Für rund 100 Gäste hat der Club der Kochenden Männer im Pfarrzentrum Plätze gerichtet und eingedeckt. Doch es kommen doppelt so viele Besucher, um den Herdakrobaten zu ihrem 50. Jubiläum zu gratulieren. Und in der provisorisch aufgestellten Küche geht es in der Tat akrobatisch zu. Noch bevor die ersten Gäste eintreffen, kontrolliert Rainer Konzept die Vorbereitungen. „Auch wenn die Möglichkeiten heute etwas eingeschränkt sind, auf die Qualität soll und wird das keinen Einfluss haben“, stellt Konzept zufrieden fest.

Einen ganzen Tag hat die Küchencrew alles so weit wie möglich vorbereitet. Mise en place heißt das unter Köchen. Vorbereitung ist die halbe Miete, und alles liegt in Griffweite.

Erinnerungen an 50 Jahre Ortsgeschichte

Konzentriert, aber nicht hektisch sind die Männer in den Kochjacken jetzt alle. Der Vorsitzende des Kochclubs, Herbert Wiedemann, motiviert noch einmal seine Kollegen. Bevor der Trubel im Kochzelt richtig losgeht, sind alle Köche auf dieses Ereignis richtig eingestimmt. Dann geht Wiedemann mit seinem Kollegen Volker Bayer zurück, die ersten Gäste wollen begrüßt werden.

Da kommen dann schon die ersten Erinnerungen hoch, was sich vor 50 Jahren alles so in Weiler zugetragen hat und wie sich die Ortschaft in den vergangenen fünf Jahrzehnten verändert hat.

Das Mondbier reichte für zwei Abende

Da gibt es die Geschichte vom Mondbier. Zwei Bürger hatten gewettet, dass die Amerikaner es nicht schaffen würden, Astronauten auf den Mond zu bringen und wieder unversehrt zurückzuholen. Wetteinsatz: zwei Fässer Freibier im damals noch bestehenden Gasthof Sonne. „Das Freibier reichte für zwei Abende“, erinnert sich Wiedemann. Da war richtig Leben in Weiler.

Auch sonst war man ganz dicht am Puls der Zeit. Blasmusik ja, aber er sei eigentlich mehr ein Beatles-Fan gewesen, schildert Volker Bayer. Heute gehe es in Weiler etwas ruhiger zu. Deshalb sei auch der Abendmarkt so wichtig. Und das Vereinsleben ganz allgemein, zu dem sich die Köche mit Fug und Recht zugehörig fühlen. Man sei ja mittendrin im Leben. Helmut Hafner sagt: „Dafür sorgt schon die Familie mit ihren Freunden.“

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Zumindest am Wochenende schwingt Hafner auch privat den Kochlöffel. „Da wird dann sowohl gutbürgerlich gekocht, als auch mal etwas neues ausprobiert.“ Dieses Hobby auf hohem Niveau hat auch Einfluss auf die Gerätschaften, die die Köche für ihre Privathaushalte anschaffen. Simon Liedigk erklärt: „Da weiß man dann mit der Zeit ganz genau, was man braucht. Und dann stelle ich an die Geräte auch andere Qualitätsansprüche.“

„Eine schöne und gelungene Feier“

Viel Zeit für Unterhaltungen bleibt im Kochzelt nicht. „Eine Gemüsepfanne vegetarisch, eine Gemüsepfanne mit Pute, einmal Hechtstreifen und zwei Garnelenspieße“, lautet die Ansage von Alexandra Bayer. Die Familie unterstützt natürlich das Gründungsmitglied an diesem Jubiläumsempfang. „Den Hecht brauche ich zuerst, der kommt an einen anderen Tisch.“ Viel professioneller kann man eine Order kaum aufgeben.

Nach fünf Stunden endet der Spagat zwischen Konzentration auf das Organisieren einerseits und die Unterhaltungen mit Gästen andererseits. „Das war eine schöne und gelungene Feier“, bilanziert Herbert Wiedemann. Es sei eine tolle Gelegenheit gewesen, sowohl das Können unter Beweis zu stellen, als auch sich mit vielen Leuten aus Weiler und der Umgebung zu unterhalten.