf das Rufen des Frauchens hören: Er brach etwa 40 Meter vom rettenden Ufer entfernt ein.

Jaulend rief der englische Setter um Hilfe. Auch das Frauchen rief. Und sie wurden gehört. Innerhalb weniger Minuten waren Feuerwehr und DLRG zur Stelle. Timm Hänsler und Uwe Nehlsen klärten die Sache auf dem kurzen Dienstweg. Hänsler, Mitglied bei der Feuerwehr und der DLRG, Nehlsen, Vorsitzender der DLRG, schaffen es innerhalb von fünf Minuten ein Boot ins Wasser zu bekommen und mit einer Mannschaft den Hund zu bergen. Hierfür mussten sie die Eisschicht auf dem See mit dem Boot erst aufbrechen. „Wir haben kurz telefoniert, der Einsatz ging nicht einmal über die Dienststelle ein. Aber es musste schnell gehen“, sagt Nehlsen. Dieser unkomplizierten Absprache war es auch zu verdanken, dass die Feuerwehr mit dem Hochwasserboot der DLRG schnell zu Pavos gelangen konnte, ohne erst eins ihrer eigenen Boote zu Wasser lassen zu müssen. Denn eigentlich rückt die DLRG nicht für Tiere aus, nur für Menschen. „Die Feuerwehr ist für Sachrettungen zuständig, dazu gehört eben auch ein Hund“, erklärt Uwe Nehlsen.

Da bei den Mooser Rettunsgdiensten Helfen und nicht Bürokratie im Vordergrund steht, konnte der zitternde und sichtlich erschrockene Hund der Tierrettung übergeben werden. Laut Frauchen habe er die Strapazen jedoch schnell überwunden und tobe schon wieder im Garten. Also alles noch einmal gut gegangen für Pavos. Doch Uwe Nehlsen sieht in diesem Ereignis auch eine Warnung. Der Hund habe 20 Kilo gewogen und sei auf dem immer dünner werdenden Eis eingebrochen. Auch wenn der See manchmal so schön zum Eislaufen locke, sei immer Vorsicht geboten. „Das ist sehr gefährlich sich auf dem gefrorenen See zu bewegen“, sagt der DLRG-Vorsitzende. Das Klima gebe eine stabile Eisschicht zum gefahrenlosen Eislaufen einfach nicht mehr her. Die Zeiten der Seegfrörne von 1962/63, als man bis nach Meersburg laufen konnte, seien wegen des Klimawandels vorbei. Und die DLRG könne nicht immer schnell zur Stelle sein.

 

Eine Frage der Haftung

Das Betreten eines nicht offiziell freigegebenen Sees geschieht auf eigene Gefahr. Das ist vor allem eine Haftungsfrage, da bei einem Eiseinbruch die Betroffenen selbst für die Rettung aufkommen müssen. Der Bodensee wird offiziell nicht mehr freigegeben, dennoch fahren Menschen an vielen Orten Schlittschuh, wenn die Eisdecke dick genug ist. Diese muss mindestens acht Zentimeter betragen. (ans)