Der Narrenspiegel der Bankholzer Joppen ist ein Glanzlicht der Höri-Fasnet. Dicht gedrängt sitzen im urigen Joppenpalast die Narren auf Bierbänken. Auf der kleinsten Fasnetbühne der Höri lassen sich die Bankholzer keinen fasnettauglichen Fehltritt ihrer Mitbürger entgehen – weniger in Büttenreden vorgetragen, sondern verpackt in einfallsreichen Sketchen, kleinen Theaterstückchen und vertont in Liedern. Die Joppen haben auch die jüngsten Fasnetstars. Gerade mal zwei Jahre alt, tanzte der jüngste mit dem Narrensamen einen Reigen.

"Nachher bisch tot und gucksch dumm", versucht Gerald Tham als besorgte Ehefrau Einfluss auf den leicht debilen Gatten (Egi Pfeiffer) zu nehmen. Emotional geht sie im Wartezimmer des Doktors dem Unterschied zwischen rektal und anal nach und diskutiert die Frage nach der Einnahmeform von Zäpfchen. Im ländlich-naiven Blindflug finden sie die Belastungsgrenze des stark überforderten Arztes (Roland Graf). Hermine wiederum ist von der Überraschungsparty angetan, die ihre Freundin Emma (Bettina Wieland) scheinbar organisiert hat. Selbst der Bürgermeister und die Presse seien ihr zu Ehren gekommen. Zehn Jahre lang feiert Hermine (Simone Streit) ihren 50. Geburtstag – bis sie schockiert feststellt, dass sie auf keiner Geburtstagsparty ist, sondern mitten drin beim Narrenspiegel der Joppen. "Was waren wir schön", akzeptieren die funzligen Seniorinnen halbwegs die überwundene Midlifecrisis und ließen für die Narren zellulitebewusst die Glanzzeit vergangener Tage in einer Bademode-Couture aufleben.

Im Polizeipräsidium Moos klingelt das Telefon ohne Unterlass. Als Kommissar für Tierkriminalität ist Martin Heller in seinem lustig-morbiden Sketch hochgradig beschäftigt, verlorengegangene Tiere zu suchen und mit Gegenüberstellungen deren Besitzer zu finden – bis er auf Streifenfahrt selbst zum Täter wird und unter den Reifen seines Polizeiwagens den entlaufenen Hund findet.

Kunnt er? Oder kunnt er it? Thomas Waibl als "de Bemsel" entscheidet spontan, ob er die närrische Bühne betritt. Das Bankholzer Original ist alles andere als ein Einfaltspinsel. De Bemsel braucht kein Manuskript. Er schwätzt, wie ihm die Schnorre gewachsen ist – meist aus der Perspektive eigener Erlebnisse. Nichts entgeht seinem humorvoll-kritischen Blick. Unnachahmlich pinselt der Star der Joppen ein feucht-fröhliches und heiteres Bild seiner Mitbewohner und reißt mit seinem Humor die Herzen der Narren an sich.

Im Ober- und Unterdorf verwandeln sich Narren in singende und tratschende Schlümpfe. Was 2017 so alles im Dorf absonderliches geschah, erfuhren die Besucher in einem verschlumpft vorgehaltenen Narrenspiegel der Kopfträger und Studejucker. Im Sketch "die Elefantenrunde" entpuppt sich Bankholzen als politisches Zentrum der Republik. Live überträgt das Fernsehen die Danni Will-Show mitsamt der Bundeskanzlerin und hochrangigen Politikern. Und die Holzer Joppen entdecken die wahren Hintergründe um das Märchen vom Rotkäppchen. In einer lachtränenreichen Gesangsshow legten die Holzer neue Texte über altbekannte Schlager und erzählen das Märchen und das wahre Ableben des Wolfes neu.

Ehrungen

Die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee zeichnete beim Narrenspiegel verdiente Joppen aus, die seit langem Mitglieder sind oder sich für Veranstaltungen engagieren – oder beides: Helga Stoffel, Michael Tröndle, Adrian Amann, Anna und Markus Bühren, Daniel und Patrick Fahrner sowie Christian Hangarter. (gla)