Mit einer Änderung des Bebauungsplans will die Gemeinde Moos jetzt den Neubau eines Mehrfamilienhauses im Gebiet "Obere Reute" neu definieren. Zusätzlich einigte sich der Gemeinderat in seiner Sitzung auf den Beschluss einer Änderungssperre für den Bereich sowie die Rückstellung eines Antrags zu einer Baugenehmigung, um möglichen Baumaßnahmen zuvorzukommen.

Das Gebiet, um das es geht, liegt im Innenbereich (Obere Reute) des Ortsteils Moos, das an den Altbestand der Gebäude grenzt. Nachdem in direkter Nachbarschaft des aktuellen Bauvorhabens in jüngster Zeit bereits zwei neue Gebäude errichtet wurden, will man im Gemeinderat nun nicht weiter tatenlos zusehen, wie die Einzelinteressen der Bauherren den Charakter des Dorfes verändern. Das könnte im aktuellen Fall durchaus die Folge sein. Der Bauherr plant den Abriss eines alten bäuerlichen Anwesens, um an gleicher Stelle ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten zu errichten. Vor allem die geplante Höhe des Gebäudes hat den Gemeinderat nun aufgeschreckt und zu seiner Maßnahme veranlasst.

Das Mehrfamilienhaus soll die ohnehin schon deutlich höher ausgefallenen Neubauten in seiner Nachbarschaft noch einmal um 40 bis 70 Zentimeter überragen. Damit war für das Gremium offenbar eine Grenze überschritten. "Es ist wichtig, dass wir genauer definieren, wie unsere Dörfer aussehen sollen", erklärte Anne Overlack (RGL) die Motivation des Gemeinderats. Vor allem ist man nicht glücklich darüber, oftmals erst zu spät auf derartige Bauvorhaben reagieren zu können: "Jedes Mal, wenn neu gebaut wird, werden wir aufgeschreckt", befand zum Beispiel Karlheinz Bölli (UWV).

Allerdings ist an dieser Situation schwerlich etwas zu ändern, wie Bürgermeister Peter Kessler erklärte: "Wir können nicht alles überplanen, was in Zukunft überbaut wird", sagte er.

Im konkreten Fall will man den Bebauungsplan nachträglich dahingehend ändern, dass das Dorfgebiet auf diesem Flurstück zu einem allgemeinen Wohngebiet erklärt. Zudem wird hier ausdrücklich nur ein Gebäude mit maximal drei Wohneinheiten zugelassen. Ferner soll die Gesamtgebäudehöhe so beschränkt werden, dass die Nachbargebäude nicht überragt werden. Dass der Bauherr mit diesem späten Einschreiten der Gemeinde in das Verfahren nicht sonderlich glücklich ist, zeigt eine Ankündigung seines Rechtsanwalts. Der hat laut Bürgermeister Peter Kessler bereits angekündigt, dass er eine Schadenersatzforderung nicht ausschließt. Die Gemeinde Moos ihrerseits möchte sch dadurch nicht die Möglichkeiten der Einflussnahme nehmen lassen. Um sicherzustellen, dass vor Ort keine Fakten geschaffen werden, hat sich der Gemeinderat gleichzeitig zu zwei weiteren Schritten entschlossen, die einen sofortigen Stopp aller Arbeiten nach sich zieht.

So wurde der Antrag zur Baugenehmigung für bis zu zwölf Monate zurückgestellt. Zudem wurde eine Veränderungssperre für den Geltungsbereich beschlossen. Als Begründung wird das "überhohe Maß der baulichen Nutzung", angeführt, wie es in den Unterlagen zur Sitzung heißt. Zusammen mit der vorgesehenen Firsthöhe und den Nebenanlagen sieht der Gemeinderat hier eine Beeinträchtigung der Nachbargrundstücke sowie verkehrliche Probleme. Wie sehr der Neubau die Bewohner von Moos beschäftigt, zeigte die hohe Besucherzahl von rund 40 Personen bei der Sitzung am Donnerstag. So manches Ratsmitglied konnte sich nicht erinnern, jemals so viele Zuhörer im Sitzungsraum gesehen zu haben.

Bebauungsplan

Was und wo gebaut werden darf, regelt der Bebauungsplan. Dazu gehören Angaben zu Höhe und Ausdehnung des Gebäudes, dazu, wie dicht die Bebauung sein darf und welche Freiflächen bestehen bleiben müssen. Für eine einheitliche Ortsgestaltung darf der Bebauungsplan auch Details wie Dachformen, -neigung, Farben und Materialien enthalten. Auch die Anzahl der Stellplätze wird hier geregelt. Frei bestimmen dürfen Bauherren eigentlich nur das, was nicht im Bebauungsplan geregelt ist.(ja)