Wenn Johann Breyer an die vergangene Saison des DLRG Moos zurückdenkt, erinnert er sich an viele Kinder und Jugendliche im Hallenbad der Mettnau-Kur in Radolfzell. Mit 100 Teilnehmern seien es so viele gewesen, dass sie einen Aufnahmestopp aussprechen mussten, um den Andrang noch bewältigen zu können, sagt der Verantwortliche für die Schwimmausbildung und langjährige Vorsitzende. Dabei seien die Umstände nicht optimal: "Ohne die Mettnau wäre unsere gesamte Gruppe aufgeschmissen", sagt Breyer, im Hallenbad der Mettnau-Kur dürfen sie dienstags trainieren. Nachdem im Dezember 2016 mit dem Haus Gottfried das letzte Hotel mit Schwimmbecken schloss, ist die DLRG Moos auf Hilfe aus anderen Gemeinden angewiesen. Dabei hätte Johann Breyer eine Idee: ein Hallenbad für die Höri-Gemeinden.

Breyer hat mögliche Kosten recherchiert

"Es hat sich noch keiner ernsthaft mit dem Thema beschäftigt", sagt Breyer über diese Option. Er hat mögliche Kosten recherchiert, so habe Ettlingen bei Karlsruhe 2015 beispielsweise für vier Millionen Euro ein Lehrschwimmbecken gebaut. Die Betriebskosten würden sich dort auf jährlich 150 000 Euro belaufen, Breyer hält aber auch niedrigere Kosten für möglich. Und die DLRG würde für eine Nutzung bezahlen: "Wir erwarten nicht, dass wir da kostenlos reindürfen." Bereits aktuell würden sie 4000 Euro für Ausbildung investieren.

Bürgermeister einig: Becken wäre zu teuer

Die Bürgermeister der Höri-Gemeinden sind dennoch skeptisch. Für Peter Kessler, Bürgermeister von Moos, ist ein eigenes Becken kein Thema, wie er auf SÜDKURIER-Anfrage erklärt: Das sei mit riesigem Unterhalt verbunden. Es brauche zum Beispiel einen Schwimmmeister und der rechne sich für die Gemeinde Moos nicht. Auch für Öhningen sei ein Becken schwer finanzierbar, wie Bürgermeister Andreas Schmid erklärt: "Bevor wir ein Schwimmbecken auf der Höri bauen mit nicht unerheblichen Betriebskosten, bezahlen wir lieber Fahrtkosten." In Öhningen habe es noch nie ein Becken gegeben und die DLRG habe sich etwa in Form einer Kooperation mit der DLRG Singen arrangiert. Ähnlich äußert sich Uwe Eisch für Gaienhofen: "Das wurde schon einmal diskutiert und sehr schnell wieder verworfen, da ein Hallenbad bekanntlich zu den defizitärsten öffentlichen Einrichtungen zählt."

Für gute Ausbildung braucht es laut DLRG ein Becken

Warum ein Becken für die DLRG so wichtig ist? Nur so können sie laut Johann Breyer regelmäßiges Training auch im Winter anbieten. Schwimmunterricht allein im Bodensee schließe die Gruppe aus: Nur mit Becken könnten sie Kinder gut beaufsichtigen, Schwimmbewegungen von der Seite aus korrigieren oder Sprünge üben. DLRG-Vorsitzender Uwe Nehlsen ergänzt: "Sonst gibt es in der Umgebung erst in Singen wieder ein Becken" und das sei meist bereits belegt.

Viele Kinder haben mit der DLRG Moos in diesem Jahr ihre Schwimmprüfungen abgelegt.
Viele Kinder haben mit der DLRG Moos in diesem Jahr ihre Schwimmprüfungen abgelegt. | Bild: Johann Breyer

Improvisieren, um Nachfrage stemmen zu können

Die Nachfrage an ihrem Angebot sei ungebrochen: "Ich habe jetzt schon Anmeldungen für den nächsten Kurs", sagt Breyer, gerade das Anfängerschwimmen sei sehr begehrt. In der vergangenen Saison hätten sie gemeinsam 100 Kinder und Jugendliche betreut. Das sei nur möglich gewesen, weil sie die Trainingszeiten optimiert und auf Pausen verzichtet hätten. "Wir mussten uns beeilen, damit der Stundenplan nicht durcheinander kommt. Denn die nächsten warten ja schon", sagt Breyer. Die Ausbildung in jetziger Form sei nur mit viel Engagement möglich: Die rund zehn Ausbilder würden für die Schwimmprüfungen zusätzlich in Freibäder nach Worblingen und Gottmadingen fahren. Was Johann Breyer stört: "Wenn es um die Badeaufsicht geht, sind die Rettungsschwimmer Silber als Unterstützung der Bademeister willkommen." Doch ohne ausreichende Trainingsmöglichkeiten seien da Grenzen gesetzt.