Der Frust in den Klinken des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz (GLKN) ist groß. Bernd Sieber, Geschäftsführer de GLKN, macht in der wöchentlichen Corona-Konferenz des Landratsamtes Konstanz seinem Ärger Luft: „Was uns ärgert, ist der dramatische Zickzack-Kurs der Landesregierung“, sagt er. Ständig ändere die Landesregierung ihre Corona-Vorschriften für Krankenhäuser und Kliniken. Gleichzeitig bliebe die Frage offen, wann es endlich Impfstoff gegen das Coronavirus für die Mitarbeiter in den Gesundheitseinrichtungen gebe.

Thema Zutrittsmöglichkeiten in die Kliniken

„Wir haben letzte Woche über die 3. Corona-Änderungsverordnung (Anmerk. d. Red., Änderung zur 5. Corona-Verordnung, 8. Januar) gesagt bekommen, dass wir Besucher, Lieferanten und Partner nur noch ins Krankenhaus reinlassen können, wenn sie einen negativen Test vorweisen. Wenn sie das nicht können, ist uns klar, dann müssen wir diesen Test auch vor Ort durchführen können. Wir haben uns darauf eingestellt“, sagt Sieber. Dazu habe man extra eine entsprechende Infrastruktur geschaffen.

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Zehn Tage später (18. Januar) erscheint die 4. Corona-Änderungsverordnung. Wieder müssen die Krankenhäuser reagieren, alte und neue Bedingungen vergleichen und rasch umsetzen. Diesmal wird den Kliniken eine Wahl gelassen: Zutritt hat, wer entweder einen negativen Text vorweist oder eine FFP2-Maske trägt. Die Kliniken des GLKN haben sich für das Tragen der FFP2-Masken ohne Ventil entschieden. Für die Krankenhäuser gilt außerdem, dass „Besuche weiterhin in Ausnahmen nach vorheriger telefonischer Absprache mit dem behandelnden Arzt möglich sind“, heißt es in einer Pressemitteilung des GLKN.

Dieses Hin und Her ärgert Sieber. „Das ist so ein Zickzack-Kurs. Man bereitet Dinge vor, die verordnet werden, und übermorgen können sie schon wieder überholt sein“, sagt er.

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Thema: Impfstoffe für Krankenhaus-Mitarbeiter

Kritik übt Sieber auch beim Thema impfen. „Wir haben versprochen bekommen, dass wir für die Mitarbeiter Impfdosen erhalten. Daher haben wir an allen Standorten des GLKN Impfstraßen aufgebaut. Wir haben uns einen Kühlschrank zur Lagerung für den Impfstoff besorgt, damit wir das Kreisimpfzentrum nicht be- sondern entlasten. Und dann erfahren wir, dass wir keinen Impfstoff bis auf weiteres bekommen“, sagt Sieber. Eigentlich hieß es schon Ende 2020, dass die Kliniken im Kreis Anfang Januar Impfdosen erhalten sollten. Doch bisher kam nichts.

Nur 20 Prozent des medizinischen Personals können zurzeit geimpft werden

Ein Datum, wann Impfstoff für die Mitarbeiter in den Kliniken im Landkreis Konstanz geliefert wird, gibt es nicht. Das bestätigt das Sozialministerium in Stuttgart auf SÜDKURIER-Anfrage. „Wir verstehen gut, dass Pflegekräfte und Ärzte in den Krankenhäusern sehnlichst darauf warten, endlich geimpft zu werden. Das grundsätzliche Problem ist aber, dass wir bei übergroßer Nachfrage viel zu wenig Impfstoff vom Bund zur Verfügung gestellt bekommen“, schreibt Florian Mader, Pressesprecher des Sozialministeriums.

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Deshalb müsse man „stark priorisieren“ und man habe sich im „allerersten Schritt darauf verständigt, die über-80-jährigen Seniorinnen und Senioren“ in den Alten- und Pflegeheimen zu impfen. „Lediglich 20 Prozent der Impfstoffmenge können wir derzeit an das medizinische Personal verabreichen“, so der Pressesprecher. Eine Lieferung an die Kliniken sei momentan nicht vorgesehen und werde erst kommen, wenn vom Bund größere Mengen des Impfstoffs zur Verfügung gestellt werde.

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Mitarbeiter fahren bis Würzburg für die Impfung

Für Bernd Sieber und seine 3600 Mitarbeiter, wovon etwa 1800 Mitarbeiter immer mal wieder in direkten Kontakt mit Covid-19-Patienten stehen, ist das ein große Ärgernis. Denn diese Impfstrategie trage „mittlerweile solche komischen Früchte, dass Mitarbeiter bis hin nach Würzburg fahren, um sich dort Impftermine zu verschaffen“, so Sieber.

Ein paar wenige Mitarbeiter des Hegau-Bodensee-Klinikums hatten aber Glück. Knapp 20 Mitarbeiter wurden nachdem ersten Impftag des Kreisimpfzentrums in Singen geimpft. Aber nicht, weil sie einen Termin hatten, sondern weil 22 Impfdosen übrig waren. Impfdosen, die an den Impftagen nicht gespritzt werden, gehen an die Krankenhäuser im Kreis. Aber in diesem Tempo dauert es ewig, bis alle 3600 Mitarbeiter zwei Mal geimpft sind.

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Coronavirus-Mutationen beunruhigen Bernd Sieber

Der Blick in die Zukunft macht dem Geschäftsführer dabei besonders Angst. Stichwort Mutation. „Ganz sicher werden Mutationen des Virus bei uns ankommen. Und dann bin ich mal gespannt, wenn die Bevölkerung sehen muss, dass die Mitarbeiter, die an vorderster Front arbeiten, nicht geimpft sind“, sagt Sieber und malt das Szenario weiter aus. Dann könnte es nämlich sein, dass die gesundheitliche Versorgung nicht sichergestellt sei.