Krippenbauer und Leihgeber zeigen in einer Ausstellung in der Bankholzer Torkel aufwendige Werkstücke des christlichen Krippenbaus sowie wertvolle und liebgewonnene Heiligen-Figuren. Jede Ausstellung, die der Arbeitskreis „Heimatpflege Vordere Höri“ alle zwei Jahre organisiert, steht unter einem anderen Motto: Sie zeigten bisher Krippen aus aller Welt sowie regionale Vorweihnachtsbräuche, die Kunst des Krippenbaus selbst oder reich verzierte Tannenbäume, wie sie in ärmeren Regionen Polens geschmückt wurden. 

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – die Krippenszenerie findet auch Platz in einem Fass. Bilder: Georg Lange
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – die Krippenszenerie findet auch Platz in einem Fass. | Bild: Georg Lange

Der Schwerpunkt der siebten Krippenausstellung sind wertvolle handgeschnitzte und zum Teil kindsgroße Heiligenfiguren – aufwendig bemalt, lackiert oder gebeizt sowie Weihnachtsfiguren aus Holz, Ton, Bienenwachs, Keramik oder Edelstahl.

Die Krippendarstellungen reichen von wenigen Quadratzentimetern hin bis zu mehreren Quadratmetern großen Inszenierungen zwischen reich geschmückten Tannenbäumen im Bühnenraum des Erdgeschosses.

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Die Darstellung heiligen Familie mit Hirten und Königen sei in dieser Form erstmals von Franz von Assisi dargestellt worden, so der katholische Pfarrer im Ruhestand, Wolfgang Gaßmann bei der Vernissage der Krippenausstellung in der Bankholzer Torkel: Das Besondere sei die Darstellung eines Neugeborenen in einer Krippe und nicht in einer Wiege. Dieser Platz sei nicht ungewöhnlich gewesen, so Gassmann: Einfache Leute lebten in jener Zeit mit Tieren unter einem Dach.

Über die Symbolik

Eine weitere Symbolik offenbart sich durch die Krippe selbst: Es werde ein Gott gezeigt, der nicht im Himmel throne, sondern nah bei den Menschen weilt. Die Darstellung einer Geburt sei etwas Ursprüngliches, was Menschen anziehe und Erinnerungen wecke.

Die Heilige Familie am Hohentwiel: Die Weihnachtsgeschichte wird direkt vor die Haustüre geholt und vor Ort inszeniert. Bilder: Georg Lange
Die Heilige Familie am Hohentwiel: Die Weihnachtsgeschichte wird direkt vor die Haustüre geholt und vor Ort inszeniert. | Bild: Georg Lange

Die Weihnachtgeschichte beschreibt keine Idylle – sie erzählt auch von Not und Verfolgung. Deren Darstellung im Krippen-Szenarium ist eigentlich für die strenge Einhaltung der Liturgie bekannte katholische Kirche außergewöhnlich liberal. Franz von Assisi stellte die Szene ab dem 13. Jahrhundert dreidimensional in Figuren dar, nachdem es zuvor lediglich Bilder gab.

Die Geschichte ist rund um den Globus bekannt, doch die Szene wird je nach Region unterschiedlich dargestellt: Die Ausstellung zeigt orientalische oder alpenländische Szenarien. Mal sind die Protagonisten auf das Minimalistische reduziert oder aufwendig wie auf einer Theaterbühne inszeniert oder in Kisten, Bilderrahmen oder hölzernen Pferdehalfter integriert.

Krippenbauer erzählen

Robert Fritz aus Bankholzen brachte bäuerlich rustikale Inszenierungen der Krippenszene mit. Der 71-Jährige stellt zum zweiten Mal in der Torkel aus und lebt in der Winterzeit im Krippenbau seine eigenen Fantasien aus. Seine aufwendig gestalteten Gebäudeteile sind nicht verschraubt, sondern mit Zahnstochern versteckt und werden mit Leim zusammengehalten. Fritz steht mit dem Geraden auf Kriegsfuß: Seine Gebäude im alpenländischen Stil müssen krumm und schief sein. Sämtliche Baumaterialien stammen aus dem Wald, dem eigenen Schuppen oder aus alten Dachschindeln.

Heiliger Florian ist auch dabei

Sein Bruder Artur Fritz ist Ehrenkommandant der Mooser Feuerwehr. Für die Sonderausstellung brachte er den in Holz geschnitzten Schutzpatron der Feuerwehr, den Heiligen Florian, mit. Besonders auffallend daran ist dessen Darstellung als römischer Offizier mit Helm und Umhang.

Hans Hasenfratz aus Hemmenhofen zeigt Krippen und Figuren. Dabei achtet er besonders darauf, dass sein gekauftes Figurenensemble aus Hirten, Verkündigungsengel und Tieren vollzählig ist. Krippengebäude fertigt er selbst. Werden Größenangaben von Figuren angegeben, so beziehen sie sich immer auf die Figur des Josefs.

Alle anderen werden dann proportional zu dessen Größe angefertigt, weiß Hans Hasenfratz zu berichten. Sein Ensemble ist überraschend platzsparend gefertigt, damit sie auch in kleineren Gebäuden untergebracht werden kann. Die Tiefe der Figuren ist auf ein Drittel reduziert, die Breite dazu proportional normal gehalten.

Die Krippenszene wird häufig an den eigenen Kulturkreis angepasst. Hier findet die Heilige Familie eine Unterkunft in einem bäuerlichen Viehschuppen. Bilder: Georg Lange
Die Krippenszene wird häufig an den eigenen Kulturkreis angepasst. Hier findet die Heilige Familie eine Unterkunft in einem bäuerlichen Viehschuppen. | Bild: Georg Lange

Gerhard Stoffel ist Maurermeister und brachte eine Darstellung der heiligen Familie auf engstem Raum zur Ausstellung mit. Er hat seine Ausziehkrippe aus Apfelbaumholz mit der Feinschnittsäge herausgeschnitten. Die Figuren sind en bloc und in der Art eines Puzzles miteinander verbunden. Sie können durch Herausziehen immer wieder neu inszeniert werden. 

Gottfried Blum aus Markelfingen ist gerne in den Bergen und fertigt aus in Bächen und Flüssen gefundenem Schwemmholz Engel an. Jedes Holz sei anders in seiner Form, Steine könnten dabei ins Wurzelwerk eingewachsen ein – die Natur gebe dem gläubigen Christen und Holzkünstler die potenzielle Form seiner Figuren vor, die er aus dem Schwemmholz nur noch zu entdecken und herausholen brauche.

Blum bietet auch Kurse für Kinder im Krippenbau an. Dabei ist ihm die symbolische Darstellung der Weihnachtsgeschichte als eine Familie besonders wichtig. Denn aus dem Familienverband heraus sei alles erst entstanden und gewachsen.