Das Busfahren auf der Höri ist seit Jahresbeginn ein echtes Aufregerthema. So mancher Schüler ist in den letzten Tagen nicht rechtzeitig in der Schule anwesend gewesen, weil es nach der Neuvergabe des Regionalverkehrs im Landkreis Konstanz zu etlichen Schwierigkeiten gekommen ist. Mal wurden Haltestellen nicht oder nur verspätet angefahren, konnten keine Fahrscheine ausgestellt werden oder der Fahrer war bei Nachfragen kaum des Deutschen mächtig.

Bürgermeister Krauss forderte den Kurs an

Doch auch die Schüler selbst können vor, während und nach der Busfahrt Fehler machen, die im ungünstigsten Fall zu schweren Körperverletzungen führen. Um genau das zu verhindern, wurde jetzt an der Grundschule in Weiler eine Busschulung mit allen Klassen durchgeführt. Den Kurs hatte Bürgermeister Patrick Krauss angefordert, um die Sicherheit des Busverkehrs zu erhöhen. Die Reaktion war auch eine Folge auf den Wegfall des bisherigen Schulbusses, der bis zum Ende des vergangenen Jahres in Moos unterwegs war.

Schulleiter und Gemeinderat Jan Becker hat viel Lob für den Bürgermeister übrig: „Ich finde es klasse, dass Herr Krauss den Kurs geholt hat“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Das Angebot steht grundsätzlich allen Schulen im Landkreis Konstanz zu“, wie Willi Schmidberger vom Referat Verkehrsprävention der Polizeidirektion Konstanz wissen ließ.

Polizist Willi Schmidberger zeigt den Kindern, wie sie sich im Bus auf keinen Fall hinsetzen sollen.
Polizist Willi Schmidberger zeigt den Kindern, wie sie sich im Bus auf keinen Fall hinsetzen sollen. | Bild: Jarausch, Gerald

Zusammen mit seinem Kollegen Joachim Brenke war er gestern in Weiler vor Ort, um den jungen Fahrgästen das richtige Verhalten beim Busfahren beizubringen. Nach einer kleinen Theorieeinheit im Klassenzimmer wurde das Erlernte praktisch umgesetzt. Dafür stand sogar ein echter Regionalbus des Unternehmens Klink samt Busfahrerin Belinda Schwarze zur Verfügung. Schon das erste Einsteigen der Schüler wurde von Willi Schmidberger aufmerksam beobachtet. Im Bus gab es dann den ersten Tadel von ihm: „Hat eigentlich überhaupt einer von euch Guten Morgen zu der Busfahrerin gesagt?“, fragte er rhetorisch in die Schülerrunde. „Auch das gehört dazu“, findet der Beamte.

Im Wesentlichen ging es aber um eher technische Dinge und Verhaltensweisen. Willi Schmidberger zeigte des Erstklässlern, wie man einen Schulranzen sicher verstaut und was passieren kann, wenn er unachtsam im Gang liegt. Dann nämlich besteht bei einer Vollbremsung des Busses die Gefahr, dass so ein Gegenstand zu einem rasanten Objekt wird, welches höchst gefährlich durch den Bus fliegen kann. Gleiches gilt für die Passagiere selbst. Aus diesem Grund sollen sie sich immer richtig herum auf den Sitz setzten und nicht knien, um mit dem Hintermann man zu sprechen.

Willi Schmidberger von der Polizeidirektion Konstanz demonstriert den Weiler Grundschülern, wie große der tote Winkel im Spiegel der Busfahrer ist.
Willi Schmidberger von der Polizeidirektion Konstanz demonstriert den Weiler Grundschülern, wie große der tote Winkel im Spiegel der Busfahrer ist. | Bild: Jarausch, Gerald

Des weiteren erklärte der Polizist, was die Piktogramme im Bus bedeuten und was ein toter Winkel ist. Dazu breitete er unter anderem eine Plane außerhalb des Busses aus, die verdeutlichte, wo der Busfahrer die Kinder während des Ein- und Aussteigen nicht sehen kann.

Ohnehin haben es die Fahrzeuglenker in diesen Tagen nicht leicht. Das bestätigte auch Belinda Schwarze, die seit 27 Jahren in dem Beruf tätig ist und für das Unternehmen Schienerbergreisen arbeitet: „Ich liebe meinen Beruf wirklich, aber momentan hat man keinen Spaß“, ließ sie den SÜDKURIER wissen. Denn die Busfahrer sind diejenigen, bei denen die Fahrgäste ihren Frust ablassen. „Wir kriegen alles ab“, berichtete sie. Dabei sind bei weitem nicht alle Probleme dem Busunternehmen anzukreiden.

Bisheriges System hatte funktioniert

Manche der aktuellen Schwierigkeiten liegen ihrer Meinung nach in der Verantwortung des Landkreises. Das sieht auch Schulleiter Jan Becker so: „Warum musste man ein bestehendes System, das funktionierte, auch ändern?“, fragt er. Dabei meint er die Antwort durchaus zu kennen: „Man muss sich nicht wundern, denn schließlich wollte man wohl Geld einsparen“, sagt Becker. Aber zumindest die Kinder an seiner Schule wissen nun, wie sie selbst für einen reibungslosen Ablauf bei den Busfahrten sorgen können.

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