Jetzt ist es doch passiert: Corona-PCR-Tests, die positiv sind, obwohl die getesteten Personen nicht infiziert sind. PCR bezeichnet die Polymerase-Kettenreaktion, die dazu verwendet wird, Virusinfektionen zu erkennen. Am vergangenen Freitag sind etwa 50 Abstrichproben im Labor Brunner positiv auf Corona getestet worden – 30 davon stammen von Personen aus dem Landkreis Konstanz. Der Fehler wurde aber bereits wenige Stunden später bemerkt.

Wie kamen die falschen Positiv-Tests zustande?

„Innerhalb von wenigen Stunden haben wir die Kontaminierung bemerkt und uns ans Gesundheitsamt gewandt“, sagt Simone Brunner, Inhaberin des Labors Brunner. Falsch positive Proben kämen dann zustande, wenn irgendein Schritt oder Material in der PCR fälschlicherweise mit Virus-Ribonucleinsäure (RNA) kontaminiert sei. Die PCR sei so hoch sensitiv, dass kleinste Spuren der Virus-RNA ausreichten, ein Problem zu schaffen. „Diese Situation hatten wir letzten Freitag“, schreibt Simone Brunner. Die Resultatübermittlung sei dann so schnell erfolgt, dass die Befunde bereits in der EDV freigegeben waren, als die Meldung aus dem Labor kam, dass es ein Problem gibt und die Testungen wiederholt werden müssen.

Wie häufig passieren diese Fehler?

Falsch positive Testergebnisse kämen sehr selten, aber immer wieder vor, antwortet Simone Brunner, Leiterin des Labors Brunner, auf Anfrage. Die PCR-Tests hätten eine Spezifität von etwa 99 Prozent, was bedeute, dass mindestens 99 von 100 Testergebnissen korrekt positiv seien. Die Falsch-Rate liege also bei höchstens einem Prozent. „Das ist in diesem Ausmaß zum ersten Mal vorgekommen“, sagt Hannes Winterer, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts in der wöchentlichen Konferenz des Landratsamts.

Wie erfährt der falsch getestete Betroffene davon, dass er doch nicht infiziert ist?

Eine Korrektur werde stets zeitnah, entweder direkt, über den Hausarzt oder das Gesundheitsamt, kommuniziert, schreibt Simone Brunner. Die Kommunikation zwischen Labor, den Ärzten, Krankenhaus, Abstrichzentren und den Gesundheitsämtern sei sehr intensiv. Das Gesundheitsamt hat am Freitag alle Betroffenen kontaktiert. Ihnen wurde empfohlen, den Test wiederholen zu lassen.

Wo kann man sich im Moment überhaupt testen lassen?

Es gibt im Landkreis zwei Abstrichzentren, jeweils an den Kliniken in Singen und in Konstanz. Dort werden asymptomatische Personen getestet, wie Marlene Pellhammer, Pressesprecherin des Landratsamts, berichtet, das können Reiserückkehrer sein oder Personen der Kontaktgruppe 1. Personen, die Symptome zeigen, werden bei Hausärzten und in Corona-Schwerpunktpraxen getestet.

Wie viele Tests werden derzeit im Kreis Konstanz gemacht?

In den Laboren Brunner, Blessing und dem MVZ Labor Ravensburg seien in der vergangenen Woche 4626 Tests für den Landkreis Konstanz gemacht worden, berichtet Pellhammer. Am Abstrichzentrum in Singen wurden im Zeitraum vom 2. bis 8. November 370 Abstriche gemacht, sagt Martina Troescher, Referentin der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, auf Anfrage. Hinzu kämen aber alle Tests aus den Hausarzt- und Schwerpunktpraxen. Im Abstrichzentrum Konstanz werden pro Woche 400 bis 450 Abstriche gemacht, wie dessen Leiter, Christoph Venedey, auf Anfrage schreibt. Der Andrang schwankt aber offenbar stark: Es seien auch schon 180 Abstriche an einem Tag gemacht worden, schreibt Venedey. Am Dienstag hingegen nahmen in Konstanz nur etwa 20 Personen die Testung in Anspruch, in Singen waren es etwa 30.

Tobias Schmiedmeister (v.li.), Anatoliy Narushaev (beide vom Malteser Hilfsdienst), Marianne Guthoff von der Kassenärtzlichen Vereinigung und Arzt Udo Englmann bilden ein Team im Abstrichzentrum in Singen.
Tobias Schmiedmeister (v.li.), Anatoliy Narushaev (beide vom Malteser Hilfsdienst), Marianne Guthoff von der Kassenärtzlichen Vereinigung und Arzt Udo Englmann bilden ein Team im Abstrichzentrum in Singen. | Bild: Steinert, Kerstin

Ist in den Laboren ausreichend Material vorhanden?

PCR-Reagenz sei im Moment genügend vorhanden, schreibt Simone Brunner. Plastikware wie Pipettenspitzen, Mikrotiterplatten oder Reaktionsgefäße seien eher das Problem: Zudem arbeite das Labor sonst mit hochwertigen Flüssigabstrichen, die aber bereits seit Monaten vergriffen seien.

Wie lang beträgt die Wartezeit an den Testzentren?

In Konstanz müsse man in der Regel 30 bis 90 Minuten warten, schreibt Venedey. Termine würden nicht vergeben. Beim Abstrichzentrum Singen wiederum werden Termine vergeben, wie Martina Troescher von der KVBW berichtet. Die Wartezeit betrage dann etwa zehn Minuten.

Wer bezahlt die Tests?

Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Zunächst hatten nur Personen mit Symptomen Anspruch auf einen Test. Jetzt können auch asymptomatische Personen getestet werden, wenn ein Gesundheitsamt dies veranlasst.