Kultur_See Rückschau auf ein Lebenswerk

„Walter Burger und Künstlerfreunde“ ist die Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen betitelt: Im Zentrum steht das vielfältige Schaffen des 2010 verstorbenen Ostschweizer Künstlers; begleitet wird es von Werken anderer bedeutender Kunstschaffender aus der Schweiz.

Das Kunstmuseum St. Gallen zeigt Werke des Ostschweizer Künstlers Walter Burger. Hier „Sommer“ von 1980.
Das Kunstmuseum St. Gallen zeigt Werke des Ostschweizer Künstlers Walter Burger. Hier „Sommer“ von 1980. | Bild: Museum

Walter Burger, 1923 im luzernischen Emmen geboren, wuchs in St. Gallen auf, besuchte hier auch die Kunstgewerbeschule und arbeitete sich in den ersten Nachkriegsjahren im Atelier des Basler Künstlers Hans Stocker gründlich in die Fresko- und Glasmalerei ein. Als 25-Jähriger gewann der junge Künstler den Wettbewerb für die gesamte künstlerische Ausgestaltung der neuen Dreifaltigkeitskirche in St. Gallen-Heiligkreuz. Dieser große Auftrag, den Burger von 1949–1953 realisierte, stand am Anfang einer langen Reihe weiterer Arbeiten im öffentlichen Raum: Chor- und Wandgestaltungen in zahlreichen Kirchen, Fresken und Wandmalereien in kantonalen und kommunalen Bauten, später auch dreidimensionale Werke in geschmiedetem Eisen, Emaille und Holz.

Daneben aber entstand ein nicht minder reiches Oeuvre ohne unmittelbare Bindung an eine durch Architektur oder Landschaft vorgeprägte Umgebung, wobei Burger schrittweise von einer freien Gegenständlichkeit zu abstraktem Gestalten fand, ohne sich allerdings festlegen oder gar eingrenzen zu lassen. Immer war da auch die äußere Erscheinung von Menschen und Dingen als Ausgangspunkt für die bildnerische Gestaltung, oft noch erkennbar in freiem Umspielen, oft so weit abstrahiert, dass figurale Bezüge nurmehr erahnbar waren oder ganz verschwanden.

Malerei und plastisches Gestalten durchdringen sich gegenseitig: In vielen dreidimensionalen Arbeiten verwendet Burger farbige Emailleplatten oder gelochte Fundstücke aus dem gleichen Material, aus den Farbflächen heraus greifen geschmiedete Formelemente in den Raum, Zeichen eher als geschlossene Formen, oft auch witzige, bisweilen hintergründige Anspielungen auf reale Gegebenheiten und Objekte. Und in manchen Bildern scheint Burger Teile seiner Eisenskulpturen zu zitieren, tänzerisch leichte Figuren trotz ihrer schwarzen Schwere, die im Kontrast zur lichten Farbigkeit noch schwärzer erscheint.

Variationen über ein Thema Zu den Schwerpunkten der Ausstellung gehören auch mehrere Serien von Kuvertzeichnungen, die vorwiegend in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden sind: Skizzenhafte Arbeiten in Blei- und Farbstift auf gebrauchten A5-Briefumschlägen, oft Variationen des gleichen Themas wie etwa die 46 Kuverts zum Thema „Auf dem Boot“ oder die Achterserie „Schopf und Scheune“ – ein Motiv, das Walter Burger auch in 18 dreidimensionalen Modellen aus Karton und Furnier aufgegriffen hat, darin zugleich einen der Grundzüge seines Schaffens thematisierend: das Aufklappen der Fläche in den Raum.

Ergänzt werden die zum großen Teil zu einer umfangreichen Schenkung von Maria Burger, der Witwe des Künstlers, gehörenden Bilder und Plastiken durch ausgewählte Werke von Künstlerfreunden und Künstlern, die in ihrem Schaffen Walters Burgers Arbeit nahe standen. Hans Stocker (1896–1983), sein Lehrer in Basel, die beiden Basler Künstler Coghuf (Ernst Stocker, 1905–1976) und Max Kämpf (1912–1982) sowie der St. Galler Ferdinand Gehr (1896–1996) sind mit Gemälden und Aquarellen vertreten, die Eisenplastiker Bernhard Luginbühl (1929–2011), Robert Müller (1920–2003) und Josef Maria Odermatt (1934–2011) sowie der Plastiker und Objektkünstler Franz Eggenschwiler (1930–2000) lassen in einem diesem Bereich vorbehaltenen Saal einen spannenden Dialog zwischen unterschiedlichen künstlerischen und materialbezogenen Positionen entstehen.

D ie Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen ist bis 18. März zu sehen. Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr; 24.–26. und 31. Dezember sowie 1. Januar geschlossen.

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