Laudator Siegmund Kopitzki brachte es auf den Punkt: Die größte Künstlerdichte sei am Bodensee und besonders auf der Höri zu finden. Dabei waren die frühen und prominenten Künstler wie etwa Otto Dix durchaus nicht von Anfang an von der See-Idylle begeistert. Die Höri sei Heimstatt für frühe Aussteiger gewesen, weil die Domizile hier preiswert gewesen seien und sie politisch Verfolgten Asyl geboten hätten. Dix, der Maler der Kriegs- und Schreckensszenarien, habe die liebliche Landschaft gar als Gefangenschaft empfunden: „Ich stehe vor der Landschaft wie vor einer Kuh“.

Dass sich hier keine Gruppen, Schulen oder Künstler-Kolonien gebildet hätten, sei kein Grund zur Trauer, hob Kopitzki in seiner mit vielen Zitaten belegten brillanten Rede hervor. Vielmehr biete die hier ausgestellte Sammlung eine „Schule des Sehens“ von natursensiblen Künstlern, und die sanfte Zurückgewandtheit sei der schönste Name für Heimat.

„Grande Dame“ ist 93 Jahre alt

19 Künstlerinnen und Künstler, ob mit Ausbildung oder bekennende Autodidakten, zeigen im Bürgerhaus Moos einen Querschnitt ihrer Arbeiten in vielfältigen, kreativen Techniken. „Grande Dame“ der Malerei ist die 93-jährige Rosemarie Stuckert-Schnorrenberg, die bei Erich Hartmann in Hamburg und Ferdinand Macketanz in Düsseldorf studierte und neben einem älteren zwei ihrer neuesten Werke ausstellt. „Hafen“ und „Birke“ sind gegenständliche Bilder in karger, fahler Farbigkeit von hohen sinnlichen Qualitäten.

Die 93-jährige Rosemarie Stuckert-Schnorrenberg vor ihrem Bild „Birke“.
Die 93-jährige Rosemarie Stuckert-Schnorrenberg vor ihrem Bild „Birke“. | Bild: Veronika Pantel

Gisela Heckings farbenfrohe Blumenbilder bilden den Kontrast: Fast meint man, die Bienen summen zu hören im farbenprächtig getupften „Bienengarten“, zu dem sie ein blühender Randstreifen an der Straße inspiriert habe, erläutert die Künstlerin.

Auch Jürgen Tirschmann, übrigens auch Drummer in der Band „One Time“, die die Vernissage mit Jazz-Standards bereicherte, malt in bestechend kräftigen Farben die See-Landschaft mit leicht verschwommenen Konturen.

Motive nicht nur von der Höri

Nicole Tödtmann zeigt Grafisches mit energischen Kohlestrichen, Hafenszenen, Landschaftsskizzen und zwei Ölbilder in fast bedrohlich-düsterer Farbgebung. Angela Becker-Fuhr, Tochter des Singener Malers und Grafikers Curth Georg Becker, ist kleinformatig vertreten mit feinen Reise-Eindrücken aus Südostasien. Ihr Statement: „Es muss nicht nur die Höri sein.“

Abstraktionen gibt es von Mimi Manzecchi-Müller, die in Lackflächen feine Liniengravuren bringt oder von Evthimia Fischer, deren kantige, blauflächige Bilder Architektonisches suggerieren.

Skulpturen und Objekte

Die Objektkünstler zeigen Arbeiten mit unterschiedlichsten Materialien: Sabine Hunger arbeitet fantasievolle Reisemobile aus Keramik und Glas, Alice Schäfer deutet Schrott-Teile zu kleinformatigen Skulpturen um, Marlis Faller schafft aus Draht und Papier fantastische Wesen, Fery Müller aus Scherben, Spiegel und Glasmosaik Stelen, die echte Hingucker sind.

Und Wolfgang Hecking lädt wie immer mit seinen Objekten zum Spielen mit Hintersinn ein: Dieses Mal animiert unter anderem sein „Tresor“ mit echten Münzgeld-Säckchen der Deutschen Bundesbank zum Spenden für den Kindergarten.

Provinz am See schöner

Ein Rundgang durch die Ausstellung ist eine Reise durch die Kunstwelt – sie ist anregend oder lädt zur Stille ein, sie betört mit ihrer Farbigkeit oder lässt den Betrachter eintauchen in ihre reduzierte Formenwelt. Siegmund Kopitzki: „Das hier ist zwar Provinz, aber sie sieht am See schöner aus.“