Die Stadt Bietigheim/Bissingen schenkt dem Königreich Bhutan im Himalaya ein Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr. Tausende Kilometer wird es über den Wasser- und Landweg zurücklegen, bevor es im Land des Donnerdrachens, wie Bhutan übersetzt heißt, in Empfang genommen wird. Hinterm Steuer werden freiwillige Fahrer des Vereins Bhutan-Hilfe sitzen. Einer von ihnen: Peter Kessler, Alt-Bürgermeister von Moos. Bis zum 1. Februar 2019 hat er die Geschicke der Höri-Gemeinde über 20 Jahre lang geleitet, nun begibt er sich auf eine spannende Reise, einmal quer über den Globus.

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Über einen Zeitungsartikel sei er auf das ungewöhnliche Projekt aufmerksam geworden und war sofort Feuer und Flamme. „Für mich war klar: Wenn ich aus dem Amt ausscheide, will ich mich auch weiterhin sozial engagieren. Das Vorhaben hat mein Interesse geweckt“, sagt Kessler im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Zugute kommt ihm dabei, dass er einen Lastwagen-Führerschein besitzt. „Obwohl ich noch nie ein Feuerwehrauto mit Drehleiter gefahren bin“, gibt Kessler zu.

Und einmal in echt: Das Feuerwehrauto samt Drehleiter wurde am Mittwoch in Bietigheim/Bissingen begutchatet. Ein Mitarbeiter der Feuerwehr hat Peter Kessler (links) und eine weitere Fahrerin, Tina Kayser (rechts), bereits mit dem 14 Tonnen schweren Fahrzeug vertraut gemacht. Bild: Bhutan-Hilfe
Und einmal in echt: Das Feuerwehrauto samt Drehleiter wurde am Mittwoch in Bietigheim/Bissingen begutchatet. Ein Mitarbeiter der Feuerwehr hat Peter Kessler (links) und eine weitere Fahrerin, Tina Kayser (rechts), bereits mit dem 14 Tonnen schweren Fahrzeug vertraut gemacht. Bild: Bhutan-Hilfe | Bild: Bhutan-Hilfe

Als nur einer von drei Fahrern wird es seine Aufgabe sein, das Feuerwehrauto sicher von der indischen Stadt Kalkutta nach Thimphu, der Hauptstadt des Bhutans, zu lenken. Kessler, der in einer Feuerwehrfamilie aufwuchs – sein Vater war Feuerwehrkommandant und stellvertretender Kreisbrandmeister – fiebert der Aufgabe entgegen. Am 13. Oktober wird es ernst werden. Dann nämlich hat das Feuerwehrauto den Hafen in Kalkutta erreicht und er wird hinter dem Steuer sitzen.

Über Antwerpen nach Kalkutta

Bis es allerdings so weit ist, muss das Fahzeug ordentlich Kilometer fressen, wie der Vorsitzende der Bhutan-Hilfe, Alexander Klaußner, betont. Gestartet wird von Karlsruhe. Von dort geht es über den Landweg nach Antwerpen. „Am 10. September legen wir dann mit einem Containerschiff ab Richtung Indien„, sagt er. Die Bhutan-Hilfe steht vor einer riesigen logistischen Herausforderung: Das Fahrzeug muss nicht nur eine Strecke von 10 000 Kilometer zurücklegen, sondern auch zwölf Staaten durchqueren. „Es wird bald deutlich mehr Kilometer zurückgelegt haben, als in seinem aktiven Dienst“, sagt Klaußner.

Peter Kessler macht sich mit der Drehleiter des Feuerwehrfahrzeuges bekannt. Bild: Bhutan-Hilfe
Peter Kessler macht sich mit der Drehleiter des Feuerwehrfahrzeuges bekannt. Bild: Bhutan-Hilfe | Bild: Bhutan-Hilfe

Technisch sei das Feuerwehrauto in einem Top-Zustand, wie Kessler und Klaußner betonen. Dafür habe der Hersteller des Autos gesorgt, der es noch einmal auf Herz und Nieren geprüft und in Schuss gebracht habe. Auch sonst kann sich die Bhutan-Hilfe auf viele Unterstützer verlassen: Die Transoportkosten übernimmt eine Spedition. „Dadurch können wir sicher sein, dass die Drehleiter den Transport auch heil übersteht“, so Klaußner.

Im Bhutan wird noch mit Eimer-Ketten gelöscht

Dass Bhutan die Hilfe dringend nötig hat, steht für Kessler und Klaußner außer Frage. Die Feuerwehrflotte des kleinen Königreichs stammt zum größten Teil aus den 50er Jahren. „Teils wird sogar noch mit Eimerketten gelöscht“, erzählt Klaußner, der Land und Leute bestens kennt. Bis zu fünfmal im Jahr reist er in das Königreich. Für Bhutan sei das moderne Fahrzeug ein Riesenschritt für die Rettungsdienste, da es im ganzen Land kein einziges Einsatzfahrzeug mit einer Drehleiter gebe, weiß er. Wenn die Drehleiter angekommen ist, werden zwei Feuerwehrleute aus Bietigheim nachreisen, um ihre bhutanischen Kollegen in die Technik einzuweisen. Kessler ergänzt: „In Deutschland werden Feuerwehrfahrzeuge nach 25 Jahren ausgemustert, dabei haben die meisten keine 10 000 Kilometer auf dem Zähler.“

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Das Projekt ruht auf vielen Schultern, wie Alexander Klaußner hervorhebt. So habe der Honorarkonsul des Bhutans, Wolfgang Pfeiffer, der auch ehemaliger Stadtrat in Bietigheim/Bissingen war, im Gremium dafür geworben, dass die alte Drehleiter in das Königreich gesandt werden kann. Und dann seien da natürlich noch die „ehrenamtlichen Idealisten“, die das Fahrzeug begleiten, wie Klaußner die Helfer bezeichnet. Einer von ihnen ist Peter Kessler. Der ehemalige Bürgermeister wünscht sich, dass das Pilotprojekt ein Startschuss für weitere Vorhaben wird. „Es wäre toll, wenn wir 2020 weitere zwei Fahrzeuge überführen könnten“, sagt er. Derzeit sei man auf der Suche nach Unterstützern. Aber jetzt gilt es erst einmal die Reisekoffer zu packen, denn Anfang Oktober geht es für Kessler auf die Reise nach Kalkutta. Im Gepäck: ein 14 Tonnen schweres Feuerwehrauto samt Drehleiter.

Königreich zwischen Tibet und Indien

  • Das Land des Donnerdrachens: Das Königreich Bhutan liegt zwischen Tibet und Indien. Es ist so groß wie die Schweiz, hat aber nur etwa so viele Einwohner wie Stuttgart. Hauptstadt ist Thimphu. Aktuelles Staatsoberhaupt ist König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck. 727 145 Menschen leben im Bhutan (Stand 2017).
  • Der Honorarkonsul: Ein Honorar- oder Wahlkonsul ist ein ehrenamtlicher Konsul. Seine Arbeit wird nicht vergütet. Wer Honorarkonsul werden will, kontaktiert die Botschaft des jeweiligen Landes. Hält dieses die Einrichtung eines diplomatischen Konsulates für sinnvoll aber für zu aufwändig, schlägt sie dem Außenministerium des Gastlandes einen Honorarkonsul vor. Er muss lediglich eine der beiden Staatsbürgerschaften besitzen.
  • Die Bhutan-Hilfe: Der Verein verfügt über rund 60 Mitglieder. Er wurde im Jahr 1999 gegründet. Seit 2017 ist Alexander Klaußner Vorsitzender. Ihm zur Seite steht Wolfgang Peiffer, Honorarkonsul des Königreichs Bhutan für Deutschland und Geschäftsführer der Bhutan-Hilfe. Mehr Information zur Bhutan-Hilfe gibt es im Internet unter www.bhutan-hilfe.de .
  • Das Spendenkonto: Bhutan Hilfe e.V; Kreissparkasse Ludwigsburg; BIC: SOLADES1LBG; IBAN: DE20 6045 0050 0000 0830 10