Kultur See Heinz Mack in der Galerie Geiger

Die Galerie Geiger feiert ihre 100. Ausstellung in Konstanz und gratuliert Heinz Mack zum 80. Geburtstag

„Meditations-Bild“ (Ausschnitt). Macks neue Arbeiten zeigen den Einfluss der islamischen Kunst.
„Meditations-Bild“ (Ausschnitt). Macks neue Arbeiten zeigen den Einfluss der islamischen Kunst. | Bild: Bild: Katalog

2011 ist ohne Frage sein Jahr. Heinz Mack, der Mitbegründer der Künstlergruppe ZERO, feiert seinen 80. Geburtstag. Vier große Einzelausstellungen in renommierten Museen unterstreichen die Wertschätzung, die der Künstler genießt. Seine neueste Werkgruppe zeigt der Künstler dennoch in der Galerie Geiger, der er seit vielen Jahren eng verbunden ist. Die Konstanzer Galerie darf zu Recht stolz darauf sein. Es ist auch in anderer Hinsicht eine ganz besondere Ausstellung geworden, denn es handelt sich um die 100. Ausstellung, die die Galerie seit ihrem Umzug an den Bodensee präsentiert. Das letzte Bild hat das Atelier erst im September verlassen. Aktueller geht es nicht. Wichtiger aber noch: Auch im Alter hat Mack nichts von seiner Schaffenskraft eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Beim Gang durch die Ausstellung ist gut zu beobachten, wie der Künstler sein Thema weiterentwickelt. Das große Leitthema ist die Struktur. Die Bandbreite überrascht. Und dennoch korrespondieren die Arbeiten – darunter mehrere Großformate in musealer Qualität – auf faszinierende Weise miteinander.

Der Lichtkünstler

In der Regel wird Mack, in dessen Werk optische Phänomene eine herausragende Rolle spielen, das Etikett „Licht-Künstler“ angeheftet. Ebenso gut könne man den mehrfachen Documenta-Teilnehmer aber auch als „Struktur-Künstler“ bezeichnen, erklärt Galerist Stephan Geiger. In seinen neuen Arbeiten kommen ganz unterschiedliche Strukturen zum Einsatz. Mehrere Gemälde verweisen mit ihren radikal reduzierten und dennoch strengen Kompositionen zurück in die ZERO-Zeit. Mack war zusammen mit Otto Piene die treibende Kraft der deutschen Künstlergruppe, die nach dem Ende des Naziterrors einen radikalen Neuanfang suchte. Unter die aktuellen Bilder hat sich auch eine etwas ältere Reliefarbeit gemischt, bei der Mack mit Hilfe von optischen Linsen schillernde Strukturen erzeugt. Das Licht bleibt nicht nur hier ein entscheidender Faktor.

Nach langer Malpause greift Mack erst zu Beginn der 1990er Jahre wieder zum Pinsel. „Prinzipale Farben“ heißt eine der ersten Leinwandarbeiten, die in dieser Zeit entstehen. Das Bild, zugleich die zweite etwas ältere Arbeit, die in der Ausstellung zu sehen ist, lebt durch seine starken Farbkontraste. In den neuen Gemälden wandern die Farben dagegen über die Leinwand als würde Mack zu einer Konferenz der Farben einladen. Etwas aus dem Rahmen fällt die sehr malerisch angelegte Arbeit „Ein Haus für Niemand“. Zwei andere Bilder entwickeln eine überraschend starke Tiefenwirkung. „Kubus im Kubus“ gleicht dabei einer Hommage an Victor Vasarely. Schaut man das Bild länger an, kommt es zu einem irritierenden Umkippeffekt. Eine Täuschung wie aus der Op Art.

Andere Arbeiten lassen uns an textile Muster, Wandteppiche, Fenstergitter und Mosaiken denken. Mack nimmt hier, inspiriert durch zahlreiche Reisen, unverkennbar Bezug auf die islamische Kunst. Das betrifft nicht nur die Strukturen, sondern auch die gewählten Farben – wiederholt kommt Gold zum Einsatz. Manche Bilder haben einen fast schon meditativen Charakter. Der ZERO-Pionier, fasst es Stephan Geiger in dem begleitenden Ausstellungskatalog zusammen, sei ein kritischer, unabhängiger Geist, der lieber neue Horizonte öffne, als alten Pfaden zu folgen. Während er mit seinen frühen Strukturarbeiten einen Dialog mit den Naturwissenschaften eröffnet hat, werden Macks neue Bilder mit ihrer orientalischen Ornamentik zu einem gemalten Dialog der Kulturen.

Heinz Mack. Das Einmal Mehrmals. Galerie Geiger, Fischmarkt 5a, Konstanz. Bis 11. Januar, Di–Fr 14–19 Uhr, Sa 12–18 Uhr

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