Kultur_See "Im Iran darf ich nicht auftreten"

Die Sängerin Cymin Samawatie, Kopf der Jazzband "Cyminology", hat iranische Eltern - dennoch darf sie mit ihrer Band nicht im Iran auf Tournee gehen. Am Rande ihres Auftritts in Singen sprach sie über ihr Verhältnis zur Heimat ihrer Eltern und Emotionen in der Musik.

Die Sängerin Cymin Samawatie
Die Sängerin Cymin Samawatie | Bild: Kai von Rabenau / ECM
Frau Samawatie, während Ihres Auftritts in der GEMS in Singen haben Sie erwähnt, dass Sie gerne einmal im Iran, der Heimat Ihrer Eltern, auftreten würden, dass Sie das bislang aber nicht durften. Was steht dem denn im Weg?

Der Grund, weshalb ich mit dieser Band nicht im Iran auftreten darf, ist, dass ich als Frau nicht vor Männern singen darf – wenn ich ein Instrument spielen würde, wäre das wieder anders. Vor ungefähr zweieinhalb Jahren begegnete ich dem damaligen Dirigenten des Teheraner Symphonieorchesters, Nader Mashayekhi. Wir sprachen darüber, ein gemeinsames Konzert in Teheran durchzuführen. Dafür müsste man etwas für drei Frauenstimmen komponieren, da es dann als Chor zählen kann und somit aufführbar wäre. Bis jetzt ist es noch nicht dazu gekommen, aber die Idee steht immer noch im Raum. Eine Alternative wäre noch, nur Frauen ins Publikum zu lassen, aber dann dürften keine Männer auf der Bühne sein – ich müsste eine Frauenband zusammenstellen. Und das Beste wäre natürlich, wenn man sich nicht verbiegen müsste.

Ist Ihre Musik denn dann im Iran bekannt?

Im Untergrund läuft im Iran vieles, wovon man in den westlichen Medien nichts mitbekommt. Auch meine Musik zirkuliert dort über CDs, die sich die Leute gegenseitig ausleihen. Und es gibt sogar ganze Konzerte, die im Untergrund stattfinden.

Haben Sie Familie im Iran?

Mein Vater lebt inzwischen etwa die Hälfte des Jahres im Iran und hat keine Probleme, ein- und auszureisen. Meine Familie war nie politisch aktiv, und dann ist das Land nicht so abgeschottet, wie es im Westen manchmal scheint.

Kann man die altpersischen Texte, die Ihnen als Grundlage für Ihre Lieder dienen, auch als Kommentare zur politischen Lage im Iran verstehen?

Nicht unbedingt, die Texte der alten Dichter sind ja sehr offen gehalten. Das kann man politisch verstehen, aber auch rein zwischenmenschlich. Das schätze ich sehr an den alten persischen Dichtern, dass sie vieldeutig sind und sich jeder seine eigene Welt in den Gedichten aufbauen kann.

Vor allem in der ersten Hälfte Ihres Konzerts in der Gems haben wir viele langsame Nummern gehört. Ist das das Konzept der Band?

Es ist immer sehr schwierig, als Künstler seine eigene Kunst zu kommentieren. Ob ein Text schnell oder langsam vertont wird, ergibt sich eigentlich eher, ohne dass wir das vorher entscheiden würden. Aber es ist bei ruhigen Stücken leichter, Emotionen zu transportieren, als bei schnellen, das empfinde ich schon so.

Bei Ihrem Singener Auftritt waren einige Exil-Iraner im Konzert. Erleben Sie das regelmäßig so?

Nein, das ist sehr unterschiedlich. Wir kennen auch nicht alle Communities von Exil-Iranern in Deutschland. Die vernetzen sich häufig über soziale Netzwerke und damit fangen wir jetzt erst an, zum Beispiel auf Facebook.

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