Die Gemeinde Moos hat die Ausstellung „Kunst Handwerk“ eröffnet. Die Vernissage lockte rund 200 Besucher in das Bürgerhaus. Die Schau zeigt mehrere hundert Werke von 27 Künstlern und Kunsthandwerkern, vornehmlich von der Höri. Die vielfältige Kunstausstellung ist bis zum 8. April geöffnet und verbindet Kunst mit Handwerk. Beides hänge untrennbar miteinander zusammen, sagte Bürgermeister Peter Kessler bei der Eröffnung der alle zwei Jahre stattfindenden Schau von Künstlern und Handwerkern im Mooser Bürgerhaus: Beim Rundgang erlebe der Besucher deren fließenden Übergänge. Laudator Jürgen Tirschmann gab in einer faszinierenden Rede Einblicke in die Beurteilung von Kunst (siehe Info-Kasten), stellte die Frage nach dem, was Kunst dürfe und gab ein Plädoyer für dessen Freiheit.

Jürgen Tirschmann versteht unter einem Kunsthandwerk jedes Handwerk, bei dem künstlerische Fähigkeiten maßgebend und erforderlich sind. Dessen Produkte seien Unikate und könnten auch als Vorlage für Industrieprodukte dienen. Das Bauhaus habe hierfür den Übergang zum Industriedesign geschaffen. Kunsthandwerk befinde sich zwischen Kunst und Design. Die Schau zeigt unter anderem Gebrauchs- und Dekogegenstände aus einer Glasbläserei, Schmuck aus Silber und Gold wie auch Objekte aus Keramik, Porzellan, Ton und Schwemmholz, gefilzte Klappstühle und Drechslerarbeiten oder aquarellierte Gänseeier.

Der Besucher entdeckt filigrane Draht- und Papierarbeiten und groß dimensionierte Holzskulpturen sowie Digitaldrucke, die von Krieg und Religion erzählen, und auch Naturfotografien in kräftigem Schwarz-Weiß-Kontrast, Schattenwerke stark vergrößerter Blumen und fotorealistische Gemälde, die im Kontrast zu narrativen Bildern stehen und an Comics erinnern. Auch gibt es dreidimensionale Collagen mit plastischen Objekten.

Jürgen Tirschmann stellte in seiner Lobesrede die Frage, was Kunst dürfe und ob sie zensiert werden dürfe, wenn es um die Befindlichkeit der Menschen gehe. Der Künstler zitierte dabei zwei Ereignisse, die einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatten: Ein Gedicht auf der Fassade einer Berliner Hochschule soll auf Druck der Studentenvertretung und wegen des Vorwurfs des Sexismus übermalt werden. Mit dem Abhängen eines Waterhaus-Gemäldes aus der Art Gallery in Manchester wollte die Kuratorin eine Debatte auslösen, ob solche Bilder in heutiger Zeit gezeigt werden sollen. Was beide Werken vereint, ist der männliche Blick in der Kunst.

Kunstfreiheit sei ein Grundrecht, das den Schutz künstlerischer Ausdrucksformen diene, erinnerte Tirschmann. Doch wer legt fest was Kunst ist? Der Staat nicht, so Tirschmann: Dürfte dieser es, so würde er sich zu einem staatlichen Kunsthändler aufspielen. Tirschmann erinnerte auch an die Zeit der sogenannten „entarteten Kunst“. Der Impressionismus wiederum habe den Künstlern bei der ersten Präsentation 1874 in Paris mehr Spott als Erfolg eingebracht. Tirschmanns Fazit: Künstler, Galeristen, Museen, öffentliche Meinung und der Preis bestimmen, was Kunst ist.

Kunst-Leitfaden

Laudator Jürgen Tirschmann überzeugte in seiner Rede auch mit einer Art Leitfaden zum Betrachten und Beurteilen von Kunst, der sich so ähnlich auch bei dem Münchner Schriftsteller Alfons Schweiggert nachlesen lässt: Drückt das Werk erfolgreich alles das aus, was es ausdrücken möchte? Erstaunt es jedes Mal wieder? Kann man den Blick nicht abwenden? Verändert es sich ständig, weil es vielschichtige Bedeutungen hat? Wächst die Kraft seiner puren und geheimnisvollen Ausstrahlung mit jedem Tag? Ist es unvergesslich? (gla)