Hat es an der Singener Kinderklinik überhaupt positive Coronafälle bei Kindern gegeben?

Ja, an der Singener Kinderklinik sind fünf Kinder positiv getestet worden. Im Moment würden Kinder häufiger positiv getestet, sagt Andreas Trotter, Chefarzt der Kinderklinik, meist seien dann auch die Eltern infiziert. Deutschlandweit wurden laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) im Jahr 2020 etwa 800 Corona-Fälle bei Kindern gemeldet. Acht Prozent davon wurden auf der Intensivstation behandelt, nicht zwingend aber wegen ihrer Corona-Erkrankung. 0,3 Prozent der Patienten starben, in absoluten Zahlen: zwei.

Wie ist die Lage in einer Kinderarztpraxis?

Alexander Fülbert, niedergelassener Kinderarzt in Konstanz, berichtet, dass er seit November etwa 40 Covid-19-positive Kinder in seiner Praxis hatte. „Wenige dieser Kinder fiebern einige Tage, danach klingt es meist ab“, sagt Fülbert. Andere Symptome seien Halskratzen oder ein leichter Husten und Durchfall. „Es gab in meiner Arztpraxis noch keinen Elternteil, der nach Tagen anrief und sagte, dass es dem Kind schlechter gegangen sei.“ Bei einer echten Grippe sei der Verlauf bei Kindern deutlich heftiger, ergänzt er. Ab dem Jugendalter, mit 15 oder 16 Jahren, gebe es auch stärkere Verläufe der Krankheit, ähnlich jenen bei Erwachsenen. „Das jüngste Kind war ein Säugling, der zwei oder drei Tage Fieber hatte.“

Welche Kinder werden überhaupt getestet?

In der Kinderarztpraxis würden vor allem Kinder getestet, die vom Gesundheitsamt geschickt wurden – weil es im direkten Umfeld Coronafälle gab. Die meisten Kinder würden von ihren Eltern angesteckt, sagt Fülbert, eine Ansteckung durch andere Kinder in der Kita sei unwahrscheinlicher.

Welche Symptome entwickeln Corona-positive Kinder zumeist?

Nach einer deutschlandweiten Erhebung an 800 stationär wegen Covid-19 behandelten Kindern und Jugendlichen waren neben Fieber vor allem Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege (Husten, Schnupfen, Bronchitis, seltener eine Lungenentzündung) und des Magen-Darmtrakts (Durchfall/Erbrechen) vorhanden. Insgesamt seien die Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen milde, häufig auch ohne Symptome.

Gibt es auch schwere Verläufe?

In seltenen Fällen kann es auch zu einer überschießenden Entzündungsreaktion im Körper kommen, die dem seit langem bekannten Kawasaki-Syndrom ähnelt. Dieses als PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) oder MIS-C (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children) bezeichnete Krankheitsbild tritt typischerweise erst in Erscheinung, wenn der Virus gar nicht mehr nachweisbar ist und äußert sich in anhaltend hohem Fieber, begleitet von Bindehautentzündung, Hautauschlag und Lymphknotenschwellungen. Hier ist wichtig, dass die Behandlung früh einsetzt, um Spätfolgen zu vermeiden.

Gab es an der Kinderklinik Kinder, die schwerer erkrankten?

„Wir hatten im Verlauf dieser Monate zwei Kinder, die schwerere Symptome hatten. Sie waren ordentlich krank, sind aber inzwischen genesen“, sagt Andreas Trotter.

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Wie behandelt man die Kinder mit Kawasaki-like Syndrom?

Da das Syndrom länger bekannt sei, habe man auch mit der Behandlung kein Problem, sagt Trotter. Es sei gut mit Cortison und Immunglobulinen zu behandeln, außerdem setze man symptomatisch Mittel gegen Fieber ein. Die Erkrankten würden meist über einen Zeitraum von zwei Wochen im Krankenhaus behandelt.

Der aktuelle Impfstoff der Firma Biontech/Pfizer ist nur für Erwachsene zugelassen. Werden Kinder auch geimpft?

Die Zulassung eines Impfstoffs beziehe sich immer auf eine Studie, erläutert Andreas Trotter. „Im Moment gibt es keine Studie, bei der die Wirkung des Impfstoffs auf Kinder getestet wurde“, sagt er. Die Firma Biontech habe aber eine Studie begonnen, um die Zulassung für Kinder ab zwölf Jahren zu erwirken.

Ist es denn sinnvoll, Kinder zu impfen?

Laut Andreas Trotter ist jede Impfung eine Nutzen-Risiko-Abwägung. „Kinder haben ein anderes Immunsystem, sie reagieren eventuell stärker auf die Impfung„, sagt er. Persönlich wäre er vorsichtig mit dem Impfen bei Kindern, so lange es nicht ausreichend Erfahrung gebe. Hinzu komme: „Man muss Kinder nicht impfen, um sie selbst zu schützen.“ Dazu sei eine Covid-19-Erkrankung zu ungefährlich für sie. Aus seiner Sicht sei es im Moment nicht ratsam, Kinder zu impfen. Kinderarzt Alexander Fülbert blickt einen Schritt weiter in die Zukunft: „Auf die Dauer betrachtet kann es sein, dass es sinnvoll sein wird, auch Kinder zu impfen“, sagt er. Eher, weil sie die Krankheit weitergeben können als für den Eigenschutz. Er rechne damit, dass ein Impfstoff auch für Kinder in absehbarer Zeit zugelassen werde. Klar sei: Die Infektionstreiber seien die Erwachsenen.